Knapp 70 Flüchtlinge in Haltern nutzen die Chance einer Ausbildung

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Mohamed Tounkara aus Guinea und Suleiman Yousuf Saado, Jeside aus dem Irak - zwei Flüchtlinge, zwei Lebenswege und ein Ziel vor Augen.

Haltern

, 05.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Anfang habe er Zweifel gehabt, ob er der Herausforderung gerecht werden könne. Die Arbeit sei ungewohnt gewesen, Sprachprobleme hätten die Orientierung erschwert. Wenn Mohamed Tounkara von seinem Start in die Ausbildung als Koch im Hotel Seehof berichtet, ist herauszuhören, dass er sich durchbeißen musste.

Heute kann er eine erfolgreiche Prüfung vorweisen. Er ist nun als Jungkoch in seinem Halterner Ausbildungsbetrieb beschäftigt, befindet sich wegen der Corona-Krise allerdings gerade in Kurzarbeit.

„Mohamed hat eine unglaubliche Leistung gezeigt. Er ist einer der schnellsten geflüchteten Absolventen, die ich kenne“, freut sich Anna Haverkamp, Koordinatorin des Patenschaftsprojekts beim Caritasverband Ostvest. Insgesamt hat der Asylkreis Haltern im Moment Kontakt zu 68 geflüchteten Menschen, die in Haltern leben und zurzeit eine Ausbildung als Maurer, Koch, Maler, Friseur/in, Installateur, Altenpfleger/in oder Kaminbauer absolvieren.

Ehrenamtliche Paten unterstützen die Integrationsarbeit

Unbedingt zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang die vielen ehrenamtlichen Helfer in Haltern, die Flüchtlingen beispielsweise als Paten zur Seite stehen, sie durch den Behördendschungel führen und manchmal auch aus Träumen holen, die sich nicht verwirklichen lassen.

Arno Huesmann vom Asylkreis Haltern ist einer dieser Freiwilligen, die sich unermüdlich für die Eingliederung der Flüchtlinge einsetzen. „Eine Berufsausbildung ist die Grundlage dafür, das eigene Leben zu gestalten“, sagt er. Deshalb ist er sich nicht zu schade dafür, Klinken zu putzen und bei Arbeitgebern nach Kapazitäten für einen Ausbildungsplatz nachzufragen.

Anna Haverkamp (l.), Koordinatorin bei der Caritas Ostvest, Arno Huesmann vom Asylkreis (3.v.l.) und Tuba Arslan vom Fachdienst für Integration und Migration bei der Caritas (4.v.l.) unterstützen Flüchtlinge wie Mohamed Tounkara (2.v.l.) und Suleiman Yousuf Saado (r.).

Anna Haverkamp (l.), Koordinatorin bei der Caritas Ostvest, Arno Huesmann vom Asylkreis (3.v.l.) und Tuba Arslan vom Fachdienst für Integration und Migration bei der Caritas (4.v.l.) unterstützen Flüchtlinge wie Mohamed Tounkara (2.v.l.) und Suleiman Yousuf Saado (r.). © Silvia Wiethoff

Meistens wird der Start in eine Ausbildung über ein Praktikum angestoßen. Auf diese Weise können sich beide Seiten kennenlernen. Mohamed schnupperte erst in einer Sythener Bäckerei, wo dann jedoch keine Ausbildungsstelle frei wurde.

So kam er zum Seehof. Eigentlich hatte der 30-Jährige aus Guinea ins Auge gefasst, in Deutschland Kenntnisse aus seinem Studium einbringen zu können, denn in der Heimat hatte er Jura studiert.

Mohamed ist stolz auf das Erreichte

Dieses Ziel ließ sich nicht direkt verwirklichen, da sein Asylantrag als Flüchtling aus Guinea keine Aussicht auf Erfolg hat. Die einzige Möglichkeit, in Deutschland bleiben zu dürfen, war eine Ausbildung. Diese Chance hat er mit aller Konsequenz ergriffen. „Ich habe in drei Jahren nur drei Tage gefehlt“, sagt er nicht ohne Stolz.

Kontakte

Hier gibt es Informationen

Weitere Informationen über Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten gibt es unter folgenden Kontakten: birgit.toens@vestische-arbeit.de, Tel. 02364/10544-163 bjoern.buschmann@vestische-arbeit.de, Tel. 02364/10544-166 t.arslan@caritas-ostvest.de, Tel. 02361/9391338.

Nach dem Corona-Lockdown steige gerade wieder die Nachfrage der Betriebe nach Auszubildenden, sagt Anna Haverkamp. Gemeinsam mit Tuba Arslan vom ELNet plus Projekt des Caritasverbandes Ostvest, dem Team vom Jobcenter Haltern und dem Asylkreis will sie weiterhin Arbeitgeber und Flüchtlinge zusammenbringen.

Es gibt immer wieder Überraschungen

Wie individuell und überraschend das Ankommen eines Flüchtlings verlaufen kann, zeigt der Weg von Suleiman Yousuf Saado. Der 25-Jährige lebt seit fünf Jahren in Deutschland. Als Iraker/Jeside bekam er schon nach einem Jahr einen Aufenthaltstitel in Deutschland.

„Mein Vater hatte im Irak einen Laden. Deshalb dachte ich, ich werde Verkäufer“, berichtet er. Mit unglaublichem Ehrgeiz aber setzte er seine Schulbildung fort („Ich ging nie ohne neue Vokabeln ins Bett“), bestand sein Fachabitur und absolviert gerade den praktischen Teil bei der Caritas Ostvest.

Hier arbeitet er im Migrationsdienst und dolmetscht unter anderem in Kurdisch und Arabisch. Später will er soziale Arbeit studieren. Suleiman Yousuf Saado verdankt seinen Weg auch „Mama Ellen“ (Ellen Großekemper), wie er seine Halterner Patin liebevoll nennt. Er ist ein Vorzeigebeispiel für einen Geflüchteten mit gesichertem Aufenthalt, der die damit verbundene Zeit und Planungssicherheit gut nutzt.

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