Künstlerhof Lavesum ist jetzt ein Verein und das hat viele Vorteile

dzKünstlerhof Lavesum

Die Kunstschaffenden des Künstlerhofes Lavesum haben einen gemeinnützigen Verein gegründet. Die Förderung von Kunst und Kultur an diesem idyllischen Ort wird in eine neue Form gegossen.

Lavesum

, 30.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Künstlerhof in Lavesum in den Feldern hinter der Sportanlage ist seit Gründung 2002 ein Marktplatz für kreative, freischaffende Künstler. Als Gründer Manfred Gerding 2012 überraschend starb, ging das Leben dort zwar in seinem Gedenken weiter. „Aber jeder hat für sich gearbeitet, es fehlte eine Klammer“, sagt Gabi Bücker, die auf dem Künstlerhof wohnt und arbeitet.

Nach einem Eigentümerwechsel vor etlichen Monaten sorgten sich alle umso mehr um eine gesicherte Zukunft. Aber die Zeit der Unsicherheit ist vorüber. Die Künstler markieren den Willen, ihr einzigartiges Modell fortführen und auf festen Grund stellen zu wollen, mit der Gründung des gemeinnützigen Vereins „Künstlerhof Lavesum - Kreatives Zentrum“.

Die Freude und Leichtigkeit von Kreativität fördern

„Wir haben alle Hürden dafür gut genommen“, ist Gabi Bücker stolz. Der Verein sei der Ausdruck dafür, dass alle Mieter im Künstlerhof ein gemeinsames Anliegen verfolgen: Freude und Leichtigkeit von Kreativität zu fördern und zu unterstützen sowie Raum für Kunst und Kultur in Haltern zu bieten.

„Der große Vorteil für uns ist jetzt auch, dass wir Mitgliederwerbung betreiben, Fördergelder beantragen und auch Spenden annehmen dürfen“, erläutert Gisela Rott den Gewinn für die Ateliergemeinschaft. Der Mitgliedsbeitrag ist auf 36 Euro festgelegt, auf der Internetseite des Künstlerhofes finden sich Satzung und Aufnahmeantrag. Den Vorstand bilden Gabi Bücker (1. Vorsitzende), Gisela Rott (2. Vorsitzende), Bettina Nowak (Kassiererin) und Bernd Hessner (Ersatzvorstand). „Wir verstehen uns als Team ohne Hierarchie“, betont Gabi Bücker.

Jetzt lesen

Zurzeit arbeiten 23 Künstler und Sympathisanten des Hofes in den zehn, insgesamt 300 Quadratmeter großen Ateliers. Einige haben eigene Ateliers gemietet, andere teilen sich einen Raum, wiederum andere geben nur Workshops in Lavesum oder nutzen Werkstattplätze. „Es hat sich tatsächlich glücklich gefügt, dass wir diesen Kulturort über alle Schwierigkeiten hinweg lebendig gehalten haben“, erzählt Gabi Bücker. Manchmal war dazu auch Improvisation gefragt.

Veranstaltungen abgesagt, aber einiges ist dennoch möglich

Jetzt gibt es feste Strukturen und das Ziel, den Künstlerhof mit den Ateliers und einem attraktiven, 1000 Quadratmeter großen Außenbereich noch bekannter zu machen. Die besondere Lage, so findet Bernd Hessner, habe viel Potenzial. Gerade leidet das Konzept wie überall unter der Corona-Pandemie. „Die Menschen sind aus Angst vor Infektionen sehr zögerlich“, beobachtet Gisela Rott.

Aber aufgrund der Größe ist dennoch auf dem Künstlerhof vieles möglich. Kleine Gruppen bis zu zehn Personen können ohne Probleme kommen. Ansonsten mussten tatsächlich einige Veranstaltungen abgesagt werden: Die Freiraum-Abende, Tage der offenen Türen, der Tag des Huhns... „Nach all den Absagen hatten wir auf den Herbst gehofft“, sagt Gabi Bücker. Aber die Corona-Zahlen steigen wieder...

Donnerstags ist von 14 bis 18 Uhr immer jemand vor Ort

Unterstützung durch eine Mitgliedschaft ist herzlich willkommen, um den Künstlerhof trotz aller Handicaps lebendig zu halten. Pläne gibt es einige. So wünschen sich die Künstler Kooperationen zum Beispiel mit den Verantwortlichen des Sythener Krippenweges oder auch mit anderen Kulturschaffenden. Ein schönes Highlight war bereits die Westfälische Kulturkonferenz, bei der sich der Künstlerhof 2019 im Ruhrfestspielhaus vorstellen durfte und in diesem Jahr wieder - dann wegen Corona allerdings nur online.

„Wir laden herzlich ein, uns zu besuchen“, sagt der Vorstand. Donnerstags von 14 bis 18 Uhr ist immer jemand da, telefonisch ist Gabi Bücker unter 108422 zu erreichen. „Der Künstlerhof soll ein Marktplatz für Künstler und alle, die Freude an der Kreativität haben, sein.“ Haus und Hof können sowohl für selbstständige Arbeit in unterschiedlichsten Formen als auch für Seminararbeit und Ausstellungen genutzt werden.

Aus einem Bauernhof wurde ein Künstlerhaus

Der in den sechziger Jahren als landwirtschaftliche Vollerwerbsstelle errichtete Bauernhof hinter dem Lavesumer Sportplatz wurde 2002 vom Bauernhof zum Künstlerhof. In Ställen und Scheunen entstanden Künstlerwohnungen und Ateliers. Initiator und Gründer des Künstlerhofes Lavesum war Manfred Gerding. Viele Jahre stand er als Designer Kunst und Künstlern sehr nahe. Fasziniert von der Kreativität im Bereich der bildenden Kunst sah er es als Lebensaufgabe, Räumlichkeiten zu schaffen und der Phantasie künstlerisch arbeitender Menschen einen Platz zu geben. Er starb 2012 völlig unerwartet in Griechenland, seiner zweiten Heimat. Die Künstlergemeinschaft hielt seinen Lebenstraum weiter aufrecht.
Lesen Sie jetzt