Simon Rehli hofft, doch noch pünktlich nach Osnabrück zu kommen. © Lena Heckmann
Bahnstreik

„Ich habe keine Alternative“ – Kritik aus Haltern an der Deutschen Bahn

Die Auswirkungen des Bahnstreiks waren auch am Halterner Bahnhof zu spüren. Viele Pendler warteten am Dienstag vergeblich auf ihren Zug, äußerten aber Verständnis. Doch es gibt auch Kritik.

Dienstagmorgens um kurz vor acht am Halterner Bahnhof sollte man eigentlich mit einem regen Treiben rechnen. Doch vergangenem Dienstag fuhren aufgrund des Bahnstreiks nur wenige Züge zur Hauptpendelzeit ab. Es ist bereits der zweite Streik im laufenden Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der GDL, vor rund zwei Wochen ließ die Gewerkschaft schon einmal die Arbeit ruhen.

Wunsch nach besseren Informationen

Marion Wernicke, die seit über 20 Jahren mit der Bahn zur Arbeit pendelt, kommt selbst aus einer Eisenbahner-Familie. „Ich finde es richtig, dass gestreikt wird, und kann aus Sicht einer Arbeitnehmerin die Forderungen verstehen“, erläutert sie. Zwei Züge sind für sie bereits ausgefallen, sie hoffe nun, dass der dritte wie angekündigt fährt.

Trotz allem Verständnis wünscht sie sich eine Verbesserung: „Die Öffentlichkeitsarbeit zwischen Bahn und Pendlern ist nicht praktikabel, die Infos kommen teilweise nicht an.“ Nach so vielen Jahren Bahnpendeln könne sie Bücher füllen, wie sie sagt. Das Wichtigste dabei sei, dass man Geduld haben müsse.

Auch Simon Rehli kann die Streikenden verstehen: „Einmal im Jahr hat man irgendwo Verständnis. Die Zugfahrer können aber nichts dafür. Außerdem wäre eine frühere Info wünschenswert.“ Bereits seit zwei Stunden wartet der Angestellte auf eine Möglichkeit, nach Osnabrück zu kommen. Sein Arbeitgeber hat ihm zwischenzeitlich angeboten, für diesen Tag Urlaub zu nehmen. Er versucht trotzdem doch noch zur Arbeit zu gelangen. Für ihn sind Schwierigkeiten im Bahnverkehr aber nichts Neues. „Es ist eben die Deutsche Bahn,“ wie er resümiert.

Verständnis für die Forderungen

Altantuya Davaasuren hat heute einen wichtigen Tag. Erst vor Kurzem hat sie ihre Ausbildung zur Erzieherin begonnen und muss heute von Haltern nach Recklinghausen fahren. „Wir wollten heute den Tag auf dem Schulbauernhof verbringen. Da ist es mir wichtig, pünktlich zu sein,“ wie sie sagt. Als sie auf der Anzeige gesehen habe, dass der Zug ausfalle, habe sie sich zunächst erschrocken: „Ich habe von dem Streik nichts gewusst und habe keine Alternative.“ Dennoch hat auch sie Verständnis. „Da so viele Menschen davon ausgehen, dass es ungerecht ist, muss man das nachvollziehen.“

Falscher Zeitpunkt

Enrico Wolze wird heute wohl zwei Stunden zu spät zur Arbeit kommen, die er dann heute Abend nachholt. Für den Streik hält er den Zeitpunkt für falsch gewählt, wie er sagt: „Durch Corona ist sehr viel zum Erliegen gekommen und die Wirtschaft soll am Laufen gehalten werden. Da ist das Blödeste, was man jetzt machen kann.“ Der Arbeitnehmer pendelt jeden Tag von Haltern nach Recklinghausen.

Am Mittwoch (25. August) sollen die Züge wieder wie geplant fahren.

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