Harte Strafe für den Brandstifter von Haltern

dzLandgericht Essen

Das Urteil lautet auf dreifachen Mordversuch. Die Strafe wird den Angeklagten hart treffen. Er wollte eigentlich heiraten und eine richtiger Vater werden.

Haltern/Essen

, 07.06.2019, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer nächtlichen Brandstiftung ist ein 24-jähriger Mann aus Haltern am Freitag zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Der Angeklagte hatte im Oktober 2018 eine Haustür angezündet. Das Essener Schwurgericht wertete die Tat als Mordversuch.

„Wir haben überhaupt keine Zweifel, dass der Angeklagte die Tür angezündet hat, um das Haus komplett in Brand zu setzen“, sagte Richter Jörg Schmitt bei der Urteilsverkündung. „Das war ein völlig törichter und dummer Ausbruch.“ Der 24-Jährige habe den Tod von drei Menschen in Kauf genommen. Weil er überhaupt nicht gewusst habe, wie sich der Brand entwickeln werde.

Fußmatte mit Feuerzeugbenzin getränkt

Es war die Nacht auf den 27. Oktober 2018, gegen halb zwei, als der Angeklagte an dem Mehrfamilienhaus an der Recklinghäuser Straße aufgetaucht ist. Er tränkte die Fußmatte mit Feuerzeugbenzin, verteilte den Rest auf Haustür und Wänden. Dann legte er Feuer, schlug schließlich auch noch das kleine Fenster in der Haustür ein. Weil er laut Urteil wollte, dass Rauch und Flammen so schnell wie möglich den Hausflur erreichen. All das ist auf dem Film einer Überwachungskamera zu sehen, die der Angeklagte nicht bemerkt hat.

Die über 80-jährigen Bewohner im Obergeschoss verdanken ihr Leben wahrscheinlich nur dem Rauchmelder, der über der Treppe installiert war. Sie hatten trotzdem per Drehleiter aus ihrer Wohnung gerettet werden müssen. „Für sie war das eine ganz schlimme Situation“, so Schmitt. „Wenn es den Rauchmelder nicht gegeben hätte, wären sie vielleicht sogar verstorben.“

Baby-Tochter zweimal im Gefängnis gesehen

Der heute 24-Jährige war damals mit seiner Freundin zusammengezogen, mit der er eine erst wenige Wochen alte Tochter hat. Das Baby ist geboren worden, als er schon im Gefängnis saß. Zweimal hat er es bislang gesehen. Eigentlich wollte er seine Partnerin demnächst im Gefängnis heiraten. Mit einer derart langen Haftstrafe hatte er aber wohl nicht gerechnet.

Der Angeklagte war schon im Babyalter zu einer Pflegefamilie gekommen. Seine drogensüchtigen Eltern hatten ihn geprügelt, vernachlässigt und halb verhungern lassen. Was folgten, waren Heimaufenthalte und sogar eine Sondermaßnahme in Russland. „Wir wissen, dass Sie keine einfache Kindheit hatten“, hieß es im Urteil. „Aber Ihre Lebensgeschichte ist keine Entschuldigung.“ Der Angeklagte solle die Haftzeit nun nutzen, über sein Leben nachzudenken.

Der 24-Jährige hatte in dem Haus den Ex-Freund seiner Partnerin vermutet, auf den er sauer war. Tatsächlich hatten dort jedoch nur dessen Großeltern und die Hausbesitzerin gewohnt.

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