Josef Löbbing, der Werbemanager der Stadt Haltern, beendet seine Dienstzeit

dzStadtagentur Haltern

Der Abschied naht. Josef Löbbing, Leiter der Stadtagentur, geht in den Ruhestand. Er erinnert sich an interessante Zeiten, auch an Touristen, die in Unterhemden durch die Stadt flanierten.

Haltern

, 17.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sein Büro ist von Luxus weit entfernt – sieht man einmal von dem schönen Ausblick ab. Josef Löbbing sitzt in einem kleinen, funktional eingerichteten Eckzimmer des Alten Rathauses, von hier kann er dem Treiben auf dem Alten Markt zusehen. Wenn er dazu Zeit hat.

Aber die Zeit wird knapp. Josef Löbbing geht zum 31. Dezember in den Ruhestand. 46,5 Jahre hat er für die Verwaltung, vor allem aber für die Halterner Bürger und die Touristen der Stadt gearbeitet. Viele Erinnerungen haben sich angesammelt.

Ein Glas Wasser für Helmut Kohl

1973 waren bei der Stadt zwei Ausbildungsstellen ausgeschrieben, erstmals nach acht Jahren wieder. Josef Löbbing bewarb sich und wurde genommen. Als Auszubildender für den mittleren Dienst. 1975, nach der kommunalen Neuordnung, fand er seinen Platz zunächst im Hauptamt. „In jenem Jahr besuchte Helmut Kohl, der spätere Bundeskanzler, wie so häufig die Stadt Haltern. Damals war er noch Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Meine Aufgabe war es, ihm ein Glas Wasser zu bringen“, für den jungen Josef Löbbing war das eine Ehre. Prominente hat er im Laufe seiner Tätigkeit viele kennengelernt.

Denn Josef Löbbing übernahm nach der Staatsprüfung an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung von Paula Neufeld das Verkehrsbüro. Was zunächst nur Werbestelle für das österreichische Kärnten war, entwickelte sich zum Stützpunkt für den Fremdenverkehr. Letztlich entstand daraus 1996 die Stadtagentur. „Meine Aufgabe und die meines Teams war, das Incoming zu organisieren“, erzählt er bei einer Tasse Kaffee.

200.000 Übernachtungen

Das heißt, er schaut seither, wie Haltern als attraktiver Gastgeber möglichst viele Touristen für sich gewinnen kann. Denn der Tourismus ist für die Stadt im Wasserschutz- und Naturschutzgebiet ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der gut 600 Arbeitsplätze sichert. Dass er während seiner Amtszeit überaus erfolgreich gearbeitet hat, beweisen Auszeichnungen und Zahlen: Über 200.000 Übernachtungen verzeichnet die Stadt pro Jahr, 30.000 allein in Ferienwohnungen.

Damit rangiert Haltern innerhalb des Münsterlandes hinter Münster und Tecklenburg. Werbeaktionen mit Unterstützung der Kaufleute, das Auflegen von Veranstaltungskalendern, die Organisation von Veranstaltungen wie das Stadtjubiläum 1989 oder die Heimatfeste (für ihn waren es 26), die Ausarbeitung von Radwanderwegen oder die Optimierung des Buchungssystems für den Fremdenverkehr gehörten und gehören ebenfalls in Löbbings Verantwortungsbereich. Aber die Prominenz lernte er vor allem auswärts kennen.

Begegnungen mit Promi-Faktor

Josef Löbbing nahm mit Kolleginnen und Kollegen an Hansetagen teil, an internationalen Tourismusbörsen und Touristikmessen. Er begegnete der schwedischen Königin Silvia, dem norwegischen König Olaf, dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie zahlreichen bekannten Oberbürgermeistern und Bürgermeistern. „Es hat mir immer viel Spaß gemacht, Haltern an anderen Orten vertreten zu können.“ Josef Löbbing erzählt das in aller Unaufgeregtheit. Sich in den Vordergrund zu spielen, war nie sein Ding.

Josef Löbbing, der Werbemanager der Stadt Haltern, beendet seine Dienstzeit

Immer auf Werbetour für Haltern, aber auch ein Obelix (Josef Löbbing, Leiter der Stadtagentur) braucht mal eine Pause. Die genießt er mit Kollegin Martina Klaus. © Stadtagentur

Ob unterwegs oder am Schreibtisch: Er hat sich in seinem Beruf immer sehr wohlgefühlt. Seine Eltern hatten daran gewiss ihren Anteil.

Kindheit auf dem Campingplatz

Josef Löbbing kam 1956 in Oberhausen zur Welt, die Familie zog ein Jahr später nach Haltern. Von 1959 bis 1980 führten die Eltern den städtischen Campingplatz Niemen am Stausee. „Im Winter haben wir in der Stadt gelebt, im Sommer auf dem Campingplatz“, erzählt er, der zwei Geschwister hat. Er weiß noch, dass die Holländer damals mit Holzschuhen und Rädern nach Haltern kamen und Touristen aus dem Ruhrpott unbekümmert , aber zum Entsetzen der Halterner in Unterhemden durch die Stadt gingen. Die Natur war das Zuhause von Josef Löbbing. Er suchte Pilze und Waldbeeren, lernte in der Stever schwimmen, ließ sich per Förderband über den See bringen und rutschte an Steilküsten des Sees entlang.

Nicht so nostalgisch, aber schon entspannt stellt er sich seinen Ruhestand vor. Faulenzen, hier und da aufräumen, Fotos sortieren, Urlaub in Ägypten machen, Rad fahren, kochen (schön scharf und gern indisch) – das sind Dinge, die ihm gefallen und die keine Langeweile aufkommen lassen. Zeit mit seiner Frau und auch gern mit seiner Tochter genießen, auch das gehört zur neuen Lebensphase dazu. Was ihm nie in den Sinn käme? „Haltern zu verlassen, ich liebe das Flair dieser Stadt.“

Mit Halterix in den Ruhestand

Was aber lässt er im Rathaus zurück? „Ein super gutes Team, mit dem ich immer hervorragend zusammengearbeitet habe“, über die Antwort muss Josef Löbbing nicht lange nachdenken. Und was nimmt er neben vielen guten und weniger guten Erinnerungen mit? Dazu öffnet er den Stahlschrank und zieht eine Tüte heraus. Darin hat er einen Halterix, eine frühere Symbolfigur der Stadt, aus Salzteig eingewickelt. Bäckermeister Benedikt Grewer hatte sie ihm nach dem Stadtjubiläum geschenkt. Halterix kommt mit in den Ruhestand!

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