In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Halternerin in globalisierungskritischem Camp

Erfahrungsbericht

Wie kann die Gesellschaft, in der wir leben, gerechter werden? Luisa Maschlanka (23) aus Haltern setzt sich mit dieser Frage derzeit im attac-Sommercamp auseinander. Ein Erfahrungsbericht.

Haltern

von Luisa Maschlanka

, 02.08.2019, 14:15 Uhr / Lesedauer: 3 min
In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Halternerin in globalisierungskritischem Camp

Beim attac-Sommercamp setzen sich die Teilnehmer mit Nachhaltigkeit und einer gerechten Wirtschaft auseinander. © attac

Der Schulbeginn ist noch weit entfernt, doch in der Erich-Kästner-Gesamtschule in Bochum geht es in diesen Tagen produktiv zu. Vormittags Seminare und Workshops, nach dem Mittagessen Diskussionsforen und am Abend ein vielseitiges kulturelles Programm aus Theater, Kleinkunst und Kino. In der Turnhalle hat man es sich mit Schlafsäcken auf den Turnmatten bequem gemacht und um das Schulgebäude herum wird gezeltet.

Dass es in der Erich-Kästner-Gesamtschule gerade so bunt und lebendig zugeht, hat sie dem globalisierungskritischen Netzwerk attac zu verdanken. Einmal im Jahr veranstaltet die Organisation eine mehrtägige Sommerakademie mit verschiedenen Bildungsangeboten. In diesem Jahr ist sie vom 31. Juli bis zum 4. August im Ruhrgebiet. Und ich, Luisa Maschlanka, bin zum ersten Mal mit dabei.

In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

Über attac habe ich schon viel gehört und die vielen spektakulären Aktionen mitverfolgt. 2018 hat die Organisation beispielsweise mit einer großen Protestaktion vor der Frankfurter Börse an den Beginn der weltweiten Finanzkrise vor zehn Jahren erinnert. attac wollte mit der Aktion darauf aufmerksam machen, dass die Finanzspekulationen der Banken weitergingen und die bestehenden Gesetze nicht ausreichen würden, um die Banken krisenfest zu machen. Die Botschaft: Lassen wir uns nicht von den Finanzmärkten diktieren, wie wir leben wollen.

In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Halternerin in globalisierungskritischem Camp

Luisa Maschlanka © privat

Die Frage danach, in was für einer Gesellschaft wir eigentlich leben möchten, ist auch zentrales Thema der diesjährigen Sommerakademie, die unter dem Motto „Vom Leben auf Kosten anderer zum guten Leben für alle!“ stattfindet. Das Motto und das Programm haben mich gleich angesprochen. Über fünf Tage verteilt wird in mehr als 100 Veranstaltungen über verschiedene Themen diskutiert, die unsere Gesellschaft aktuell beschäftigen und die einen Einfluss darauf haben, wie wir in Zukunft leben werden. Dazu zählen Klimaschutz und Umwelt, Menschenrechte, Digitalisierung und Datenschutz, Globalisierung, Kapitalismus und Demokratie, um nur ein paar Schlagworte zu nennen.

Preiswerte und sozialverträgliche Lösungen

Wie viele andere Menschen, die sich wie ich zur Sommerakademie angemeldet haben, beschäftigt mich besonders die Frage, welche Alternativen es zu unserer Lebensweise gibt, die gleichbedeutend ist mit der Ausbeutung natürlicher Ressourcen, mit wachsender Ungleichheit und dem massiven Ausstoß von CO2. Die „Fridays for Future“-Bewegung hat das Thema Klimaschutz zuletzt noch einmal mehr in das Zentrum der Öffentlichkeit gerückt und die Politik unter Druck gesetzt, Maßnahmen zu ergreifen, damit die Pariser Klimaziele erreicht werden.

Trotzdem habe ich das Gefühl, dass vieles noch nicht schnell genug umgesetzt wird. Dieses Gefühl teile ich offenbar mit den anderen Teilnehmern. Die Sommerakademie möchte daher vor allem von Alternativen berichten, die bereits Realität geworden sind. So gibt es Seminare, in denen über die Erfahrungen zur Einführung eines Grundeinkommens diskutiert wird, das in einigen skandinavischen Ländern bereits getestet wurde.

Hintergrund

Das ist attac

  • attac ist ein Netzwerk aus Gewerkschaften und Umweltverbänden und Organisationen wie verdi, GEW, dem Umweltverband BUND oder kirchlichen Einrichtungen.
  • attac setzt sich für eine sozial vertretbare und nachhaltige Form der Globalisierung ein
  • Das Netzwerk kritisiert etwa menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, den leichtfertigen Umgang mit dem Klima und die Privatisierung von Bildung, Gesundheit und Altersvorsorge

Im Bereich der Wohnungspolitik gibt es schon seit Langem Wohnungsbaugenossenschaften, die ihren Mitgliedern preiswerten Wohnraum anbieten können. Ein Beispiel dafür, wie der Austausch zwischen Menschen verschiedenster Herkunft gelingen kann, ist die Zeitung „Neu in Deutschland“ (nid), in der geflüchtete Frauen und Männer von ihrer Heimat und ihrem Leben in Deutschland erzählen. Möglich gemacht wird das mit Unterstützung vieler weiterer sozialer Organisationen, wie der Bildungsstätte Anne Frank, die sich gegen Rassismus engagiert oder dem Netzwerk Plurale Ökonomik, das sich für mehr und breitere ökonomische Bildung einsetzt.

Noch bis Sonntag läuft das Programm in Bochum

Um die anderen Teilnehmer besser kennenzulernen und um die vielen Eindrücke und Anregungen, die man über den Tag in den Diskussionen gesammelt hat zu verarbeiten, gibt es am Abend und zwischendurch verschiedene kulturelle Angebote, wie Kino, Theater, Musik und eine soziale Stadtführung durch Bochum, die über das Leben der Menschen am Rand unserer Gesellschaft informieren will. Gleich am Eröffnungsabend sorgt der Poetry-Slammer Jean Phillippe Kindler mit seinen Texten für eine ausgelassene Stimmung. Er erzählt von alltäglichen Situationen, die jeder von uns kennt und die er mit scharfer Zunge kritisch kommentiert.

Da ich diesen Text schreibe, während die Sommerakademie noch in vollem Gange ist, stehen die meisten der genannten Veranstaltungen noch an, dennoch habe ich schon jetzt viele inspirierende Menschen getroffen und Neues dazugelernt.

  • Am Sonntag (4. August) endet die Attac Sommerakademie mit einem Abschlusspodium zum Thema „Eine andere Welt ist machbar – Sozialökologischer Umbau braucht soziale Bewegung!“.
  • Für alle, die sich ebenfalls für diese Themen interessieren und sich weiterbilden möchten, gibt es die Möglichkeit, sich für fünf Euro eine Tageskarte zu kaufen. Mehr Infos zu dem Programm, Veranstaltungsort sowie zusätzliches Infomaterial zu einzelnen Veranstaltungen gibt es unter www.attac.de/sommerakademie
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