So anders klingt die Welt im digitalen Zeitalter für Nutzer von Hörgeräten

dzDigitale Hörsysteme

Digitale Hörsysteme ermöglichen Nutzern neue Zugänge zum Leben. Die Halterner Hörakustikmeisterin Kristina Jäger erklärt, was sie heute leisten können.

Haltern

, 14.07.2019, 11:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nein, man kann ein modernes Hörgerät - Hörakustiker sprechen heute eher von einem „Hörsystem“ - nicht so programmieren, dass es die Heavy-Metal-Musik, die der Enkel zu laut spielt, ausblendet. Aber ansonsten können diese Geräte heute eine ganze Menge. Hörakustikmeisterin Kristina Jäger vom Hörplatz in Haltern stellte sie im Jahreszeitencafé des Seniorenbeirats vor.

Die modernen Hörsysteme werden immer kleiner, und längst hat digitale Technik Einzug gehalten. „Im Prinzip hat man einen Mini-Computer im Ohr“, so Kristina Jäger. Und dieser ist individuell so programmierbar, dass er sich auf die unterschiedlichsten Umgebungssituationen einstellen kann.

„Hörstress und Erschöpfung können die Folgen sein“

Wenn bei einem Menschen eine Hörstörung vorliegt, verändern sich die Klangmuster. Das Wiedererkennen des Sprachsignals, das vom menschlichen Ohr in ein elektrisches Signal umgewandelt wird, das das Gehirn erreicht, wird mehr und mehr gestört. „Das kann die Lautstärke, das räumlicher Hören, die Sprachdifferenzierung und das Hörgedächtnis betreffen“, so Kristina Jäger. „Hörstress und Erschöpfung können die Folgen sein. Betroffene sagen dann oft: ‚Da geh ich nicht mehr hin, das ist mir zu anstrengend‘“.

Moderne Hörsysteme wandeln das akustische Signal, das sie aufnehmen, in ein digitales Signal um. Sie analysieren, ob es sich um Sprache, Geräusche oder Musik handelt und wandeln dann das erkannte Muster wieder in ein akustisches Signal so um, dass es vom geschädigten Ohr deutlicher wahrgenommen werden kann. Dieser Prozess lässt sich individuell programmieren. So können Nebengeräusche und Stimmengewirr unterdrückt und der Gesprächspartner verstärkt werden. Windgeräusche können herausgefiltert werden. Auch Impulsschall, also kurze laute Geräusche wie beispielsweise Gläserklirren, können gedämpft werden. „Die Technik regiert dabei innerhalb von Millisekunden, das merken Sie gar nicht“, so Kristina Jäger.

Die digitalen Hörsysteme lassen sich heute mit zahlreichen externen Geräten koppeln. Beim Telefonieren mit dem Festnetztelefon wird der Ton direkt auf das Hörgerät per Funk übertragen. Der Empfänger muss den Hörer nicht mehr ans Ohr halten, sondern nur noch ins Gerät sprechen.

Smartphone lässt sich mit digitalem Hörsystem verbinden

Auch mit dem Fernseher lassen sich die Geräte verbinden. Das Hörgerät arbeitet wie ein Kopfhörer, allerdings bleiben Nebengeräusche hörbar. „Sie hören also, wenn es an der Tür klingelt und können sich mit dem Partner unterhalten. Das wäre bei Kopfhörern nicht möglich. Und wenn Sie in die Küche gehen, hören sie den Ton des Fernsehers weiterhin“, informiert Kristina Jäger.

Auch mit dem Smartphone lässt sich das digitale Hörsystem verbinden, es kann sogar über eine App gesteuert werden. Im Auto oder auf dem Fahrrad kann die Stimme des Navis direkt in das Hörsystem übertragen werden.

Die Hörakustikerin rät dazu, vor dem Kauf mehrere Geräte zu testen: „Nicht jeder kommt mit demselben System am besten zurecht.“ Die Krankenkasse bezuschusst die Hörgeräte mit 600 Euro pro Ohr. „Die Zuzahlung kann zwischen 50 und 2500 Euro pro Ohr liegen“, sagt Kirstina Jäger. Aber: „Das teuerste System muss nicht unbedingt das beste sein.“

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