Halterner US-Amerikanerin kamen nach Biden-Sieg die Freudentränen

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Als Muriel Neumeister vom Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl erfuhr, war sie gerade beim Einkaufen. Zuerst konnte sie nicht fassen, dass der Trump-Herausforderer tatsächlich gewonnen hatte.

Lippramsdorf

, 10.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Muriel Neumeister (52) hatte es so sehr gehofft: Die in Lippramsdorf („Lipp-City“) lebende US-Amerikanerin drückte Joe Biden bei der Wahl zum US-Präsidenten ganz fest beide Daumen. Auf die „Hollywood-Show“ von Noch-Präsident Donald Trump hatte sie „nicht viel Lust“. Als die erlösende Nachricht kam, war sie gerade in einem Lebensmittelgeschäft einkaufen.

„Ich wusste, dass ungefähr zu diesem Zeitpunkt neue Ergebnisse aus Pennsylvania kommen“, sagt Neumeister im Gespräch mit der Halterner Zeitung. Der US-Bundesstaat Pennsylvania war einer der Staaten, die einem endgültigen Ergebnis aufgrund seiner zahlreichen Wahlmänner vorgreifen konnten. Nur wer mindestens 270 Wahlmänner auf sich vereinen konnte, sollte der neue Präsident werden. Joe Biden lag Hochrechnungen zufolge bei 254 bis 264 Wahlmännern. Pennsylvania hatte 20 Wahlmänner.

Joe Biden löst Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten am 20. Januar ab.

Joe Biden löst Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten am 20. Januar ab. © AFP

Im Supermarkt wagte Muriel Neumeister den Blick auf ihr Handy. „Ich dachte mir: Guck mal, vielleicht gibt es schon was Neues.“ Zu dem Zeitpunkt hatten die US-Medien bereits Joe Biden als neuen Präsidenten deklariert. Als die US-Amerikanerin das sah, seien ihr mitten im Geschäft die Tränen gekommen, sagt sie. Zunächst hatte sie um den Erfolg des Demokraten Biden gebangt. „Ich dachte, es könnte schiefgehen.“ Die ersten Prognosen hätten Trump vorne gesehen.

Neumeister kam mit der Wartezeit besser zurecht als manch anderer

Allerdings lag Trump mit den Stimmen vorn, die erst am Wahltag abgegeben worden waren. Die Briefwahlstimmen wurden erst im Nachhinein gezählt. Mit der Zeit sind dann einige der Staaten, in denen Trump führte, „geflippt“, wie es in Amerika genannt wird. „Es ging für Joe Biden immer weiter bergauf, bergauf, bergauf“, so Muriel Neumeister.

Zu dem Zeitpunkt sei sie bereits entspannt gewesen. „Ich kam mit der Wartezeit besser zurecht als mein Umfeld“, sagt sie lachend. Das Nachzählen von Stimmen sei für sie nichts Ungewöhnliches. Für Noch-Präsident Donald Trump allerdings schon. Mehrmals kritisierte er, dass die Briefwahlstimmen ungültig seien und die Auszählung gestoppt werden sollte – allerdings nur in den Staaten, in denen er vorne lag. In den Staaten, in denen er hinten lag, aber aufholte, sollte weitergezählt werden. „Das war ein Witz - inkonsequent“, meint Neumeister.

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Dass Trump durch Klagen den Ausgang der Wahl noch verändern kann, daran glaubt Muriel Neumeister nicht. „Es ist sauber gelaufen“, höre man aus den Vereinigten Staaten. Auch die verbleibenden elf Wochen, bis Joe Biden als Präsident am 20. Januar in sein Amt eingeführt wird, sollten kein Problem darstellen, glaubt sie: „Die Zeit bekommen wir auch noch rum.“

Mittlerweile sei sie einfach heilfroh, so wie auch ihre Mutter und ihr Bruder, die beide in den Vereinigten Staaten wohnen. „Wir haben telefoniert. Sie waren sehr erleichtert.“ Was die Wahl für sie alle bedeutet? „Die letzten Jahre, die man nicht wahrhaben wollte, sind vorbei.“

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Muriel Neumeister hofft durch die Wahl Joe Bidens, dass die Minderheiten in den Vereinigten Staaten wieder ein offenes Ohr bekommen. In einer seiner ersten Ansprachen als „President elect“, also gewählter Präsident, kündigte Joe Biden mit Blick auf die Trump-Wähler an: „Wir sind zwar Gegner, aber keine Feinde.“ Muriel Neumeister geht davon aus, dass der neue Präsident daran seine Politik ausrichten wird. „Er wird alle Menschen mit ins Boot holen, auch auf die Republikaner zugehen und ihnen zuhören.“ Eben all das, was Trump nicht gemacht habe.

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