Hannes Müller: „Signal für Aufbruch und frische Politik in Haltern“

dzErstes grünes Direktmandat

Das war die Sensation bei der Kommunalwahl 2020: Dr. Hannes Müller holte zum ersten Mal für seine Partei Bündnis 90/Die Grünen ein Direktmandat. Fünf Stimmen Vorsprung reichten.

Haltern

, 17.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Grünen erlebten landesweit bei den Kommunalwahlen Höhenflüge. In Haltern auch. Dr. Hannes Müller, der zum ersten Mal für den Rat der Stadt Haltern kandidierte, schnappte dem CDU-Kandidaten Ulrich Hatkemper den Wahlbezirk 9 (Paul-Gerhardt-Haus/Innenstadt) mit fünf Stimmen Vorsprung weg. Das hatte vor ihm noch keine Parteifreundin beziehungsweise Parteifreund geschafft. Niemals zuvor hatten die Grünen ein Direktmandat gewonnen. Der Apotheker Dr. Müller errang 34,77 Prozent der Stimmen und verbesserte das Grünen-Ergebnis von 2014 in diesem Wahlbezirk um 16,5 Prozent.

Wir sprachen mit Dr. Hannes Müller über den besonderen Tag und über seine neue Verantwortung.

Welche Chancen haben Sie sich für die Kommunalwahl ausgerechnet? Ich habe auf ein gutes Ergebnis gehofft, da ich in der Wahlkampfzeit viel im Gespräch mit den Bürger*innen meines Wahlbezirks war und den Eindruck hatte, dass ich viel Unterstützung genieße. Dass es am Ende allerdings so gut wird, hat mich dann doch freudig überrascht.

Welche Verpflichtungen leiten Sie aus dem sensationellen Wahlergebnis ab? Da ich das erste Mal angetreten bin, sehe ich das Ergebnis als „Vorschusslorbeeren“ für eine gute Arbeit im Sinne der Bürgerinnen und Bürger meines Wahlbezirks an. Meine Wahl sehe ich als klares Statement, dass ein „Weiter so“ nicht gewollt ist. Diese Aufbruchstimmung möchte ich gerne in den Rat transportieren.

Welche Themen sind Ihnen wichtig, die Sie im Rathaus platzieren wollen? Besonders wichtig ist mir die Nachhaltigkeit. Dies betrifft nicht nur die Umwelt und das Klima, sondern auch die städtischen Finanzen. Es ist wichtig, dass uns die schnelle Transformation in eine nachhaltiger lebende Gesellschaft gelingt, ohne dabei die Kassen auf Kosten kommender Generationen zu strapazieren.

Sehen Sie Ihre Rolle als Grünen-Politiker eher in der Opposition? Oder ist es Ihnen lieber, Kommunalpolitik im Konsens zu gestalten? Weder noch. Ich bin angetreten, um Politik zu gestalten. Dabei werde ich aber nicht meine Prinzipien verraten. Ich finde es daher wichtig, Politik sachbezogen anzugehen. Es ist mir dabei egal, von welcher Partei ein Antrag stammt – solange er gut und unterstützenswert ist. Ich sehe da keine Barrieren und Denkverbote und wünsche mir das auch von den anderen Parteien.

Was hat Sie in die Politik geführt und was zu den Grünen? Mich hat die zunehmende rechtsnationale Tendenz der vergangenen Wahlen alarmiert. Für mich ist unsere freiheitliche demokratische Grundordnung das Wertvollste, das wir in unserer Gesellschaft haben. Dass ich nun als direkt gewählter Volksvertreter aktiv daran mitwirken kann, macht mich umso stolzer. Ich engagiere mich bei den Grünen, weil ich das Gefühl habe, dass die anderen Parteien den Zeitdruck bei der Klimakrise und die Notwendigkeit eines Umsteuerns bis heute nicht verstanden haben oder aus Angst um eine Wiederwahl verdrängen. Dieses zentrale Thema muss endlich konsequent angegangen werden.

Wären mit diesem Wahlsieg besondere Aufgaben in der Fraktion für Sie denkbar? Bei uns hat es bei dieser Wahl einen grundlegenden Generationswechsel gegeben. Viele Aufgaben müssen neu verteilt werden. Wir haben uns von Anfang an als buntes Team gesehen, in dem jeder Verantwortung übernehmen soll und muss und daher nicht einzelne Personen hervorgehoben. Zudem ist es immer schlecht in einer Demokratie Posten zu verteilen, bevor Personen gewählt sind. Ich bitte daher noch um etwas Geduld, was unsere zukünftige Aufstellung angeht.


Glauben Sie, dass Ihr Wahlerfolg auch etwas mit der Diskussion über die Baupolitik in Haltern zu tun hat? Ihr Walhbezirk liegt im Bereich Dahlienstraße. Dieses Thema war in meinem Wahlbezirk, der durch viele junge Familien und Eigenheime geprägt ist, sehr wichtig. Der ländliche Charakter Halterns als „grüne Lunge“ des Ruhrgebiets ist vielen sehr wichtig. Bei vielen Anwohner*innen herrscht der Eindruck vor, dass die bisherige Baupolitik primär die Belange von Investoren und Bauträgern und nicht die der Anwohner*innen berücksichtigt. Wir Grünen stehen hingegen für eine Verdichtung mit Augenmaß unter Beachtung ortstypischer Besonderheiten als oberstes Entscheidungskriterium. Das hat sicher auch einen Einfluss auf die Wahlentscheidung gehabt.

War es die richtige Entscheidung der Grünen, die langjährigen Grünen-Politiker als „Stimmenfänger“ einzusetzen, obwohl sie nicht mehr aktiv im Rat oder in Ausschüssen vertreten sein wollen? Dieser Unterstellung möchte ich entschieden widersprechen. Ich glaube in unserem Wahlkampf konnte jeder sehen, wie engagiert und motiviert sowohl die „alten Hasen“ als auch die neuen Kandidaten für unsere Ideen gekämpft haben. Jeder Kandidierende hätte sein Amt im Falle einer Direktwahl auch angetreten. Dass auf unseren vorderen Listenplätzen hingegen sehr viele neue Gesichter sind, ist doch ein tolles Signal für einen Aufbruch und eine frische Politik!

Zur Person

Dr. Hannes Müller (33) stammt aus Wagenfeld. Er studierte in Münster Pharmazie und schloss sein Studium mit der Promotion ab. Für seinen Berufsstand engagierte er sich bereits im Bundesverband der Pharmaziestudierenden. 2014 wurde er als Doktorand in den Vorstand der Apothekerkammer Westfalen-Lippe gewählt. Seit Kurzem ist er jüngstes Mitglied des fünfköpfigen Vorstands der Bundesapothekerkammer. Er leitet die Römer-Apotheke, die eine Filiale der Bärenapotheke in Haltern ist. Chef von Hannes Müller ist Dr. Dirk Schulte-Mecklenbeck. In seiner Freizeit fährt er gerne Rad und hält sich am liebsten am See oder in der Innenstadt auf, außerdem hat er Spaß am Kochen.
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