In Haltern gab es bislang offiziell einen Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus. © picture alliance/dpa/AP
Coronavirus

Kein Abschied am offenen Sarg bei Corona: Schwere Zeiten für Trauernde

Im Laufe der Corona-Pandemie haben sich auch in Haltern die Rahmenbedingungen für Bestattungen verändert. Bestatter und Hinterbliebene stellt das Virus mitunter vor große Herausforderungen.

Laut Bestattungsgesetz (BestG NRW) sollen Verstorbene innerhalb von zehn Tagen bestattet werden, wenn es sich um eine Erdbestattung handelt. „Aber das ist im Moment mitunter schon schwierig“, sagt Bestatter Stefan Gazza vom Bestattungshaus Richter. „Nehmen wir mal an, eine Familie muss einen lieben Angehörigen beerdigen und ist wegen des Coronavirus selber in Quarantäne – da stehen die Angehörigen schon vor der Überlegung, ob sie eine Erd- oder Feuerbestattung wählen. Denn bei einer Erdbestattung besteht die Möglichkeit, dass sie selber nicht rechtzeitig aus der Quarantäne entlassen werden und somit nicht an der Beisetzung teilnehmen können.“ Das ist laut Gazza nur ein Beispiel, wie die Corona-Krise seinen beruflichen Alltag beeinflusse und eben auch verändere.

Strenge Regeln gemäß dem Infektionsschutzgesetz

In Haltern gab es bislang laut der offiziellen Statistik des Kreises (Stand: 29. Dezember) zwei Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Auch bei einem Verdachtsfall gelten strenge Regeln gemäß dem Infektionsschutzgesetz für den Bestatter und die Hinterbliebenen. „Der intime Moment der persönlichen Verabschiedung der Hinterbliebenen von dem Verstorbenen fällt der Pandemie dann schmerzlich zum Opfer“, sagt Ingo Richter, ebenfalls Bestatter des Halterner Betriebs.

„Schon bei einem Verdacht auf das Virus müssen wir den Toten in einen gesetzlich vorgeschriebenen Bodybag hüllen und diesen verschließen“, erklärt Stefan Gazza. Eine Ankleidung und hygienische Versorgung dürfe dann ebenfalls nicht mehr stattfinden. Der Tote muss in jener Kleidung bestattet werden, die er trug, als er starb. „Niemand darf sich den Verstorbenen dann noch einmal ansehen, niemand darf sich von Angesicht zu Angesicht verabschieden. Der Verstorbene wird in den Sarg gelegt, der Sarg wird verschlossen und darf auch nicht mehr geöffnet werden.“

Trauerfeiern in Haltern auf 10 Personen begrenzt

Von März bis in den Mai, als es beim ersten Lockdown schon viele Beschränkungen für das öffentliche Leben gab, waren die Trauerhallen in Haltern grundsätzlich geschlossen, für Beerdigungen galt eine Begrenzung der Teilnehmerzahlen. Maximal zehn Trauernde durften im Frühjahr Abschied nehmen. Zwischenzeitlich waren wieder 25 Personen erlaubt, doch seit einigen Tagen gilt in vielen Städten wieder die verschärfte Regel: Maximal zehn Trauergäste aus dem engsten Familienkreis sind gestattet.

Ingo Richter und Stefan Gazza (r.) vom Bestattungshaus Richter © Bestattungshaus Richter © Bestattungshaus Richter

„Das ist mit Blick auf die zu hohen Infektionszahlen verständlich, aber für die betroffenen Angehörigen natürlich sehr bitter“, sagt Ingo Richter. Für Hinterbliebene seien Trauerfeiern immens wichtig.

Über den Autor
Redaktion Haltern
1982 in Haltern geboren. Nach Stationen beim NRW-Lokalfunk, beim Regionalfernsehen und bei der BILD-Zeitung Westfalen 2010 das Studium im Bereich Journalismus & PR an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen erfolgreich beendet. Sportlich eher schwarz-gelb als blau-weiß orientiert. Waschechter Lokalpatriot und leidenschaftlicher Angler. Motto: Eine demokratische Öffentlichkeit braucht guten Journalismus.
Zur Autorenseite
Daniel Winkelkotte

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.