Mit Enttäuschung reagierte der Halterner Modeunternehmer Peter Heckmann auf die Beschlüsse von Bund und Land zur Wiedereröffnung der Läden. In einem Video teilt er seine Ansichten mit.

Haltern

, 16.04.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nachdem er am Mittwoch die Ankündigungen der Bundesregierung über neue Bestimmungen im Kampf gegen das Coronavirus im Fernsehen verfolgt hatte, griff Peter Heckmann zum Handy, filmte ein Video mit einem Statement zu den Regelungen und postete dieses auf dem Facebook-Account seines Modeunternehmens.

Darin hinterfragt er die Vorgabe, dass nur kleinere Textil-Geschäfte mit einer Fläche unter 800 Quadratmeter wieder öffnen dürfen. Für Peter Heckmann, der drei Ladenlokale (zwei in Haltern und eines in Coesfeld) betreibt, die alle die vorgegebene Quadratmeterzahl sprengen, waren die Nachrichten aus der Pressekonferenz in Berlin ein Schlag ins Gesicht.

Das Video zur Ladenöffnung traf auf viel Resonanz

Sein Video entstand „mit Wut im Bauch“, wie er am Donnerstag in einem Gespräch mit der Redaktion verriet. Der Halterner Unternehmer des Jahres 2018 fand offensichtlich die richtigen Worte. Bis Donnerstag wurde sein Video viele hundert Mal geteilt und tausendfach angesehen. Mit dieser Resonanz habe er nicht gerechnet, erklärte er.

Zuspruch habe er auch von der Halterner Politik und von Vertretern seiner Branche erfahren. Selbst von der Nordsee erreichte ihn eine Nachricht. Außerdem meldete sich ein privater Fernsehsender, um mit ihm ein Interview zum Thema zu führen.

Dass alles dafür getan werden muss, um die vom Coronavirus ausgelöste Pandemie einzudämmen, steht auch für Peter Heckmann außer Frage. Er kann aber den Weg, den Bund und Land gewählt haben, nicht in allen Teilen nachvollziehen.

Die Beschlüsse sind für Peter Heckmann nicht nachvollziehbar

„Ich frage mich, wie kann es sein, dass ein Baumarkt mit 3000 bis 4000 Quadratmetern jeden Tag die Türen öffnet und Schlangen an der Kasse stehen, wo viele Menschen hinpilgern, wo Parkplätze voll sind und uns sagt man, ihr seid zu groß“, klingt er in seinem Video weniger wütend als resigniert.

Mit großer Hoffnung hatte der Unternehmer die Wiedereröffnung seiner Läden vorbereitet. Es seien Spuckwände aufgestellt, Desinfektionsmittel und Mundschutz für die Mitarbeiter besorgt worden. Auch 1000 Masken für die Kunden hatte Peter Heckmann bestellt, die er kostenlos abgeben wollte.

„Wir kämpfen um unsere Existenz und um die vieler Arbeitsplätze.“
Modeunternehmer Christoph Kleinefeld

Nun wurde seine Hoffnung auf eine baldige Rückkehr ins Geschäft zerstört. „Wir kämpfen um unsere Existenz und um die vieler Arbeitsplätze“, macht er den Ernst der Lage deutlich. An die Politik appelliert er, die Entscheidung über die 800 Quadratmeter-Regelung noch einmal zu überdenken.

Die Halterner Parteien stärken Peter Heckmann den Rücken

Von den Halterner Parteien habe er bereits viel positive Resonanz bekommen, berichtete er am Donnerstag. Diese setzen sich auch dafür ein, dass die Botschaft aus Haltern ihren Weg nach Düsseldorf und Berlin findet.

Trotz der Kritik, die in Düsseldorf auch aus anderen Teilen von NRW eintraf, blieb die Landesregierung am Donnerstag ganz klar bei dem Entschluss, dass zunächst nur kleinere Geschäfte ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen. In einer Pressekonferenz am frühen Nachmittag erklärte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, dass sich das Land strikt daran halten werde, große Textil-Geschäfte von der aktuellen Wiedereröffnung auszunehmen. „Wir werden auch nicht zulassen, dass Flächen verkleinert werden“, sagte er. Es gelte die Fläche, die im jeweiligen Bebauungsplan genehmigt worden sei.

Die IHK geht in Konfrontation zu Bund und Land

Die Grenze von 800 Quadratmetern sei nicht willkürlich gesetzt worden, ergänzte Laumann. Alle Flächen darüber bezeichneten Großraumläden. Ausnahmen würden allerdings im Fall von Auto- und Einrichtungshäusern, Fahrradgeschäften sowie Bücherläden gemacht.

„Wir halten die Differenzierung allein aufgrund der Verkaufsfläche für schwierig.“
Dr. Jochen Grütters, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen

Rückendeckung bekommt Peter Heckmann von der IHK, die sein Video ebenfalls geliked hat. „Wir halten die Differenzierung allein aufgrund der Verkaufsfläche für schwierig“, stellte Dr. Jochen Grütters, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen in einem Telefongespräch mit der Redaktion klar. Es müssten auch bauliche Vorkehrungen und Hygienestandards berücksichtigt werden.

Zum IHK-Bezirk Nord Westfalen zählten viele Klein- und Mittelstädte wie Haltern. Betriebe mit größeren Verkaufsflächen würden hier häufig als sogenannte Ankerzentren fungieren. Wenn diese ausfielen, leide der Handel insgesamt.

Als Lösung für den aktuellen Konflikt schlägt die IHK vor, größeren Betrieben zu ermöglichen, ihre Ladenflächen interimsweise zu verkleinern, um die Genehmigung für eine Wiedereröffnung zu erlangen. Diese Lösung werde bereits in anderen Bundesländern angestrebt.

Die Werbegemeinschaft Haltern meldet sich zu Wort

Auch Christoph Kleinefeld, Geschäftsführer der Werbegemeinschaft Haltern, ist in dieser Sache am Ball. „Die Enttäuschung der großflächigen Betriebe ist gerade für Klein- und Mittelzentren nachvollziehbar“, teilte er den Mitgliedern in einer Pressemitteilung mit und führte aus: „Bereits heute Morgen habe ich das Thema Frequenz-Unterschied zwischen unserem kleinen Standort und Handelsflächen in den Großstädten mit Bürgermeister Bodo Klimpel besprochen, er wird dafür Sorge tragen, dass es durch die Landtagsabgeordneten bis nach Düsseldorf gelangt.“ Außerdem sei im Namen der Werbegemeinschaft Haltern ein Schreiben an den Handelsverband NRW herausgegangen, um auf die Interessen vor Ort aufmerksam zu machen.

Des Weiteren informierte Christoph Kleinefeld darüber, „dass die nächsten verkaufsoffenen Sonntage nicht stattfinden werden.“

Lesen Sie jetzt

Das Sunset Beach Festival sollte eigentlich am 27. Juni stattfinden. Nun musste es - so wie alle anderen Großveranstaltungen - abgesagt werden. Ob es nachgeholt wird, steht noch nicht fest. Von Pascal Albert

Lesen Sie jetzt