Geht in den Ruhestand: Kersten Blaschczok, Fachbereichsleiter Land- und Forwirtschaftlicher Betrieb beim RVR Ruhr-Grün. © Jürgen Woiter
Forsthof Haard

„Ich habe das nie bereut“ – Revierleiter Blaschczok geht in Ruhestand

30 Jahre war Kersten Blaschczok als Revierleiter beim RVR Ruhr Grün für die Haard zuständig. Jetzt geht er in den Ruhestand. Für den gebürtigen Niedersachsen ist Haltern zur Heimat geworden.

Als Kersten Blaschczok vor dreißig Jahren seinen damaligen Berufskollegen mitteilte, dass er sich auf eine Stelle beim damaligen Kommunalverband Ruhrgebiet (heute Regionalverband Ruhr, RVR) beworben hatte, schüttelten viele den Kopf. „‘Wie kann man nur ins Ruhrgebiet gehen‘, sagten damals viele“, erinnert sich der RVR-Förster. Er kam und blieb und sagt heute, an der Schwelle zum Ruhestand: „Ich habe es nie bereut.“

Kersten Blaschczok arbeitete damals bei der Forstwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsstation Baden-Württemberg in Freiburg. „Vom schönen Freiburg in den Ruhrpott, das konnten viele nicht begreifen“, sagt er.

Schon früh im Wald unterwegs

Blaschczok stammt aus Hildesheim. Die Liebe zum Wald wurde bei ihm früh geweckt. „Mein Vater war sehr forstaffin, außerdem grenzte unser Haus direkt an ein Waldgebiet. Dort war ich oft unterwegs“, erinnert er sich. Er studierte Forstwirtschaft in Freiburg und stieg, nach dem Zivildienst bei der Landesgeschäftsstelle des BUND, zunächst als Referendar in den Försterberuf ein.

Bei der Forschungsstelle in Freiburg erstellte Blaschczok dann ein Kataster von Wald-Biotopen in ganz Baden-Württemberg. „Ich war bis runter zum Bodensee unterwegs“, sagt er.

Die Aktionen am Holzkohlenmeiler hat Kersten Blaschczok (Mitte) zusammen mit seinem Kollegen Harald Klingebiel (r.) betreut und ausgeweitet.
Die Aktionen am Holzkohlenmeiler hat Kersten Blaschczok (Mitte) zusammen mit seinem Kollegen Harald Klingebiel (r.) betreut und ausgeweitet. © nas © nas

Bis er dem Ruf ins Ruhrgebiet folgte. Sein Vorstellungsgespräch am 11. 11. 1991 in Essen verlief erfolgreich und zum Januar 1992 trat er seine Stelle beim damaligen Kommunalverband Ruhrgebiet an. Heute ist er tätig als Fachbereichsleiter Land- und Forstwirtschaftlicher Betrieb beim RVR Ruhr Grün und zuständig für neun Reviere von Hamm bis an den Niederrhein. „Vieles hat sich seit damals verändert“, sagt Kersten Blaschczok. „Aber schon von Anfang an war unser Ziel, die Forstwirtschaft ökologisch umzubauen und den Anteil der Laubbäume in der Haard zu erhöhen.“

Verlierer des Klimawandels

Dass dies rückblickend eine gute Entscheidung war, zeigte sich spätestens mit dem Fichtensterben in den vergangenen drei Jahren. „Da betrug der Anteil der Fichte nur noch fünf Prozent am Gesamtbaumbestand in der Haard“, sagt Kersten Blaschczok. „Die Fichte ist ein eindeutiger Verlierer des Klimawandels. Hitze, Trockenheit und Borkenkäfer haben ihr extrem zugesetzt.“

Die Klimaveränderung erfordert auch weiterhin einen Umbau des Baumbestandes. Neue Baumarten werden in der Haard angesiedelt werden müssen, es soll kleinflächig gearbeitet werden, um großen Kahlschlag zu vermeiden. „Allerdings ist die Forstwirtschaft ein sehr langfristiges Geschäft“, sagt Kersten Blaschczok. „Was der Landwirt sät, kann er im selben Jahr ernten. Bäume, die wir pflanzen, werden erst in 100 oder 150 Jahren einen Ertrag bringen. Also lebt auch jeder Förster von dem, was seine Vorgänger getan haben.“

