Die Anmeldung in einem Geschäft mit der Luca-App ist simpel. © Pascal Albert
Digitalisierung

Luca-App wird in Haltern angewandt – doch derzeit ist sie nutzlos

In mehreren Geschäften in Haltern kann man sich mit einer App zur Kontaktnachverfolgung vor einem Einkauf registrieren. Der Kreis unterstützt eine flächendeckende Lösung. Es gibt aber einen Haken.

Der Kreis Recklinghausen unterstütze die Forderung nach der Einführung einer App zur Kontaktnachverfolgung, das teilte die Pressestelle des Kreises mit. Als Beispiele genannt werden die „Luca-App“ sowie die „Chekko-App“. In Haltern kommt die „Luca-App“ bereits bei einigen Einzelhändlern zum Einsatz. Doch es gibt einen Haken.

Und wie genau funktioniert die Kontaktnachverfolgung per App?

Die Handhabung der Luca-App ist im Prinzip einfach: Der Kunde lädt die App aus dem Playstore auf sein Handy und trägt bei der Registrierung seinen Namen und seine Kontaktdaten ein. Wenn er shoppen geht, kann er sich mittels eines QR-Codes mit der App in einem Geschäft registrieren, bevor er den Laden betritt. Auch private Treffen lassen sich erstellen, auch dort können sich die Teilnehmer mit der Luca-App registrieren.

Das Ziel ist es, die Kontaktnachverfolgung einfacher zu gestalten. Es entsteht eine Art Kontakttagebuch. Sobald ein Bürger positiv auf das Coronavirus getestet wird, kann er seine Informationen aus dem Kontakttagebuch an das Gesundheitsamt übermitteln.

„Die Nutzung einer flächendeckenden App ist ein wichtiges Mittel, um unsere Gesundheitsämter bei der Eindämmung der Corona-Pandemie zu unterstützen“, erklärt Recklinghausens Landrat Bodo Klimpel. Man beschäftige sich daher seit einigen Wochen mit dem Thema.

Luca-App wurde von Smudo mitentwickelt

Auch die Geschäftsinhaber können einsehen, wer sich wann im Geschäft befunden hat, falls der Kunde mit der Luca-App eingecheckt haben sollte. „Wir sehen aber nur einen Code, nicht die Namen“, sagt Henrik van Buer vom Modehaus van Buer. Das arbeitet mithilfe der App, die der deutsche Sänger Smudo von den „Fantastischen Vier“ mitentwickelte. Die Daten entschlüsseln könnten nur die Gesundheitsämter, verspricht die App.

Wer vergisst, sich nach Ende des Einkaufs auszuloggen, muss keine Angst haben, im Geschäft permanent angemeldet zu bleiben. „Ein Kunde bei uns wird automatisch ausgeloggt, sollte er sich mindestens 100 Meter vom Geschäft entfernen“, so Henrik van Buer.

Auch das Modehaus Heckmann bietet seinen Kunden die Möglichkeit, sich mit der Luca-App vor einem Einkauf zu registrieren. „Die Anwendung für uns und die Kunden ist kinderleicht“, sagt Geschäftsführer Peter Heckmann.

Er hofft auf eine zentrale Anwendung der Luca-App: „Das ist zwingend notwendig.“ Die Kontaktnachverfolgung per App sei einfacher, als wenn sich Kunden vor jedem Besuch auf einem Zettel eintragen müssen, wie das derzeit der Fall sei.

Aktuell nutzt die Luca-App in Recklinghausen niemanden

Die Nutzung einer Kontaktnachverfolgungsapp sieht man im Kreis positiv. Die Forderung einer flächendeckenden Einführung heiße aber nicht, dass jedes Geschäft im Kreis derzeit verpflichtet wäre, diese Möglichkeit zu bieten, sagt Kreissprecherin Svenja Küchmeister.

Momentan bringt es auch nichts, die App im Kreis Recklinghausen zu nutzen. Aktuell könne das Kreis-Gesundheitsamt die Kontakte über die Luca-App nicht zurückverfolgen. Es gebe einige Kreise, die einen Kooperationsvertrag mit der culture4life GmbH, der die App gehört, geschlossen hätten, erklärt Küchmeister. Dort ist es den Gesundheitsämtern möglich, die Daten zu entschlüsseln. Einen solchen Vertrag habe der Kreis Recklinghausen nicht, bestätigt die Kreissprecherin. Zumindest noch nicht. „Wir sind in Gesprächen.“

Der Kreis hofft auf eine flächendeckende Lösung auf Bundes- und Länderebene für einen Einsatz der App. „Nur wenn alle auf das gleiche System und die gleichen Schnittstellen zurückgreifen, kann der Einsatz einer App erfolgreich sein“, sagt Landrat Bodo Klimpel. „Wir erwarten daher dringend eine einheitliche Lösung von Land und Bund“, so Klimpel.

Kritik an der Luca-App

  • Kritik an der App kommt von der Radboud-Universität Nijmegen. Dort veröffentlichten IT-Forscher am Montag (24. März) eine vorläufige Analyse der Datensicherheit von Luca auf Basis der bislang veröffentlichten Informationen.
  • Dort wird der zentralisierte Ansatz der App kritisiert: Wer die App kontrolliere, könne Daten der Nutzer missbrauchen. Es könnten „schlussendlich Nutzer über Veranstaltungsorte hinweg verfolgen und soziale Beziehungen zwischen ihnen nachvollziehen“.
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