Hobby, Ausbildung und Kunstflug: So geht es auf dem Flugplatz Borkenberge zu

dzVerkehrslandeplatz

Er liegt im Städtedreieck Haltern, Dülmen, Lüdinghausen. Viele Halterner nutzen ihn, andere ärgern sich über den Fluglärm. Zuletzt gab es eine Notlandung am Flugplatz Borkenberge.

Haltern

, 21.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Bundespolizei nutzt ihn für Ausbildungszwecke, Kunstflieger trainieren hier, er ist Flugplatz für Geschäftsleute und Reisende auf der Durchfahrt und nicht zuletzt Landesstützpunkt für Segelflug. Ganz besonders aber ist der offiziell als „Öffentlicher Verkehrslandeplatz“ titulierte Flugplatz Borkenberge zwischen Haltern, Dülmen und Lüdinghausen ein Mekka für flugbegeisterte Hobbyflieger aus der gesamten Region. Viele kommen aus der Seestadt.

Jürgen Hahne wünscht sich, „dass auch die Öffentlichkeit den Platz stärker wahrnimmt“. Hahne ist Vorstandsvorsitzender der Borkenberge-Gesellschaft, die den Verkehrslandeplatz betreibt. „Der Flugplatz hat einen hohen Freizeitwert“, sagt er. Auch eine private Flugschule und ein Café gehören dazu. Er wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für die wichtige Infrastruktureinrichtung. Positive natürlich.

Zuletzt hatte der Platz am Wochenende wegen einer Notlandung auf sich aufmerksam gemacht. Beim Start eines Segelflugzeugs war das Schleppseil gerissen. Eine Tragfläche des Fliegers riss bei der Notlandung ab, die Front wurde stark deformiert. Der Pilot kam mit einem Beinbruch, ein weiterer Insasse unverletzt davon. Derzeit wird in diesem Fall noch ermittelt.

Neun Vereine als Betreiber des Flugplatzes

Neun luftsporttreibende Vereine betreiben den Flugplatz seit 1951 als Borkenberge-Gesellschaft e.V. - das Modell ist einzigartig in Deutschland. Sie nennen sich Luftsportclub Borkenberge, LSC Marl oder Luftsportverein Dülmen. Doch die Städte-Zuordnungen sagen schon lange nichts mehr über die Herkunft ihrer Mitglieder aus.

So hat beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft Sportflug Bochum mit Frank Frenzel einen Halterner als Vorsitzenden. Der Einzugsbereich der Mitglieder ist eben groß. Rund 50 Motorflugzeuge, 14 Ultraleichtflugzeuge, vier Motorsegler und 64 Segelflugzeuge sind am Flugplatz Borkenberge stationiert. Etwa 400 Mitglieder, fast ausschließlich Männer, bewegen sie.

Fliegen ist wie eine Sucht

Auch Jürgen Hahne gehört dazu. Schon 1966 fing er mit der Segel- und Motor-Fliegerei an. „Wer einmal damit anfängt, hört nie wieder auf“, sagt er. Fliegen, das sei eine Sucht. „Ich habe fast mein ganzes Leben auf dem Flugplatz verbracht“, erklärt Hahne. Er ist Vorstandsvorsitzender „aus Begeisterung“, wie er sagt. Der Sprockhöveler ist Mitglied in der FSG Datteln Bork. Zusammen mit zwei weiteren Vorstandskollegen führt er die Geschäfte. Ehrenamtlich.

Hobby, Ausbildung und Kunstflug: So geht es auf dem Flugplatz Borkenberge zu

Blick auf das Rollfeld des Flugplatzes Borkenberge - im Bild links der Tower. © Ingrid Wielens

Auch die anderen Mitglieder, die dafür sorgen, dass der Flugplatz Borkenberge das ganze Jahr über geöffnet ist, haben sich dem Ehrenamt verschrieben. „Der Kontrollturm muss jeden Tag besetzt sein, egal welches Wetter herrscht“, betont Hahne. „Jeden Tag von 10 bis Sonnenuntergang, an Wochenenden sogar ab 9 Uhr.“

Geschlossen ist der Platz lediglich zwischen Weihnachten und Neujahr. Auch das 70 Hektar große Areal will jeden Tag gepflegt werden. Jürgen Hahne lobt den großartigen Einsatz der Mitglieder. Zumindest einen „Hungerlohn“ sollten sie dafür bekommen, meint er. Und so wird für den stundenlangen Einsatz wenigstens ein Mindestlohn gezahlt.

