Halternerin befürchtet in Corona-Krise ein „großes Reisebüro-Sterben“

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Urlaub machen kann und will derzeit niemand. Die Inhaberin eines Halterner Reisebüros berichtet von ihrem aktuellen Arbeitsalltag - in Zeiten, in denen Reisen storniert statt gebucht werden.

Haltern

, 05.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook im vergangenen September fing alles an. Die Reisebüros verzeichneten enorme Umsatzeinbußen und Verluste. Beantragte Soforthilfen seien nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“ gewesen, sagt Angelika Schmäing. Kurz darauf kommt jetzt die Corona-Krise. „Wir befinden uns in einer sehr schwierigen Situation“, macht die Inhaberin des Reisebüros Haltern deutlich.

Reisen werden derzeit nicht gebucht

Gebucht wird in diesen Tagen überhaupt keine Reise mehr. Das verwundert auch die Reisekauffrau nicht. „Niemand weiß, wie lange sich diese Pandemie hinziehen wird“, sagt sie. Und wie danach die finanzielle Situation sei. „Die Bürger sorgen sich, ob sie in Kurzarbeit gehen müssen oder gar ihren Job verlieren“, weiß sie.

Und die vielen Menschen, die sich jetzt schon in Kurzarbeit befänden, wüssten heute noch nicht, ob sie sich morgen noch eine Reise leisten könnten. Oder überhaupt noch Urlaubsansprüche hätten, weil sie ihren Urlaub jetzt für die Betreuung ihrer Kinder nehmen müssten.

Reiseveranstalter kündigten Verträge bis Ende April

Die Corona-Pandemie stellt das Geschäft der Reisebranche auf den Kopf. Angelika Schmäing und ihre beiden Kolleginnen, die nur noch stundenweise arbeiten, sind derzeit ausschließlich mit der Abwicklung von Pauschalreisen beschäftigt. Ein Großteil war für die Osterferien gebucht. Sämtliche Reiseveranstalter haben ihre Verträge bis Ende April gekündigt.

Nun wollen die Kunden ihr Geld zurück. „Die Deutschen haben einen Anspruch auf Erstattung des Reisepreises“, erklärt Schmäing. Für die Beschäftigten in den Reisebüros bedeutet das: Noch einmal bereits abgeschlossene Verträge bearbeiten. Bezahlt wird das nicht. Die bereits gezahlten Provisionen der Veranstalter müssen überdies zurückgezahlt werden. Angelika Schmäing befürchtet „ein riesiges Reisebüro-Sterben“.

Warten auf die Normalität

Alles hinge nun davon ab, wann das Reisen wieder möglich sei. „Wir hoffen, dass das Reisen innerhalb Deutschlands ab Mai wieder möglich ist“, sagt sie. Bis man wieder das Ausland bereisen könne, werde es wohl noch einige Monate länger dauern. Bis Ende 2020/Anfang 2021 schließlich hofft die Reisebüro-Inhaberin, „dass alles wieder so läuft, wie wir es kannten“.

Auch, wenn in diesen Wochen kein Geld verdient wird, denkt Angelika Schmäing über Kündigungen nicht nach. Einige Monate Durststrecke kann sie überstehen, da ist sich die Halternerin sicher.

Möglichkeiten der Hilfe

Wie aber kann den Reisebüros und auch den Reiseveranstaltern derzeit geholfen werden? „Eine Umbuchung der Reise könnte eine Hilfe sein“, erklärt Angelika Schmäing. Auch Reise-Gutscheine, die man sich für die stornierte Reise oder generell ausstellen lasse, könnten eine Lösung sein. Auf diese Weise wäre die Branche nicht nur verpflichtet, bei ausbleibenden Einnahmen nur zurückzahlen zu müssen.

Andererseits könne es aber auch zu Liquiditätsengpässen bei den Veranstaltern kommen, räumt Schmäing ein. Wenn dann plötzlich Insolvenzgefahr bestehe, könne ein Gutschein zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise gar nicht mehr eingelöst werden. Dass Kunden daher grundsätzlich eine Rückzahlung bevorzugen, kann die Reise-Expertin gut verstehen.

Für die Zukunft, die Zeit nach der Corona-Krise, wünscht sich Angelika Schmäing mehr Unterstützung der Reisebüros vor Ort durch die Bürger. „Viele Menschen buchen ihren Urlaub online“, sagt sie. Dabei seien die Reisebüros gar nicht teurer.

Diese Rechte haben Reisende in Corona-Zeiten

Reiserücktritt, Stornierung, Umbuchung - zu den Rechten von Reisenden informiert der ADAC wie folgt:
  • Eine Reiserücktrittsversicherung greift, wenn die gebuchte Reise aus einem versicherten Grund nicht angetreten werden kann. Das kann eine unerwartete schwere Erkrankung sein. Ein ärztliches Attest ist hier erforderlich. In diesem Fall werden die vertraglich geschuldeten Stornokosten übernommen. Vorausgesetzt, die Versicherung wurde vor der Erkrankung abgeschlossen.
  • Achtung: Viele Reiserücktrittsversicherungen enthalten Klauseln, die Krankheiten, die von der WHO als Pandemie eingestuft werden, vom Versicherungsschutz ausschließen. Am 11. März wurde Covid-19 als Pandemie eingestuft. Bei einer Erkrankung am Coronavirus nach dem 11. März 2020 ist bei Versicherungen, die eine solche Klausel enthalten, daher kein versicherter Rücktrittsgrund mehr gegeben.
  • Aktuell gilt in Deutschland eine weltweite Reisewarnung bis Ende April. Pauschalreisen, die bis zu diesem Zeitpunkt starten sollen, können sowohl vom Reisenden als auch vom Veranstalter kostenfrei storniert werden. Bereits erfolgte (An-) Zahlungen sind vom Veranstalter zurückzuerstatten.
  • Reisen ab Mai, bei denen unklar ist, ob die Reisewarnung bzw. die außergewöhnlichen Umstände dann noch bestehen, kann der Reisende (noch) nicht kostenfrei stornieren. Hier empfiehlt es sich, die weitere Entwicklung der Lage abzuwarten.
  • Bei Kreuzfahrten gelten die Regeln für Pauschalreisen.
  • Individualreisende können bereits getätigte (An-)Zahlungen zurückfordern, wenn der Anbieter die Leistung (z.B. den Flug oder die Übernachtung) absagt. oder die Einzelleistung nicht erfüllen kann. Das wäre zum Beispiel denkbar, wenn das gebuchte Hotel in einer Region liegt, für welche die Behörden ein generelles Einreiseverbot ausgesprochen haben oder der Flughafen nicht angeflogen werden kann.
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