Kurz nach Instandsetzung kaputt: Halternerin ärgert sich über Reitwege in der Hohen Mark

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Der Zustand der Reitwege in der Hohen Mark macht Anja Lemmnitzer sauer. Für sie wird dort Geld verbrannt. Denn die Wege wurden erst repariert und wenig später wieder kaputt gefahren.

Haltern

, 15.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Anja Lemmnitzer wirft den kuchentellergroßen Stein, der vorher noch auf dem Reitweg lag, ins Gebüsch. „Wenn da ein Pferd drauftritt, kann es sich böse verletzen“, sagt die 25-Jährige, die, wenn sie Zeit hat, eigentlich jeden Tag mit einem ihrer Pferde im Wald ist. Nicht immer kann sie dabei die Natur genießen. Denn die Reitwege ärgern sie zunehmend. Wobei Lemmnitzer die Bezeichnung Reitwege wohl in Anführungszeichen setzen würde.

Forstfahrzeuge haben mit ihren dicken Reifen an vielen Stellen in der Hohen Mark tiefe Furchen in die Wege gefahren. Der Regen der vergangenen Tage hat die Situation noch verschlechtert. Wasser sammelt sich in den Rillen, sodass sich tiefe Pfützen auf den Wegen bilden. Ihr Pferd „Jonas“ glitscht trotz seiner dicken Hufe teilweise über den Schlamm.

Im Vordergrund sieht man die tiefen Rillen, die Forstfahrzeuge in die Wege gefahren haben. Im Hintergrund steht Lemmnitzer mit ihrem Pferd und ihren beiden Hunden.

Im Vordergrund sieht man die tiefen Rillen, die Forstfahrzeuge in die Wege gefahren haben. Im Hintergrund steht Lemmnitzer mit ihrem Pferd und ihren beiden Hunden. © Lukas Wittland

„Wie man die Wege im September neu machen kann und dann im Dezember die schweren Forstfahrzeuge darüber fahren lässt, kann ich nicht nachvollziehen“, sagt Lemmnitzer. „Da wird das Geld zum Fenster herausgeworfen, weil niemand miteinander spricht.“

„Absprachen gibt es nicht“

Auf diesen Vorwurf angesprochen, sagt Jochem Manz, Sprecher des Kreis Recklinghausen: „Wir vom Kreis, als Verantwortliche für die Reitwege und der für die Forstarbeiten zuständige Regionalverband Ruhr (RVR) bemühen uns, aufeinander Rücksicht zu nehmen.“ Aber er räumt auch ein: „Absprachen gibt es nicht und ich glaube auch nicht, dass es dazu kommen wird.“

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Kaputte Reitwege in der Hohen Mark

Es seien zwei Interessen, die da aufeinandertreffen. Die der Reiter und die der Forstwirtschaft. Beide Interessen seien gleichermaßen zu gewichten, sagt Manz und wiederholt: „Beide Seiten müssen aufeinander Rücksicht nehmen.“

Dass das passiert sieht Lemmnitzer nicht: „Zusätzlich zu den Steuern, die wir ohnehin alle bezahlen, werden wir Reiter extra zur Kasse gebeten – und dann noch für solche Zustände, die nicht mal die Pferde verursacht haben“, sagt sie und zeigt erst auf die Fahrrillen und dann das Gestrüpp, das sich den Weg langsam zurückerobert. „Teilweise gibt es die Reitwege ja gar nicht mehr“, beklagt die 25-Jährige.

Wer in NRW reiten möchte, braucht eine Plakette

Wer in Nordrhein-Westfalen „in der freien Landschaft und im Wald“ reiten möchte, benötigt eine Reitplakette, die sichtbar am Pferd getragen werden muss. Für private Reiter kostet sie im Jahr 30,50 Euro, für Reiterhöfe 80,50 Euro.

Die Reitabgabe ist zweckgebunden. Das heißt, sie muss für den Unterhalt der Reitwege und den Bau neuer Wege verwendet werden. Kreisweit sind aktuell 2269 Reitplaketten vergeben. 297 davon entfallen auf Besitzer, die in Haltern leben.

52.519 Euro seien vom Mai bis Dezember im vergangenen Jahr für die Instandsetzung in den Waldgebieten Hohe Mark und Haard aufgewendet worden, sagt Jochem Manz: „Dabei wird je nach Zustand und Situation geschaut, was gemacht werden muss.“

Instandsetzung der Reitwege hielt nur kurz

„Die Stellen, die instand gesetzt wurden, waren auch kurz in Ordnung, aber halt nur kurz“, sagt Lemmnitzer. Dann hätten die Forstfahrzeuge alles zerpflügt und sogar noch mehr kaputt gemacht, als vorher schon.

Von dem einst breiten Reitweg ist nur noch eine schmale Spur übrig geblieben.

Von dem einst breiten Reitweg ist nur noch eine schmale Spur übrig geblieben. © Lukas Wittland

Über die Probleme ärgert sich auch Gabriele Eichenberger. Sie ist Vorsitzende der Vereinigung der Freizeireiter und -fahrer in Deutschland (VDF) im Kreis Recklinghausen und dort gleichzeitig auch die Reitwege-Beauftragte. Zu ihren Aufgaben zählt die Reitwegewacht. Sie meldet, wo Verbesserungen notwendig sind und wo es größere Probleme gibt.

Im Moment könnte sie da eine ganz schön lange Liste schreiben. „Die Reitwege sind nicht nur in der Hohen Mark, sondern auch in der Haard gerade wieder mal eine Katastrophe“, sagt Eichenberger. „Es gibt fast keinen Reitweg, der von den Forstarbeiten nicht betroffen ist.“

EU- und Landes-Fördergelder für die Reitregion

Dabei sind 2010 etwa 1,6 Millionen Euro von der EU und des Landes NRW in die „Pferderegion Münsterland“ geflossen, um den Reittourismus in der Region zu fördern. Nun würden die Reitwege für den Transport des Holzes genutzt, aber teilweise auch für die Lagerung, sagt Eichenberger „Es gibt Holzstapel, die liegen schon drei, vier Jahre auf den Reitwegen“, sagt Lemmnitzer.

Manche Steine sind so groß wie die Hufe von Lemmnitzers Pferd "Jonas". Die Reiterin macht sich Sorgen, dass sich ihr Pferd verletzen könnte.

Manche Steine sind so groß wie die Hufe von Lemmnitzers Pferd „Jonas“. Die Reiterin macht sich Sorgen, dass sich ihr Pferd verletzen könnte. © Lukas Wittland

Man könne häufig zwar herumreiten, aber für die Reiter könne es gefährlich werden, wenn das Pferd erschrickt und den Reiter an einer solchen Stelle abwerfe. Sie fragt sich, was passiert, wenn sie oder ihr Pferd sich aufgrund der schlechten Wege verletzen. „Halter reiten ihre Pferde im offenen Gelände auf eigene Gefahr“, entgegnet Kreissprecher Manz auf diese Frage angesprochen.

Lemmnitzer weiche schon manchmal auf die normalen Wege aus, weil sie sich Sorgen um die Gesundheit ihres Pferdes mache, sagt sie. „Wenn der Förster das sieht, gibt es aber natürlich Ärger“, sagt sie, aber auf den Reitwegen könne sie teilweise einfach nicht reiten. „Man stelle sich vor, es hätte in diesem Jahr noch gefroren. Dann wäre mit den tiefen Spuren, die die Forstfahrzeuge hinterlassen haben, gar nichts mehr gegangen.“

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