Joseph König - Namensgeber des Gymnasiums war ein berühmter Chemiker

dzHistorisches Haltern

Der Namensgeber des Joseph-König-Gymnasium brachte es zu internationalem Ruhm - in Haltern ist er kaum bekannt. Der einstige Bauernsohn aus Lavesum machte eine steile Karriere in der Chemie.

Haltern, Lavesum

, 06.06.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Halterner Joseph-König-Gymnasium wählte ihn 2003 zum Namenspaten, doch Joseph König ist vielen Halternern darüber hinaus kaum ein Begriff. Die ehemalige Schülerin des Gymnasiums, Judith Pennekamp, hat im Rahmen einer Facharbeit Interessantes über den Sohn der Stadt zusammengetragen.

Joseph Königs Engagement auf hygienisch-gesundheitspolitischem Gebiet ist das erste deutsche Lebensmittelgesetz mitzuverdanken. Sein Berufsziel war in jungen Jahren aber ein ganz anderes.

Nervenfieber führt zu Migräneleiden

Als Franz Joseph König kam er am 15. November 1843 in Lavesum zur Welt. Er war das dritte von insgesamt sieben Kindern des Bauern Jacob Heinrich König und seiner Frau Anna Maria, geborene Spiekermann-Ostrop. Er soll ein körperlich schwaches Kind gewesen sein, ein überstandenes Nervenfieber mit sieben Jahren führte zu lebenslangen Migräneattacken.

Nach dem Tod des älteren Bruders und Hoferben sollte er eigentlich den Hof der Eltern übernehmen. Er konnte seine Eltern dennoch überreden, ihn auf die Höhere Schule zu schicken, zuerst nach Recklinghausen auf das Gymnasium Petrinum, dann nach Münster.

Wenig Interesse für den elterlichen Bauernhof

Eigentlich wollte Joseph König Priester werden und Theologie studieren. Seine Mutter war sehr fromm und trug ihn im Alter von zwei Jahren auf den Annaberg, um dort um Kräftigung zu bitten. Für den elterlichen Betrieb brachte er wenig Interesse auf. Am liebsten hütete er die Schafe, um dabei ungestört lernen zu können, wie Judith Pennekamp für ihre Facharbeit recherchiert hat.

Statt der Theologie wandte sich König nach dem Abitur der Medizin zu. Im Herbst 1864 schrieb er sich an der Universität in München ein. Doch seine Professoren rieten ihm wegen der Migräneanfälle von einer Karriere als Arzt ab. Daraufhin besuchte er Vorlesungen der Chemie, unter anderem bei dem berühmten Wissenschaftler Justus von Liebig. Ende 1865 zog er um nach Göttingen, nach nur sechs Semestern promovierte er dort mit seiner Dissertation „Über Äthyl- und Diäthylbenzol“.

Wasserwerk mit initiiert

Nach einem beruflichen Abstecher in Hessen übernahm er 1871 die Leitung der neu gegründeten Landwirtschaftlichen Versuchsstation in Münster. 1877 heiratete er Eugenie Scharpenseel aus Bochum und bekam mit ihr vier Kinder. Eins starb im Wochenbett, ein zweiter Sohn im Alter von 30 Jahren bei einem Reitunfall. Die verbliebenen Söhne erlangten hohe Positionen in landwirtschaftlichen Organisationen.

1900 kaufte er das Gehöft Rülling in Hennewig, wohnte dort mit seiner Familie. Er fühlte sich mit der Stadt Haltern weiterhin sehr verbunden und machte sich für den Neubau der Rektoratsschule stark, dem Vorläufer des heutigen Gymnasiums. Dafür nahm er sogar Wasserproben aus einem Brunnen, der die Schule mit Wasser versorgen sollte. Er hielt die Qualität des dortigen Wassers für höchst bedenklich - auch durch sein Einwirken wurde bald darauf das Halterner Wasserwerk erbaut, das ab 1908 die Schule und ganz Haltern mit sauberem Wasser versorgte.

Frage nach Spargel ließ ihn nicht los

Berühmtheit über Haltern hinaus erlangte Joseph König mit seinen Arbeiten zur Zusammensetzung und Nährwert der Nahrungs- und Genussmittel. Laut einer Anekdote soll eine Tischdame König bei einem Festessen nach dem Nährwert des Spargels gefragt haben. Er konnte die Frage nicht beantworten, wurde aber selbst neugierig und untersuchte im Anschluss nicht nur den Spargel, sondern führte viele weitere analytische Studien durch, deren Ergebnisse die Grundlage für eine geregelte Überwachung des Lebensmittelhandels bildeten. 1911 trat er von der Leitung der Landwirtschaftlichen Versuchsstation in Münster zurück. Bis kurz vor seinem Tod arbeitete er weiter in der Forschung. Er starb am 12. April 1930 im Alter von 86 Jahren in Münster.

Medaille trägt seinen Namen

Er bekam zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem Ehrendoktortitel, sowie die Liebig-Medaille in Gold und die Preußische Staatsmedaille in Silber. Posthum stiftete der Verein deutscher Lebensmittelchemiker 1934 die Joseph-König-Medaille zur Anerkennung besonderer wissenschaftlicher Leistungen. In Lavesum erinnert ein Gedenkstein an den großen Sohn Halterns.

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