Kontrolle im Tower

Horst Potthoff ist ebenfalls ehrenamtlicher Mitarbeiter und natürlich Vereinsmitglied. Der 73 Jahre alte Fluglehrer sitzt entweder im Tower oder bildet den Nachwuchs aus. In Praxis und Theorie. Rund 20 Flugstunden plus 100 Stunden Theorie pro Flugschüler. „Das ist alles sehr zeitintensiv. Das muss der Partner absegnen, sonst hält das keine Partnerschaft aus“, weiß er aus Erfahrung.

Hobby, Ausbildung und Kunstflug: So geht es auf dem Flugplatz Borkenberge zu

Ein Motorflieger landet auf dem Flugplatz Borkenberge. © Ingrid Wielens

Ein Flieger aus Stadtlohn nähert sich dem Flugplatz. Noch ist er nicht zu sehen. „Alpha, Bravo, Charlie, Delta“ - hier im Turm gilt das Nato-Alphabet, als der Pilot um Landeerlaubnis auf der 875 Meter langen Bahn bittet. „Wind aus 220 Grad mit acht Knoten“ - Horst Potthoff versorgt die Ankommenden mit Informationen über Windgeschwindigkeit und -richtung. Obendrauf gibt‘s einen freundlichen Gruß. Bei gutem Wetter werden an einem Tag 60 bis 80 Starts und Landungen gezählt, bei schlechtem eher 10.

Fluglärm ärgert Sythener und Hullerner

Heute ist das Wetter durchwachsen, Horst Potthoff hat Zeit. Zeit für Geschichten über den Flughafen. Über die Bundespolizei, die ihren Auszubildenden hier das Fliegen eines Helikopters beibringt. Über das Kunstflieger-Ehepaar Heike und Heiner Sauels, das bei den Deutschen Meisterschaften regelmäßig erfolgreich ist. „Nicht alle Menschen sind davon begeistert“, weiß Vorsitzender Jürgen Hahne. Der gesamte Flugplatz stehe aber hinter seinen Kunstfliegern.

Hobby, Ausbildung und Kunstflug: So geht es auf dem Flugplatz Borkenberge zu

Ein Flughafen-Café und eine Flugschule befinden sich ebenfalls auf dem Gelände des Flugplatzes Borkenberge. © Ingrid Wielens

Über den mit dem Training einhergehenden Fluglärm beschweren sich Hullerner, Sythener und Dülmener Bürger immer wieder. Hahne beruhigt: „Die beiden legen sich erhebliche Selbstbeschränkungen auf“, sagt er. „Sie fliegen nur morgens.“ Die Bezirksregierung Münster habe diese sportlichen Tätigkeiten genehmigt.

„Flugplatz in den Fokus rücken“

Mehr Werbung für den Flugplatz und seinen hohen Freizeitwert möchte übrigens auch der Bürgermeister der Stadt Lüdinghausen, Richard Borgmann, machen. Schon bald wolle er dazu Gespräche mit der Dülmener Amtskollegin Lisa Stremlau und dem Halterner Stadtoberhaupt Bodo Klimpel führen, gab er kürzlich bekannt.

Schließlich könne man im südmünsterländischen Städtedreieck Haltern, Lüdinghausen, Dülmen gemeinsam überlegen, „wie wir den Flugplatz mehr in den Fokus der breiten Öffentlichkeit rücken können“.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Notlandung

Zwei Verletzte bei Notlandung am Flugplatz Borkenberge

Ein Flugzeugabsturz konnte am Samstag am Flugplatz Borkenberge noch gerade vermieden werden. Bei der Notlandung allerdings wurde ein Segelflugzeug zerstört. Es gab zwei Verletzte. Von Kevin Kindel

Lesen Sie jetzt