Halterns Plattdeutsche Bühnen ändern ihre Drehbücher für 2021

Wegen Corona

Normalerweise hätten die Laiendarsteller jetzt mit ihren Proben begonnen. Doch die Zeiten sind nicht normal. Wegen Corona mussten die Halterner Laiendarsteller neue Entscheidungen treffen.

Haltern

, 05.09.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Während Sturmtief Viktoria über Haltern hinwegfegte, gab es im Februar 2020 für die Plattdeutsche Bühne Haltern Beifallsstürme. Die Campingplatz-Komödie „De Bankürwerfall“ wird vorerst nicht getoppt.

Während Sturmtief Viktoria über Haltern hinwegfegte, gab es im Februar 2020 für die Plattdeutsche Bühne Haltern Beifallsstürme. Die Campingplatz-Komödie „De Bankürwerfall“ wird vorerst nicht getoppt. © Elisabeth Schrief

Der September ist der Monat, in dem die plattdeutschen Theaterbühnen nach einer langen Sommerpause eigentlich ihre Proben wieder aufnehmen. Doch die Laiendarsteller bleiben zu Hause. Sowohl die Plattdeutsche Bühne Haltern als auch die Plattdeutsche Theatergruppe Lippramsdorf haben ihre für Anfang 2021 geplanten Aufführungen abgesagt.

„Angesichts der Corona-Pandemie macht das alles keinen Sinn“, stellt Bernd Oeldemann, Mitglied der Lippramsdorfer Schauspieltruppe, nüchtern fest. Es mache keinen Spaß, vor fast leeren Rängen aufzutreten und mit dem Erlös vielleicht nicht einmal die Kosten decken, geschweige denn, etwas für den guten Zweck spenden zu können. „Aufführungen zu Corona-Zeiten sind die Mühe nicht wert“, sagt er.

Ein Spiel ohne Nähe und Emotionen

Die Lippramsdorfer spielen gewöhnlich auf der Bühne im katholischen Pfarrheim, die Halterner auf der Bühne in der Schulzentrums-Aula. Die einen könnten gerade einmal 50 Zuschauer zulassen, die anderen maximal 100. Willi Deckling, Vorsitzender der Plattdeutschen Bühne Haltern, hat zusammen mit seinem Vorstandsteam beschlossen, nicht zu spielen. Das Stück war bereits ausgesucht, 14 Akteure ausgeguckt. Doch so viele Schauspieler dürften sich auf der Bühne gar nicht nahe kommen. „Sie könnten allenfalls den Text erzählen, aber nicht im temporeichen Spiel, emotionsgeladen in die Rollen eintauchen.“

Die Ehrenamtlichen sehen zudem ein großes Problem in den Hygieneregeln. Diesen Aufwand könnten sie nicht stemmen, sagen sie übereinstimmend. Sie sind auch sicher, dass das ältere Stammpublikum erst gar nicht kommen würde. „Die Absage fällt uns dennoch richtig schwer“, sagen Willi Deckling und sein Team. Es ist das zweite Mal in der Geschichte seit Gründung 1988, dass das Theaterspiel ausfällt. Einmal mussten kurzfristig alle Termine abgesetzt werden, weil ein Akteur mit Hauptrolle kurz vor dem Start der kurzen Theatersaison seinen Abgang verkündete. Eine Neubesetzung der Rolle war nicht mehr möglich. Und nun: Corona.

Absage tut den Laiendarstellern sehr leid

In Lippramsdorf hatten die Verantwortlichen Marlies Robert und Josef Oeldemann das neue Stück noch nicht ausgewählt. Unter normalen Umständen geschieht das vor den Sommerferien, danach starten Sprechproben und erstes Bühnenspiel. „Die vielen Unwägbarkeiten in dieser Corona-Zeit haben rechtzeitig zu der Entscheidung geführt, abzusagen. Das tut uns sehr leid“, bedauert Bernd Oeldemann.

Die Theatergruppe des Heimatvereins Sythen hatte vor, dieses Jahr im November mit einem neuen Stück auf die Bühne zu treten. Die Pläne sind verworfen worden. Dazu sagt Christine Schmalöer: „Wir haben uns aber schon zeitig mit dem Vorstand des Heimatvereins geeinigt, dieses Jahr wegen Corona nicht zu spielen.“

Wie es nächstes Jahr aussieht? „Vorhang zu, alle Fragen offen“, pflegte der einflussreiche, 2013 verstorbene Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki nach seinen Büchersendungen zu sagen. Passt!

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