Maxima mit ihren Eltern und Bruder Philipp: Ihre Spendenaktion schlägt durch die Decke. © Elisabeth Schrief
Maxima-Spendenaktion

Maxima berührt auch die Herzen der Halterner – 81.000 Euro für Afrika

Maxima sorgt mit ihrer Spendenaktion für eine kleine Sensation. Über 81.000 Euro sind in wenigen Wochen eingegangen. Pater Thomas begleitet die Aktion. Er erzählt, was mit dem Geld passiert.

Die neunjährige Maxima aus Reken ist an Krebs erkrankt. Sie hat schon sechs Operationen überstanden und befindet sich wegen ihres „zornigen“ Hirntumors weiter in Behandlung. Ein guter Grund, um traurig zu sein. Aber Maxima strahlt. Sie hat eine Spendenaktion für Kinder in Afrika ins Leben gerufen, weil sie glücklich ist, dass sie hier in Deutschland medizinisch so gut versorgt wird.

In wenigen Wochen schoss das von ihr gebastelte „Maximeter“ durch die Decke: 81.143,43 Euro gingen seit Dezember an Spenden ein – auch aus Haltern. Familie, Freunde und selbst Fremde sind so berührt von dem starken Mädchen, dass sie ihre Idee unterstützen möchten.

Das Geld fließt eins zu eins in Projekte der Mariannhiller Missionare, die in Maria Veen ein Gymnasium und Jugendhaus führen und zusammen mit Mariannhiller Missionsschwestern in neun Ländern Afrikas, dazu in Papua Neuguinea, Südkorea und Kolumbien Projekte verantworten. Maxima hat sich zusammen mit Pater Thomas, Pädagoge und Leiter des Jugendhauses, drei Projekte ausgesucht.

Eine Farm für Kinder mit Behinderungen

„Hope and Faith“ in Kenia ist eine Einrichtung, in der Kinder und Jugendliche mit Behinderungen leben. Marion Karimi, eine studierte Heilerziehungspflegerin, hat sie ins Leben ge­rufen und leitet sie. Pater Thomas Winzenhörlein war mehrmals dort.

Pater Thomas mit Frederic, einem kenianischen Mitbruder. © privat © privat

„Die Wellblechhütten sind inzwischen durch Häuser aus Stein ersetzt und sanitäre Anlagen gebaut worden“, berichtet der 44-Jährige. Ein Teil der Spendenaktion könnte für den Bau einer Schule verwendet werden, ein sehnlicher Wunsch der Gemeinschaft. Außerdem möchte Marion Karimi etwas tun, um autistischen Kindern und ihren Eltern zu helfen.

Frauen schützen vor Verstümmelung und Zwangsehe

In der Pfarrei Longido gründeten Frauen die Gruppe „St. Benedict“, die sich gegen Beschneidung bei Mädchen und deren frühe Verheiratung einsetzen.

Genital­ver­stümmelung ist seit 1998 in Tansania offiziell verboten und dennoch wird sie bei 12 der etwa 120 Volks­gruppen im Land weiterhin praktiziert.

„In der Region leben hauptsächlich Angehörige der Massai, bei denen diese Genitalver­stüm­me­lung leider noch praktiziert wird“, sagt Pater Thomas. Die Frauen gehen in die Familien und klären sie darüber auf, dass das lebenslanges Leid zur Folge hat.

„Dafür nehmen sie in der dünnst besiedelten Region weite Wege in Kauf“, erzählt Pater Thomas. Hier fehlt vor allem Geld für die Fahrten sowie für Schulungen. Außerdem auch für die Ausbildung der Zuflucht suchenden Mädchen, denn sie sollen eine lebenswerte Perspektive haben.

Eltern und Großeltern bauten Primary School

Die Primary School St. Michael liegt im ländlichen Umland der Hauptstadt Nairobi.

Etwa 300 Schüler (dazu eine Kin­der­gartengruppe und eine Vor­schul­klasse) wer­den hier un­terrichtet. Die Schule befindet sich in Trä­gerschaft der Mariann­hiller Missionare. Vor zehn Jahren baten Eltern den damaligen Pfarrer, eine Schule für ihre Kinder zu bauen, da diese in der Grund­schule bei einer Klas­sengröße von etwa 80 Schü­lern kaum etwas lern­ten. Pater Ro­bert erklärte sich be­reit, vorausgesetzt, die El­tern würden mit an­packen. So fanden sich täglich El­tern und Großeltern ein, um an der Entstehung der Schule mit­zu­hel­fen: Fundamente ausheben und Steine schlep­pen…

Ein Blick ins Klassenzimmer der Primary School St. Michael nahe Nairobi. © privat © privat

Im Laufe des Schultags von 7.30 bis 16 Uhr er­hal­ten die Kinder zwei Mahlzeiten: Porridge im Laufe des Vor­mit­tags und eine war­me Mahlzeit als Mittagessen (meist Reis mit Bohnen). Wunsch wäre die Errichtung der weiterführenden Schule.

Maxima will mit Pater Thomas nach Afrika reisen

Pater Thomas ist zutiefst beeindruckt von Maxima: „Es ist schön zu sehen, wie viel Kraft und Mut ihr diese Aktion gibt. Sie hat es geschafft, dass die Menschen bei uns die Länder des Südens wieder im Blick haben und trotz Corona über den Tellerrand blicken.“ Der Mariannhiller Missionar wünscht sich einen Umgang auf Augenhöhe fernab jeglichen Kolonialgedankens. Und man ahnt bei seinen Schilderungen über den 30,2 Millionen Quadratkilometer großen Kontinent, was er dann sagen wird: „Mein Herz schlägt für Afrika, für die Menschen dort.“ Maxima will mit ihm und ihrer Familie dorthin zu den Kindern. Dazu sagt ihre Mutter Barbara: „Maxi hat einen klaren Plan: Sie besucht wenn irgend möglich die Projekte im Sommer.“

Seit 17 Jahren in Maria Veen

Thomas Winzenhörlein stammt aus der Nähe von Regensburg. Schon früh begeisterte er sich für das Ordensleben und speziell die Mariannhiller Missionare und deren Einsätze für Menschen in Afrika. Im Sommer 1995 nahm er sein Abiturzeugnis entgegen und fuhr mit den schon gepackten Koffern noch vor dem Abiball nach Würzburg, um ins Kloster einzutreten. Seit 17 Jahren lebt Pater Thomas in Maria Veen, zunächst war er Lehrer für Latein und Religion, heute leitet er das Jugendhaus, organisiert Einkehrtage und engagiert sich in einem Freiwilligen Dienst in Afrika und Südamerika. Das erste Jahr im Münsterland sei eine Herausforderung gewesen, sagt der sympathische Pater. „Wenn du dieses Jahr überlebst, dann bist du angekommen bei den Menschen.“ Heute ist er mit einem Teil seines Herzens auch Münsterländer.

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Elisabeth Schrief

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