Ihr Haus wird abgerissen: Familie Shabo kämpft bei Wohnungssuche gegen Vorurteile

dzWohnung gesucht

Familie Shabo lebt seit Jahren glücklich in Haltern. Das Haus, in dem sie wohnt, soll aber abgerissen werden. Für die Familie beginnt ein Wettlauf: um eine neue Wohnung und gegen Vorurteile.

Haltern

, 28.06.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ahmed ist begeisterter Skateboard-Fahrer. Am Friedhof an der Hullerner Straße übt der Neunjährige fast jeden Tag. Stolz springt er auf sein Brett und rollt den Geh- und Radweg hinunter. Meistens ist sein größerer Bruder Youssef (11) dabei und gibt Tipps. Die beiden syrischen Jungen wohnen hier - in dem Gebäude der ehemaligen Gärtnerei Ferling. Noch. Denn das Mehrfamilienhaus soll abgerissen werden. Ein Neubau ist an der Stelle geplant. Dabei haben die jungen Syrer gemeinsam mit ihrer Schwester Aynour (12), Mutter Aziza (39) und Vater Abdelkarim Shabo (43) hier nach langer Flucht ein echtes, neues Zuhause gefunden, in dem sie sich sehr wohl fühlen. Doch es hilft nichts. Spätestens bis zum 31. Januar 2020 muss die fünfköpfige Familie ausgezogen sein. Im März hatte sie die traurige Nachricht erhalten. Seitdem wird verzweifelt eine neue Bleibe gesucht.

Halterner Ehepaar übernimmt Patenschaft

Margret und Reinhold Zihla helfen den Flüchtlingen dabei. Die Caritas hatte den Kontakt zwischen dem Halterner Ehepaar und der Familie, die aus Quamschli, einer Stadt im Nordosten Syriens nahe der Grenze zur Türkei stammt, hergestellt. Seitdem sind die Zihlas Paten, helfen bei Behördengängen, Schriftwechseln und Telefonaten und verbringen ihre Freizeit mit den Shabos.

„Wir sind hier so glücklich“, sagt Aziza Shabo beim Besuch in ihrer Vier-Zimmer-Wohnung. Die Familie ist sehr gastfreundlich. Syrischer schwarzer Tee wird zubereitet, mit viel Zucker. Dazu gibt es sehr süßen Kuchen. Das Zuckerfest ist noch nicht lange vorbei - Schoko-Riegel, Bonbons in vielen Variationen und süße Kekse werden zusätzlich gereicht. „Essen Sie“, sagt Aziza Shabo und lächelt freundlich.

Dankbar für die Aufnahme in Deutschland

Die Zihlas, erklärt sie, seien so etwas wie ihre deutschen Eltern. Aziza Shabo ist dankbar. Nach wochenlanger Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat war sie allein mit den damals acht, sieben und fünf Jahre alten Kindern im August 2015 in Haltern angekommen. Am Lorenkamp bezogen sie eine enge Flüchtlingsunterkunft. Erst ein gutes Jahr später kam der Vater nach. Abdelkarim ist gelernter Fliesenleger. Zurzeit besucht er Sprachkurse, seinen Führerschein hat er kürzlich schon bestanden. „Ich hoffe, dass ich hier schnell wieder arbeiten kann“, sagt er. „Ich weiß, dass ich dafür gute Deutschkenntnisse haben muss.“

Kinder gehen zur Schule

Auch der Vater ist dankbar. Für seine Kinder gibt es nun eine Zukunft. Sie können zur Schule gehen, in Syrien war das unmöglich. Die zwölfjährige Aynour besucht die Hauptschule, Ahmed die Marienschule und Youssef wechselt in diesem Sommer zur Realschule. Deutsch ist für alle drei kein Problem. In ihren Klassen haben sie viele Freunde gefunden.

Vermittlung

Paten nehmen Wohnungsangebote entgegen

Wohnungsvermieter, die eine Wohnung für die Familie Shabo anbieten wollen, können sich bei Margret und Reinhold Zihla, Telefon 0172 51 33 394 oder 02364 7007, melden. Die beiden Paten geben jede Information unmittelbar an die Familie Shabo weiter.

Seit Mai 2018 wohnt Familie Shabo neben dem Halterner Friedhof. Ihr Glück währte nur kurz. „Seit vielen Wochen nehmen wir Kontakt zu Vermietern auf und telefonieren viel“, erklärt Margret Zihla. Bisher blieb die Wohnungssuche ohne Erfolg. Bei fast jeder Anfrage bekomme sie Sätze zu hören wie „Drei Kinder, das geht ja gar nicht. Das ist uns zu laut.“ oder „Wir hatten schon genug Probleme mit Deutschen, Syrier kommen gar nicht infrage.“ Dabei sei die Familie so ordentlich und sauber. „Und die Kinder sind so gut erzogen“, gerät Margret Zihla ins Schwärmen.

Stadtnahe Wohnung für rund 1000 Euro Miete gesucht

Weil die Familie nun mit ihrem Problem an die Öffentlichkeit geht, erhofft sich die Halternerin neue Wohnungsangebote. Die Miete für die neue Unterkunft der Familie Shabo ist durch das Jobcenter gesichert - rund 1000 Euro (einschließlich Nebenkosten) werden ihr zugesprochen. Gesucht wird eine stadtnahe Wohnung. Denn ein Auto haben die Shabos nicht. Zur Schule, zum Supermarkt oder zum Arzt kommen sie zu Fuß oder mit dem Rad.

Der kleine Traum vom eigenen kleinen Garten

Manchmal auch mit dem Skateboard. Nicht nur der kleine Ahmed träumt auch von einem Garten, der zur Wohnung gehört. „Alle würden gerne bei der Gartenarbeit helfen“, sagt er. Ein Blick in die Runde beweist das. Alle Shabos nicken begeistert. In Syrien wohnte die Familie mit Oma und Opa in einem Haus. Im Garten wurde Gemüse angebaut. Auch eine Katze gab es. Aziza Shabo lächelt: „Eine Wohnung in Haltern mit einem kleinen Garten - das wäre so schön.“

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