Sanierungsstau, Verwitterung und Ratten: Klagen über Zustand des Marienhofs in Haltern

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Vor 17 Jahren wurde in der Halterner Innenstadt das Wohn- und Geschäftsprojekt Marienhof errichtet. Vom früheren Glanz ist nicht viel übrig geblieben. Nun beschweren sich Anwohner.

Haltern

, 21.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was bleibt schon ewig taufrisch? Der Zahn der Zeit nagt überall. So hat auch der Marienhof im Herzen von Haltern gelitten. Ein neuer Anstrich der Außenfassade wäre nötig. Dieser lässt allerdings wie andere Sanierungsmaßnahmen bei dem vor 17 Jahren erbauten Wohn- und Geschäftskomplex auf sich warten. Aus dem Umfeld sind nun Klagen zu hören, denn der Marienhof ist Teil eines städtischen Quartiers und sollte eigentlich Vorzeigecharakter haben.

An der Baustelle im Innenhof tut sich nichts

So war das jedenfalls bei der Vorstellung des Bauvorhabens 2002 durch die Wohnbau Auguste Victoria GmbH angekündigt worden. Nachbarn des Marienhofs stört nun unter anderem eine Baustelle im Innenhof, die vor etwa eineinhalb Jahren eingerichtet worden sei. Rot-weiße Barken sperren eine kleine Fläche ab. Mehr Bewegung habe es an dieser Stelle seitdem nicht gegeben.

Diese Baustelle im Innenhof des Marienhofs ruht seit geraumer Zeit.

Diese Baustelle im Innenhof des Marienhofs ruht seit geraumer Zeit. © Silvia Wiethoff

Das sieht nicht nur unschön aus, sondern hat Folgen. An dieser Stelle sickert Wasser in die Tiefgarage der Wohnanlage, ein Teil soll unter Wasser stehen, berichtet eine Anwohnerin. Solche Verhältnisse locken Gäste an, die man nicht gern zu sich nach Hause einladen möchte. „Im letzten Sommer gingen hier die Ratten spazieren“, berichtet eine Halternerin. Ein Anruf bei der Stadt habe das Ergebnis gebracht, dass diese für das private Grundstück nicht zuständig ist. So halfen sich die Bürger selbst und stellten Fallen auf.

Alle Wohnungen im Marienhof sind verkauft

Zwischenzeitlich war die Vivawest GmbH für den Marienhof verantwortlich, mit circa 120.000 Wohnungen einer der größten Wohnungsanbieter in Nordrhein-Westfalen. Das Unternehmen hat aber mittlerweile alle Wohnungen im Marienhof veräußert und ist nur noch Eigentümer der im Erdgeschoss befindlichen Gewerbeeinheiten. Deshalb sieht es sich nicht mehr für den Zustand und eventuellen Sanierungsstau zuständig.

Die Wohnungseigentümergemeinschaft Marienhof wird durch den Bottroper Immobilienverwalter Holger Ingendoh vertreten, der in Absprache mit den Eigentümern auch für die Instandhaltung und Instandsetzung des Gemeinschaftseigentums verantwortlich ist.

Stellungnahme des Verwalters der Eigentümergemeinschaft

Dieser nahm am Freitag zum Zustand des Marienhofs Stellung. Die Absperrung im Innenhof sei eingerichtet worden, weil sich in diesem Bereich eine Undichtigkeit befindet, über die Wasser in die Tiefgarage mit 66 Stellplätzen gelangt.

Im Juli vergangenen Jahres sei eine Halterner Firma damit beauftragt worden, den Schaden zu lokalisieren. Diese habe ihren Auftrag aber bisher noch nicht erfüllt. Sobald der Fehler gefunden sei, werde er auch behoben. „Das liegt auch im Interesse der Eigentümergemeinschaft“, teilte Holger Ingendoh mit.

Sollte die beauftragte Firma weiterhin nicht aktiv werden, wird die Eigentümergemeinschaft auf einer nächsten Versammlung im Frühjahr beschließen, dass ein anderes Unternehmen angefragt wird.

Zum Zustand der Fassade erklärte der Verwalter, dass sich innerhalb der Eigentümergemeinschaft bisher keine Mehrheit für einen Anstrich gefunden habe. Es müsste eine Einigung aller Parteien erfolgen, wobei die Kosten dann hausweise - es gibt sieben Gebäudeteile - umgelegt würden.

Die Zeichen des Verfalls sind deutlich zu sehen.

Die Zeichen des Verfalls sind deutlich zu sehen. © Silvia Wiethoff

Vivawest ist nur noch für die Gewerbeflächen zuständig

Vivawest erklärte, dass die Gewerbeflächen alle langfristig vermietet seien. Darüber hinaus gehörten noch vereinzelte Tiefgaragenstellplätze und drei oberirdische Kfz-Stellplätze in die Verantwortung des Unternehmens.

Die ehemalige Eisdiele sei als Lager vermietet. „Wir haben die Fläche an einen unserer Gewerbemieter aus dem Bestand vermietet, da dieser den Wunsch geäußert hatte, sich zu vergrößern“, so Vivawest.

Der Marienhof wurde 2003 auf rund 4300 Quadratmetern zwischen Lippstraße, Zum Stadtgraben und Richthof gebaut. In insgesamt sieben Gebäudeteilen entstanden auf dem Filetstück innerhalb der historischen Stadtmauern rund 3200 Quadratmeter Wohn- und 1100 Quadratmeter Gerwerbefläche. Damals standen 17 Mietwohnungen und 27 Eigentumswohnungen zur Verfügung. Die Vermarktung der Gewerbeflächen entwickelte sich nie zum Renner. Heute werden beispielsweise die Räume einer früheren Eisdiele nur noch als Lager genutzt.
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