Die Haard hatte der Revierleiter immer besonders im Blick.
Die Haard hatte der Revierleiter immer besonders im Blick. © Bludau © Bludau

Kahlschlag hat Kersten Blaschczok aber bei einigen Naturkatastrophen erleben müssen. „Die Stürme Kyrill und Ela oder die Nass-Schneefälle haben regelrechte Schneisen der Verwüstung in der Haard hinterlassen. Das sieht man dann als Förster wirklich mit einem weinenden Auge“, sagt er. „Das macht sehr traurig.“

Die Ausbreitung einiger Insektenarten, das Anwachsen des Schwarzwildbestandes, auch das waren Themen, die den RVR-Förster immer wieder beschäftigt haben.

Auch die Waldbrandbekämpfung bzw. -prävention zählte zu seinen Aufgaben. „Zur Früherkennung gibt es heute drei Feuerwachtürme, die aber auch gern als Aussichtspunkte genutzt werden. Am Rand des Ruhrgebiets kommt der Haard auch eine große Bedeutung als Erholungsraum zu. Vor allem in der Coronazeit ist das noch einmal sehr deutlich geworden“, sagt Kersten Blaschczok.

Tourismus und Forstwirtschaft

Tourismus und Freizeitwert auf der einen, wirtschaftliche Nutzung des Waldes auf der anderen Seite: Das waren immer die Pole, die er in Einklang bringen musste. Und das wird immer schwieriger: Zunehmend sinkt in der Bevölkerung das Verständnis für Baumfällungen im Wald. „In Haltern weniger, aber in anderen Revieren, für die ich zuständig bin“, so Kersten Blaschczok. „Viele sind heute der Meinung, wir sollten den Wald doch einfach in Ruhe lassen. Der Wald ist zwar ein Erholungswald, aber einer, der wirtschaftlich genutzt wird.“

Kersten Blaschczok macht sich Sorgen über den Zustand des Waldes © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Nicht nur die Aufgaben, auch die Arbeitskleidung der Revierförster hat sich in den 30 Jahren, in denen Kersten Blaschzok in Haltern tätig war, geändert. „Als ich anfing, waren wir noch in Kniebundhosen unterwegs, mit Abzeichen auf dem Hemd und mit Krawatte. Ich wurde oft mit Polizisten verwechselt, das sah zum Teil fast militärisch aus“, sagt er. „Zum Glück können wir heute eine legerere und auch praktischere Dienstkleidung tragen.“

Markenzeichen: Rotes Auto im Wald

Zu seinem Markenzeichen – ganz unmilitärisch – ist sein rotes Auto geworden. „Ich war immer mit meinen Privatwagen unterwegs“, so Kersten Blaschczok. „Normalerweise sind die Forstfahrzeuge ja grün, das fiel natürlich auf.“

Offiziell endet die Dienstzeit des 63-Jährigen mit dem Jahresende 2021. Seinen letzten Arbeitstag hat er aber bereits Ende August. Resturlaube und Überstunden werden noch abgebaut.

Die Zeit, die er in Zukunft gewinnt, will der zweifache Familienvater mit einem neuen Hund verbringen, der gerade angeschafft wurde. Garten und Reisen mit seiner Frau stehen ebenfalls auf dem Programm. Als Mitglied des Rotary Clubs Marl kümmert er sich in Zukunft verstärkt um soziale Projekte. Und noch ein Hobby wartet: Seit 1988 hat Kersten Blaschczok Wahlplakate fotografiert. „Die möchte ich gern sichten und vielleicht auch digitalisieren“, sagt er.

Der Nachfolger von Kersten Blaschczok wird zum 1. Oktober seine Arbeit im Forsthof Haard aufnehmen. Er selbst wird mit seiner Familie in Haltern bleiben. „Manche wollen ja wieder zurück zu ihren Wurzeln, aber wir sind in Haltern heimisch geworden und wollen hier den neuen Lebensabschnitt gemeinsam genießen“, sagt er.

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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