„Katastrophenjahr könnte sich wiederholen“: Fichte droht wegen Trockenheit das Aus

Rekordsommer

Der Erde fehlt das Wasser, die Bäume in Haltern leiden. „Die Fichte wird sich aus dem Münsterland verabschieden“, sagt Kersten Blaschczok über die Bäume in den Halterner Wäldern.

Haltern

, 28.06.2019 / Lesedauer: 3 min
„Katastrophenjahr könnte sich wiederholen“: Fichte droht wegen Trockenheit das Aus

Laut Kersten Blaschczok vom RVR könnte die Trockenheit für das Aus der Fichte in Haltern sorgen. © Kevin Kindel

Die Situation der Wälder hier in Haltern ist sehr angespannt“, sagt Kersten Blaschczok vom Eigenbetrieb Ruhr Grün des Regionalverbands Ruhr (RVR). Schuld daran ist dem Experten zufolge die Trockenheit. Zum einen fehle den unteren Bodenschichten durch die Hitze des vergangenen Sommers das Wasser, zum anderen fehle auch derzeit der Regen. „Es hat zwar in der letzten Woche mal geregnet, aber das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Es fehlt ein ganzer Jahresniederschlag“, so Blaschczok. Wegen des fehlenden Regens vermutet der Experte: „Die Fichte wird sich aus dem Münsterland verabschieden. Das Katastrophenjahr 2018 könnte sich wiederholen.“ Schuld daran ist der Borkenkäfer, der durch die Trockenheit an den geschwächten Bäumen ein leichtes Spiel hat.

90 Prozent der Borkenkäfer haben den Winter überlebt

Bei verregnetem Wetter wäre Haltern vielleicht mit deutlich weniger Schädlingen in den Sommer gestartet. Durch den milden Winter aber hätten schätzungsweise 90 Prozent des Käfers überlebt. Damit gebe es in diesem Jahr bereits besonders viele von den Borkenkäfern – eine ganze Generation mehr. „So hat ein Weibchen in einem Jahr zwischen 200.000 bis 400.000 Nachkommen“, sagt Kersten Blaschczok. „In der Haard und in der Hohen Mark haben wir in den letzten Wochen wieder viele Fichtenbestände fällen müssen, weil sie vom Borkenkäfer befallen sind und dadurch absterben.“ Hinzu kämen Schädlinge wie der Rüttelkäfer, der etwa junge Küstentannen und Douglasien befalle. „Unsere Kulturen sehen nicht berauschend aus“, sagt Blaschczok.

Wegen der Dürre seien einige der jungen, angepflanzten Bäume im vergangenen Jahr abgestorben. „Auch bei den Anpflanzungen von diesem Jahr werden wir deutliche Ausfälle haben.“ Einige Bäume werfen derzeit ihre Blätter ab - laut Blaschczok eine erste Reaktion der Pflanzen auf die Trockenheit. „Die Situation ist aber noch nicht gravierend.“ Es gebe bereits Buchen, deren Kronen austrockneten. „Wenn das so weitergeht, besteht die Sorge, dass es auch hier zu Schäden kommt.“ Bei der Eiche und der Lärche gebe es schon einzelne Fälle mit Baumschäden.

Gleichzeitig warnt Kersten Blaschczok Waldspaziergänger vor zu leichtsinnigem Verhalten in den Wäldern. Das Rauchen in den Wäldern ist aktuell bis zum 31. Oktober verboten, ein Feuer zu legen, ist ganzjährig verboten. Brände sollten Waldbesucher der Feuerwehr melden.Zur Orientierung gibt es vor Ort entsprechende Rettungspunkte. Mit der App „Hilfe im Wald“ können Waldbrände auch digital gemeldet werden.

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