Heilerziehungspflegerin entwickelt „kleines Buch mit großer Wirkung“

LWL-Wohnverbund

Was können wir tun, wenn Menschen, mit denen wir kommunizieren, das Gesagte nicht verstehen? Mit dieser Frage hat sich Heilerziehungspflegerin Nina Dosedal etwas genauer beschäftigt.

Haltern, Marl

22.02.2021, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Idee zu ihrem Buch kam Heilerziehungspflegerin Nina Dosedal im Rahmen der Abschlussarbeit für Ihre Berufsausbildung

Die Idee zu ihrem Buch kam Heilerziehungspflegerin Nina Dosedal im Rahmen der Abschlussarbeit für Ihre Berufsausbildung © LWL

Sich mitteilen zu können und auch verstanden zu werden, das ist ein menschliches Grundbedürfnis. Doch manchen Menschen fällt das schwer, so wie auch Heike Schwarz (Name geändert), Bewohnerin des Wohnverbundes des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zwischen Haltern und Marl. Das frustrierte die 45-Jährige nicht nur, sondern machte sie auch traurig.

Heike Schwarz verfügt aufgrund ihrer Behinderung nur über einen minimalen Wortschatz. Sie bildet höchstens Drei-Wort-Sätze. Auch ihre Aussprache ist nur schwer zu verstehen. Mit einem speziell entwickelten Kommunikationsbuch gibt Heilerziehungspflegerin Nina Dosedal der Bewohnerin die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse zu äußern.

Buch hilft, Bedürfnisse zu erkennen

In diesem kleinen roten Buch sind unter anderem Fotos von verschiedenen Stationen in Heike Schwarz‘ Tagesablauf befestigt. So steht an erster Stelle das Foto der Dusche, dann kommt ein Bild eines Frühstücktellers, des Mittagessens und so weiter. Denn: Zeitlich kann die Bewohnerin sich nicht orientieren. Sie weiß nur, welche Aktivitäten aufeinander folgen.

„Wenn zu viel Zeit zwischen den einzelnen Punkten vergeht, vergisst Heike schnell, was sie schon gemacht hat und wird unruhig“, erklärt Nina Dosedal, „dann gehe ich mit ihr die einzelnen Bilder durch und sie erkennt, an welcher Stelle des Tages sie sich gerade befindet und was noch ansteht.“

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Aber das Buch kann noch viel mehr: Es hilft, Heikes Bedürfnisse zu erkennen. Deshalb finden sich dort unter anderem weitere Fotos aus dem Alltag, wie ein Fön, ihrer Jacken und unterschiedliche Getränke. „Immer, wenn ich mir nicht sicher bin, was Heike im Moment möchte, hole ich das Buch und wir gehen gemeinsam die Bilder durch. Wenn ich auf ein bestimmtes Foto zeige, merke ich an ihrer Reaktion, worum es gerade geht.“

Das sei eine Erleichterung, nicht nur für sie, sondern auch für das Team, freut sich Nina Dosedal. „Wir bemerken deutlich, dass Heike weniger unruhig und viel zufriedener geworden ist. Das wirkt sich natürlich auch positiv auf unsere Beziehung aus.“

Im Rahmen der Abschlussarbeit für Ihre Berufsausbildung

Ein halbes Jahr haben die beiden gebraucht, um sich mit dem Kommunikationsbuch zu verständigen. Jeden Tag wurde ein wenig geübt, und das bleibt auch so. Denn sonst würde Heike Schwarz das Erlernte womöglich wieder vergessen. Und es sollen noch weitere Bilder hinzukommen.

Die Idee zu diesem Buch kam der Heilerziehungspflegerin im Rahmen der Abschlussarbeit für Ihre Berufsausbildung. In diesem Zuge sollte ein nutzbringendes Projekt für die eigene Einrichtung entwickelt werden. Nina Dosedal arbeitet in der Wohngruppe 4C, einer Gruppe für Menschen mit einer körperlich und geistigen Behinderung, die einen hohen Pflegebedarf haben.

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Hier ein pädagogisches Projekt zu entwickeln, schien nur auf den ersten Blick wenig aussichtsreich. Doch die 23-Jährige ließ sich nicht beirren und bekam tatkräftige Unterstützung von Ihrem Team und Ihrem Wohngruppenleiter Giordano Guarino.

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