In Halterner Café: Kochen gegen die Existenznot wegen Corona

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Birgit Flachmeier hat sich mit der Eröffnung des Cafés Artempause einen Lebenstraum erfüllt. Nun hat auch sie die Corona-Krise voll erwischt. Sie kämpft ums Überleben - in der Küche!

Haltern

, 09.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Birgit Flachmeier, ausgebildete Erzieherin, erfüllte sich 2011 im Alter von 43 Jahren einen Lebenstraum: Sie eröffnete am Gantepoth das Café Artempause. Ruhepunkt und Galerie mit Wohnzimmer-Atmosphäre - so buchstabiert sie den Namen „Artempause“. Die berufliche Neuorientierung war ein hoffnungsvoller Wendepunkt in ihrem Leben. Es lief gut, aber jetzt musste auch sie wie fast alle Gewerbetreibenden in der Stadt schließen. Wie hält sie sich in diesen schwierigen Zeiten über Wasser?

Wegen Corona lief nichts mehr nach Plan

In einem Video-Interview mit der Halterner Zeitung erzählt Birgit Flachmeier aus ihrem neuen Alltag. „Die ersten Tage waren super schwer. Es gab keinen strukturierten Tagesablauf, keine Routine, nichts lief nach Plan. Mir fehlte der Rhythmus, der Halt und der Sinn“, schildert sie ein Befinden, das kaum jemandem fremd sein dürfte in dieser Zeit des eingesperrten Wartens. Sie half zunächst im Friseursalon ihres Mannes Andreas Althoff, aber auch der ist mittlerweile wie alle Salons geschlossen. Birgit Flachmeier besann sich auf das, was sie sehr gut kann: Backen und kochen!

In der Halterner Café-Küche kocht Monika Eltrop Gemüsesuppen in Gläser ein.

In der Café-Küche kocht Monika Eltrop Gemüsesuppe und kocht sie anschließend in Gläser ein. © privat

So backt sie nun zusammen mit Monika Eltrop am Wochenende frischen Kuchen wie Nussecken, Eugen- oder Apfel-Streuseltorten sowie knusprige Dinkelbrötchen als Tiefkühlware, außerdem bereitet das Duo vegetarische und glutenfreie Gemüsesuppen aus frischen Zutaten zu und kocht sie - wie früher zu Großmutters Zeiten - in Weckgläsern ein. Immer zwei Portionen pro Glas. Es geht um den Genuss, sagt Birgit Flachmeier, es geht aber auch um Nachhaltigkeit.

Freunde sorgen für einen nachhaltigen Kreislauf

Die Gläser haben Freunde gesammelt, sie werden nach Gebrauch von den Kunden zurückgebracht und wieder neu befüllt. Ein ökologischer Kreislauf, so wie Birgit Flachmeier sich das wünscht. Die Zutaten sind immer frisch - was der Gemüsemarkt aktuell hergibt, landet auf dem Teller. 30 Gläser schaffen Birgit Flachmeier und Monika Eltrop am Tag. Mehr geht aus personellen und logistischen Gründen nicht.

Birgit Flachmeier vom Halterner Café Artempause stellt sich einer logistischen Herausforderung, um ihr Café über die Krise zu retten.

Birgit Flachmeier stellt sich einer logistischen Herausforderung, um ihr Café über die Krise zu retten. © privat

Abholtermine sind immer dienstags und samstags zwischen 10 und 12 Uhr. Dienstags ab 14 Uhr liefert Andreas Althoff auch aus, er ist überhaupt eine wichtige Stütze im Hintergrund. Seit 2018 ist er Inhaber des Cafés. Damals musste Birgit Flachmeier aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten, seither öffnet sie das Café in der Regel viermal vier Stunden pro Woche.

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Der Verkauf (Anmeldung über Facebook oder Handy (Tel. 01573 8427157) läuft gut, meistens gehen alle Portionen restlos weg. Dank eines guten persönlichen Netzwerkes ist das Angebot schnell publik geworden, nicht nur Stammkunden bestellen die Leckerbissen. Ein Drittel des sonstigen Umsatzes kann Birgit Flachmeier mit ihrem besonderen Service während der Corona-Pandemie erwirtschaften.

Café Artempase nach Corona: Hoffnung schwingt mit

Öffnungszeiten bis 15 Uhr, wie anfänglich erlaubt, würden sie nicht weiterbringen. „Es waren ja kaum noch Menschen in der Innenstadt“, sagt sie. Ihr sei schnell klar geworden, dass es auf eine vorübergehende Schließung hinauslaufe.

Die vegetarischen und glutenfreien Suppen sind fertig! Abholtermine - nach Vorbestellung - sind dienstags und samstags.

Die vegetarischen und glutenfreien Suppen sind fertig! Abholtermine - nach Vorbestellung - sind dienstags und samstags. © Privat

Was die Zukunft bringt? Birgit Flachmeier macht die gegenwärtige Arbeit total Spaß, aber sie ist realistisch. „Ich schaue auf das Hier und Jetzt und freue mich trotz aller Not, dass wir in Haltern noch mit Freude und Hoffnung unterwegs sein können.“ Sorgen mache sie sich allerdings um die, die auf der Straße leben. Die Sorgen um das Café kommen danach.

„Ich wünsche mir eine Zukunft für die Artempause. Ich glaube, sie ist ein wichtiges Puzzleteil im gastronomischen Angebot der Innenstadt. Andreas Althoff wird Fördermittel des Bundes beantragen und ansonsten will das Paar aushalten. „Gemeinsam sind wir in dieser Krise stark!“

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