Junger Geflüchteter aus Haltern schließt Ausbildung mit Erfolg ab

dzGesellenbrief erhalten

Samim Mohammadi lebt erst seit 2015 in Deutschland. Jetzt hat er seine Ausbildung zum Maler und Lackierer abgeschlossen. Da dies sein Leben verändert hat, möchte er nun andere ermuntern.

von Gerburgis Sommer

Haltern

, 08.07.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man hätte Samim Mohammadi eine zünftige Lossprechungsfeier im Ausbildungszentrum der Maler- und Lackiererinnung mittleres Ruhrgebiet in Herten gewünscht. Doch seinen Gesellenbrief erhielt er am Dienstag aufgrund der Corona-Beschränkungen im kleinen Rahmen. Seit seine Flucht aus Afghanistan vor fünf Jahren in Haltern endete, hat er mit Fleiß und einem klaren Ziel vor Augen hohe Hürden überwunden und sehr viel erreicht: die deutsche Sprache erlernt und seine Ausbildung abgeschlossen.

Der 23-Jährige ist einer von acht Geflüchteten aus seiner Klasse, die sich nun Gesellen nennen dürfen. Mit der Urkunde in der Hand bittet Mohammadi darum, ein paar Worte sagen zu dürfen und so bedankt er sich bei seinem Meister, Hermann Fimpeler, bei den Lehrerinnen des Ausbildungszentrums und bei Theo Haggeney, seinem Paten und Freund aus dem Asylkreis, für die Unterstützung, die er in den vergangenen Jahren erfahren hat.

WDRforyou berichtet

Aufgezeichnet wird dies von einem Filmteam des WDRforyou, dem Online-Portal für Flüchtlinge in Deutschland und für alle Userinnen und User, die sich mit dem Thema befassen möchten. Samim Mohammadi hat den WDR eingeladen: „Ich möchte andere geflüchtete und junge deutsche Menschen motivieren, arbeiten zu gehen oder eine Ausbildung zu machen.“ Dabei war es anfangs gar nicht klar, ob er die Ausbildung beginnen könnte.

Durch unsere Zeitungsveröffentlichung seines Portraits im Projekt „Schau mich an – Gesichter einer Flucht“ waren Elisabeth und Hermann Fimpeler 2016 auf ihn aufmerksam geworden. Der junge Mann beschrieb darin, dass er seine Mutter bereits als kleines Kind verloren habe und die Taliban seinen Vater und drei Geschwister ermordeten. Zugleich zeigte er sich zielstrebig und äußerte den Wunsch, der Gesellschaft nicht zur Last fallen zu wollen.

Asylverfahren lief noch

Daraufhin boten Fimpelers ihm ein sechswöchiges Praktikum in ihrem Glaser- und Malerbetrieb an. Am Ende war klar: Samim Mohammadi ist als Auszubildender willkommen. Doch so einfach war es nicht, denn sein Asylverfahren lief noch.

Elisabeth Fimpeler unterstützte den jungen Mann bei der Kommunikation mit der Ausländerbehörde und der Handwerkskammer. Schließlich bekam er einen so genannten „Subsidiären Schutz“, der zunächst für ein Jahr galt, dann um weitere zwei Jahre verlängert wurde. Jetzt steht eine erneute Prüfung an, der Samim Mohammadi nicht zuletzt wegen seiner abgeschlossenen Ausbildung positiv entgegensieht.

Samim Mohammadi absolvierte zunächst ein sechswöchiges Praktikum und anschließend seine Ausbildung bei der Halterner Firma Fimpeler. Nun ist er Geselle.

Samim Mohammadi absolvierte zunächst ein sechswöchiges Praktikum und anschließend seine Ausbildung bei der Halterner Firma Fimpeler. Nun ist er Geselle. © Foto: Privat

„Eine Alternative wäre eine Ausbildungsduldung gewesen. Von ihr profitieren andere Geflüchtete in Haltern. Die Duldung sichert dem Geflüchteten und dem Unternehmen zu, dass der Azubi für die Zeit der Ausbildung und für zwei Jahre anschließender Beschäftigung im Ausbildungsberuf in Deutschland bleiben kann“, wirbt Anna Haverkamp vom Fachdienst für Integration und Migration des Caritasverbandes Ostvest bei Unternehmen für die Bereitschaft zum Ausbilden geflüchteter Menschen.

Praktische Fähigkeiten

Also hielt sich der junge Afghane ran. In den vergangenen drei Jahren verbesserte er seine Sprachkenntnisse, lernte die Fachsprache seines Handwerks, kämpfte sich durch die Berufsschule und überzeugte vor allem durch seine praktischen Fähigkeiten. „Für Geflüchtete ist eine Ausbildung eine besondere Herausforderung. Samim hat recht schnell Fortschritte gemacht. Bei ihm habe ich gemerkt, dass er ein Netz aus Freiwilligen und Sozialarbeitern hat, die ihn gut begleiten“, teilt seine Klassenlehrerin Susanne Biederbick eine Beobachtung mit.

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Und auch Hermann Fimpeler ist voll des Lobes für seinen ehemaligen Azubi: „Ich habe es häufiger erlebt, dass Leute mit Migrationshintergrund es bei Kunden oder auch unter Kollegen schwer haben. Samim schafft das alles sehr gut. Deshalb freuen wir uns, dass er als Geselle weiterhin bei uns arbeiten wird.“

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