3600 Liter Plastik fielen täglich in dem Supermarkt an, in dem Matthias Jander arbeitete. Weil er darauf keine Lust mehr hatte, eröffnet er nun Halterns ersten Unverpackt-Laden.

Haltern

, 23.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf der einen Seite war da sein 40. Geburtstag. Der perfekte Zeitpunkt für ein neues Projekt - „um noch etwas zu reißen“, sagt der Halterner Matthias Jander und lacht. Auf der anderen Seite die fünf bis sieben 720-Liter-Säcke voller Einweg-Plastik-Flaschen, die in dem Halterner Supermarkt angefallen sind, in dem der Halterner jahrelang gearbeitet hatte. Und das jeden Tag. „Das wollte ich nicht mehr weitermachen“, sagt er. Matthias Jander fällte die Entscheidung, am 15. November Halterns ersten Unverpackt-Laden auf der Rekumer Straße zu eröffnen.

Seit einem Jahr stehen die Räume in der Halterner Innenstadt, in denen einige Wochen lang Süßigkeiten verkauft wurden, leer. Nun versperren drei große Pappschilder mit dem Hinweis „Hier entsteht Haltern unverpackt“ die Sicht ins Innere. Von drinnen schallen Schleifgeräusche auf die Straße. Neugierige Passanten drücken sich an den Scheiben die Nase platt, um zwischen den Plakaten einen Blick ins Innere des Ladenlokals zu werfen.

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„Wenn es keinen Laden gibt, muss man selber einen aufmachen“

Drinnen steht Vera Jander zwischen den leeren weißen Wänden, weißem Schleifstaub und den alten Vintage-Möbeln, auf denen in wenigen Wochen Waren für ein nachhaltiges Leben angeboten werden sollen. Sie schmunzelt. „Wenn es in Haltern keinen Unverpackt-Laden gibt, dann muss man halt selber einen aufmachen.“

Sie und ihre Tochter Vera Bauer sind seit einem Jahr dabei, Plastik aus ihren Haushalten zu verbannen. Das herkömmliche Duschgel ist der Körperseife gewichen, Zahnpasta wurde durch Zahnputztabletten ersetzt. Anstelle von Waschmittel nutzt die Familie einen sogenannten Waschball - kleine Mineralien-Kügelchen im Innern reinigen die Wäsche. 50 Prozent ihres Haushaltes, sagt die Familie, sei schon nachhaltig. „Es geht natürlich immer mehr. Aber man braucht auch das Angebot dafür“, sagt Vera Jander.

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Dieses Angebot will die Familie in Haltern durch den neuen Laden schaffen, der Mitte November eröffnen soll. Neben trockenen Lebensmitteln wie Nudeln, Reis, Gewürzen, Knabbersachen und Süßigkeiten wird es auch einen Frischebereich für Milchprodukte geben. Waschmittel wird nach dem Bausatz-Prinzip angeboten: mit unter anderem Natron, Zitronensäure und Soda, aus denen sich eine Reihe von Reinigungsmitteln selber herstellen lassen.

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Vera Jander (l.), Tochter Anna Bauer und Matthias Jander bringen die ersten Möbel im Unverpackt-Laden auf Vordermann. © Eva-Maria Spiller

Milch aus Flaesheim, Quinoa aus dem Münsterland

Andere Waren sind Kosmetik-Artikel, Haushaltswaren wie Flaschen, Töpfe, Geschirr, Metallstrohhalme, Schreibwaren oder Bürsten - alles plastikfrei. Gemeinsam mit einem Flaesheimer Bauern will Matthias Jander in dem Laden eine Milchtankstelle anbieten. Alle angebotenen Produkte sollen möglichst aus der Region kommen - darunter Quinoa aus dem Münsterland.

Auch frisches Brot wird weiter hinten im Laden gebacken, direkt neben einem kleinen Café-Bereich, in dem es neben einer Tasse Kaffee und Kuchen auch Workshops und Abende zum Austausch zum Thema nachhaltiges Leben geben soll. „Der Plan ist, das Sortiment auszubauen“, sagt Matthias Jander. „Aber wir müssen auch immer auf Verpackung und Umfang der Ware achten.“

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Um sich Inspirationen für den eigenen Laden zu holen, hat sich die Familie einige Unverpackt-Läden in anderen Städten angeschaut: darunter die Unverpackt-Läden in Münster sowie der von Cem Erdogdu auf der Saarlandstraße in Dortmund. Dabei wurde den Janders klar: In ihrem Laden soll nichts aus Plastik sein. Sogar die Spender für trockene Lebensmittel, die an den meterlangen Wänden befestigt werden, sollen aus Glas sein. Da es dafür nur zwei Hersteller in Deutschland gebe, sagt Matthias Jander, warte die Familie derzeit noch auf die Lieferung.

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So funktioniert ein Einkauf in einem Unverpackt-Laden

Matthias Jander bittet Halterner um Mithilfe beim Mobiliar

Bis der Laden Mitte November eröffnen kann, steht noch einiges an Arbeit für Matthias Jander und seine Familie an. Im Innenraum baut der Halterner die Ladentheke zusammen, Wasserleitungen müssen verlegt werden. Unter anderem fehlen noch gebrauchte Möbel für das Laden-Inventar - insbesondere Küchen- und Esszimmertische und Stühle, aber auch Geschirr, Gläser und Besteck. Hierfür bittet die Familie um Mithilfe aus der Halterner Bevölkerung.

„Unserem Städtchen wird das gut tun“, sagt Matthias Jander. „Es kann kein Widerspruch sein, das Thema Nachhaltigkeit ins Leben zu integrieren.“

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Das Sortiment, das es im Halterner Unverpackt-Laden geben soll, wird bereits im Schaufenster angekündigt. © Eva-Maria Spiller

  • Wer an Matthias Jander Möbel oder anderes Inventar abgeben möchte, kann sich bei ihm unter Tel. 0152/29211118 melden.
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