Halterner zu E-Ladesäulen: „Wenn jeder Zweite ein E-Auto fährt, dann muss mehr passieren“

dzE-Autos

Die Stadtwerke rüsten mit 15 Wechselstrom-Ladesäulen die E-Auto-Infrastruktur auf. Wir haben mit einem E-Auto-Fahrer gesprochen, wie er die Versorgung in Haltern findet.

Haltern

, 06.07.2019, 05:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

55 Elektroautos gibt es derzeit in Haltern, heißt es vom Kreis Recklinghausen. „Drei davon besitzen wohl wir“, sagt der Halterner Jürgen Konrad und muss ein bisschen lachen. Die Familie ist seit vier Jahren vom Elektroantrieb überzeugt. Damals hatten sich die Halterner für einen Tesla P 85 Model S entschieden. Danach folgten ein Renault Zoe, ein Transporter Saic Maxus EV 80, ein Elektromotorrad Zero DS und ein Elektroroller.

„Ich habe nach Alternativen gesucht. Ich wollte günstig Autofahren, umweltschonend und ohne schlechtes Gewissen“, sagt Jürgen Konrad. Anstatt Benzin, Gas oder Diesel zu tanken, lädt der Halterner seinen Tesla zu Hause oder an den Schnellladesäulen des Automobilkonzerns auf - sogenannte Supercharger - , von denen es weltweit 13.344 Ladeplätze an 1533 Standorten gibt, so der Hersteller. Innerhalb von einer dreiviertel Stunde kann die Familie Konrad ihr Auto zu etwa 80 Prozent vollladen - mit einer Ladegeschwindigkeit von etwa 60 Kilowatt (kW) oder mehr.

35.000 Euro an Gaskosten eingespart

Als Übergangslösung hatte die Familie einen Pickup vom Verbrennungsmotor auf Gas umgerüstet. Zwar habe der Tesla 110.000 Euro gekostet. Allerdings hätte die Familie nach eigenen Rechnungen rund 35.000 Euro an Gaskosten ausgegeben, wäre sie nicht vor vier Jahren ganz auf Elektroautos umgestiegen. Das entspricht 160.000 Kilometern, die die Familie allein schon mit ihrem Tesla zurückgelegt hat -in ganz Europa. Weil er ein älteres Modell fahre, könne er bis zum Lebensende seines Teslas umsonst an den Ladestationen des Herstellers tanken, so Jürgen Konrad.

Die Stadtwerke Haltern haben in den vergangenen Monaten in Sachen E-Ladestationen aufgerüstet - an 15 Standorten mit je zwei Wechselstrom-Anschlüssen (AC) können E-Autofahrer an verschiedenen Stellen in der Stadt ab Mitte Juli „tanken“ - mit 22 kW pro Anschluss. Hier können E-Auto-Besitzer vier Stunden lang kostenlos parken. Auf dem Kärntner Platz, an der Sixtusstraße und am Nordwall dürfen E-Autos unabhängig von den E-Parkplätzen für zwei Stunden kostenlos parken, so die Stadt. Über Gleichstrom-Anschlüsse (DC) mit einer Ladegeschwindigkeit von etwa 50 kW verfügt keine der neuen Ladestationen der Stadtwerke.

Auf dieser Google Map der Stadtwerke Haltern finden Sie alle E-Ladesäulen, die ab Mitte Juli in Haltern in Betrieb gehen sollen:

„Vernünftig sind die Standorte auf jeden Fall“, sagt Jürgen Konrad. Allerdings: „Haltern wird zum Wallfahrtsort. Alle wollen zum Silbersee. Das ist die absolute Hölle.“ Er befürchtet, dass dadurch viele Ladesäulen über Stunden blockiert werden könnten. Etwa, wenn E-Autofahrer am Kärntner Platz parkten und vier Stunden zum Shoppen in die Innenstadt verschwinden würden. Pro Stunde lade ein Auto auf diese Weise 50 Kilometer auf, so Jürgen Konrad. „Das ist gar nicht gut“, sagt Konrad. „AC ist eine schöne Sache, aber wenn jeder Zweite ein E-Auto fährt, dann muss mehr passieren.“

„Wenn ich irgendwo lade, lege ich meine Nummer ins Autofenster, falls jemand schnell an die Ladestation muss“, sagt Jürgen Konrad. Dieses Miteinander unter E-Autofahrern sei aber nicht immer anzutreffen. Teilweise sei der Umgang untereinander schlecht. Etwa, wenn der Besitzer eines Hybridautos mit einer Geschwindigkeit von 7,4 kW an einer Schnellladesäule lade und so den Parkplatz belege. „Manche wissen nicht, was sie da machen“, so Jürgen Konrad.

„DC-Ladesäulen in Haltern wären eine schöne Maßnahme gewesen“, so Konrad. „Wenn ich Unternehmer wäre, dann würde ich jetzt hier Ladesäulen aufbauen.“

  • Die Stadtwerke sind auf der Suche nach weiteren Ladesäulen-Standorten. „Zurzeit führen wir Gespräche mit privaten Partnern, die an einer Kooperation interessiert sind“, so Thomas Liedtke, Pressesprecher der Stadtwerke Haltern.
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