Herzkranke Halternerin zum Coronavirus: „Eine Ansteckung würde ich nicht überleben“

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Das Coronavirus verändert gerade unseren Alltag und fordert sogar manches Opfer. Wir stellen eine Halternerin vor, für die unsere Solidarität jetzt wichtig ist.

Haltern

, 18.03.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch scheint nicht in allen Köpfen angekommen zu sein, wie Ernst die Lage wegen der Ausbreitung des Coronavirus ist. In Haltern zeigten das die gut besuchten Lokale sowie Spiel- und Bolzplätze in den letzten Tagen.

Doris Truszkowski aus Haltern sitzt dagegen schon eine ganze Weile zu Hause und hat alle sozialen Kontakte gekappt. Die Halternerin leidet an einer chronischen Herzerkrankung und an asthmatischer Bronchitis. Deshalb zählt sie zur sogenannten Risikogruppe, die das Coronavirus ernsthaft bedroht. Die 65-Jährige ist ein Beispiel dafür, warum wir alle uns solidarisch verhalten und unsere Außenkontakte so weit wie möglich herunterfahren sollten.

Jetzt ist von jedem Bürger ein Umdenken erforderlich

„Für mich ist die Lungenkrankheit lebensgefährlich“, sagt Doris Truszkowski. Seit 13 Jahren ist ihre Herzleistung eingeschränkt, zurzeit beträgt sie 35 Prozent. Zusätzlich hat sich die chronische Bronchitis eingestellt. „Obwohl ich nie geraucht habe“, seufzt die Halternerin.

Coronavirus und Risikogruppen

Welche Menschen sind besonders gefährdet?

Das Risiko für einen schweren Verlauf ist für bestimmte Personengruppen höher. Unter die Risikogruppen fallen
  • ältere Personen (mit stetig steigendem Risiko für schweren Verlauf ab etwa 50 bis 60 Jahren) sowie
  • Raucherinnen und Raucher.
Auch bei Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen kommt es eher zu einem schweren Verlauf. Darunter fallen Personen
  • mit Erkrankungen des Herzens (zum Beispiel koronare Herzerkrankung),
  • mit Erkrankungen der Lunge (zum Beispiel Asthma, chronische Bronchitis),
  • mit chronischen Lebererkrankungen,
  • mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit),
  • mit einer Krebserkrankung sowie
  • mit geschwächtem Immunsystem (zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch die Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, bedingt wird - darunter Cortison).

Ihr Hausarzt hat sie auf absolute Vorsicht im Alltag eingestimmt: „Eine Infektion mit dem Coronavirus würden Sie nicht überleben.“ Ganz allein hat Doris Truszkowski vor wenigen Tagen im Wartezimmer der Praxis auf ihren Termin gewartet.

„Es war gespenstisch“, schildert Doris Truszkowski die Situation. Als sie danach die vollen Eisdielen und anderen Lokale am Halterner Marktplatz gesehen hat, war sie getroffen. „Die Leute haben sich so verhalten, als sei nichts geschehen. Ich habe das nicht verstanden“, sagt sie.

Gesunde müssen solidarisch handeln

Die jungen und gesunden Menschen müssten sich natürlich weniger Sorgen über eine Ansteckung mit dem Coronavirus machen. Die Alten und chronisch Kranken würden dabei aber vergessen, denn die Ansteckungsgefahr steige mit jedem neuen Infizierten.

Eigentlich ist Doris Truszkowski ein lebensbejahender Mensch. Trotz ihrer Erkrankungen hat sie viele Kontakte und Aktivitäten gepflegt, ist sogar zum Sport gegangen. Von ihren Leiden hat sie sich nicht in die Knie zwingen lassen. „Aber jetzt habe ich Angst“, berichtet sie niedergeschlagen. Nicht einmal mehr ihre Nichten kann sie umarmen, die sonst fast täglich zu Besuch waren. Jetzt bleibt nur der Austausch via Skype.

Das Ehepaar hat alle Sozialkontakte gekappt

„Zum Glück habe ich noch meinen Mann Hans. So bin ich zu Hause nicht ganz allein“, sagt sie. Dieser meidet ebenfalls seit einiger Zeit alle Sozialkontakte, um seine Frau zu schützen. Nur noch zum Einkaufen geht er vor die Tür.

In diesen Tagen wird das erste Enkelkind des Ehepaares erwartet. „Ich habe mich schon darauf eingestellt, es erst einmal nicht in den Arm nehmen zu können“, erklärt Doris Truszkowski mit brüchiger Stimme.

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