Imker Udo Pfingst fühlt sich vom Kreis aus der Westruper Heide gemobbt

dzBienen in der Westruper Heide

Imker Udo Pfingst hat seine Bienenvölker aus der Westruper Heide abgeholt. Das sei überraschend, reagiert ein Sprecher des Kreises Recklinghausen. Es gibt aber eine Vorgeschichte.

Haltern

, 18.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Seit 2009 hat der Sythener Hobby-Imker Udo Pfingst ehrenamtlich Bienenvölker in der Westruper Heide betreut und bei direkten Kontakten mit Besuchern des Naturschutzgebietes viel Aufklärungsarbeit geleistet. Zum Image der Heide gehören die Schafe ebenso wie die Honigbienen. Das Bienenhaus wurde zu einem beliebten Treffpunkt für die Heidebesucher, darunter viele Familien, Kindergärten oder Familienbildungsstätten.

Über Jahre hat er viel Anerkennung für die Ausübung seines Hobbys bekommen. Sogar Landrat Cay Süberkrüb besuchte ihn in der Heide und überreichte als Dank eine Ausgabe des Buches „Verliebt ins Vest“ mit persönlicher Widmung. Ab 2016 kippte laut Udo Pfingst die Stimmung.

Imker Udo Pfingst fühlt sich vom Kreis aus der Westruper Heide gemobbt

Im Rahmen einer Buchwidmung hat Landrat Cay Süberkrüb seine Anerkennung für das Engagement von Imker Udo Pfingst ausgesprochen. © Silvia Wiethoff

Plötzlich seien der Unteren Naturschutzbehörde seine gelegentlichen Pkw-Fahrten zu den Bienenvölkern ein Dorn im Auge gewesen. Er sollte sein Material zum Bienenhaus tragen beziehungsweise seine Autofahrten protokollieren und beim Kreis einreichen.

In Folge sei auch die Veräußerung von Honig kritisiert worden. Es sei der Eindruck eines gewerbsmäßigen Verkaufs entstanden, führte die Behörde aus. Der Imker sollte den Wanderparkplatz für den Verkauf nutzen.

Unkosten wurden durch Honigverkauf nicht gedeckt

Udo Pfingst (79) argumentierte, dass er das Arbeitsmaterial unmöglich durch die Heide tragen könne, weil es zu schwer ist. „Eine Protokollführung über meine Arbeit lehne ich ab, weil ich eigenverantwortlich und selbstständig im Sinne des Naturschutzes arbeite“, schrieb er in die Kreisverwaltung. Seinen Honig verkaufe er lediglich an Heidebesucher, die nach Führungen und Vorträgen über das Leben und Wirken der Bienen danach fragten. „Die jährlichen Einnahmen von 500 bis 600 Euro reichten nicht aus, um die entstandenen Unkosten für die Erneuerung von Waben- und Honigkästen auszugleichen“, teilte Udo Pfingst der Kreisverwaltung mit.

Einen Höhepunkt hat die Auseinandersetzung für ihn erreicht, als der Bienenstand im vergangenen Jahr während der Heideblüte großflächig mit einem Elektrozaun abgesperrt worden war und rund 200 Schafe die blühenden Triebe der Pflanzen abfraßen. Nach seinen Informationen hatte die Untere Naturschutzbehörde die Anordnung dafür gegeben. „Dieses Vorgehen ist absolut nicht zu verstehen und kontraproduktiv, weil ja nicht nur die Honigbienen, sondern auch die Wildbienen darunter gelitten haben“, erklärte Udo Pfingst.

Das Aus für die betreute Imkerei ist beschlossen

Vom Imkerverein Haltern wurde ihm Anfang März 2019 mitgeteilt, dass der Kreis Recklinghausen beabsichtige, die betreute Imkerei mit Honigbienen zu beenden und die jetzigen Bienenstände aus Styropor durch Strohkörbe - sogenannte Lüneburger Stülpen - zu ersetzen. Die dort einfliegenden Bienen sollten sich selbst überlassen sein. „Das bedeutete das Aus für meine Imkerei“, berichtete Udo Pfingst.

Vor wenigen Tagen hat er seine drei Bienenvölker aus dem Bienenhaus in der Heide abgeholt. Am Mittwoch entfernte er auch die dazu gehörigen Hinweisschilder. „Für mich ist ein Traum zu Ende“, sagte er resigniert bei einem Gespräch vor Ort.

Für den ehemaligen Schulleiter ist bis heute nicht verständlich, warum der Kreis Recklinghausen ab dem Jahr 2016 eine Wende im Umgang mit seiner Person vollzogen hat.

Die Situation schmerzt den Hobby-Imker

Udo Pfingst schmerzt die aktuelle Situation sehr. „Er hat das immer mit großer Leidenschaft gemacht. Dabei war es für ihn eigentlich nur zusätzliche Arbeit“, sagt Anne Rabenstein, seine Lebensgefährtin.

In einer Stellungnahme teilte ein Sprecher der Kreisverwaltung am Donnerstag mit, dass die kulturhistorische Bedeutung der Imkerei in der Westruper Heide gesehen werde. Die Honigbienen stellten aber eine Konkurrenz zu den 48 Wildbienenarten dar. Ein Verdrängungseffekt müsse vermieden werden.

Der Kreis werde nun Kontakt mit dem Heimatverein Sythen aufnehmen, der eine Patenfläche in der Heide pflegt, und über eine Lösung beraten.

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