Halterner Spargelbauern sind dringend auf heimische Helfer angewiesen

dzCoronavirus

Die Landwirte sind in großer Sorge. Der Spargel schießt, stechen kann ihn kaum einer. Es fehlen Erntehelfer aus Osteuropa. Asylbewerber, die Interesse hätten, könnten bei der Ernte helfen.

Haltern

, 02.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Uhr tickt. Der erste Spargel ist gestochen. Mit steigenden Temperaturen zum Wochenende wird er noch viel kräftiger schießen. Doch es gibt nur wenige Erntehelfer in den landwirtschaftlichen Betrieben. Wegen der Corona-Krise galt bislang ein Einreiseverbot für Saisonarbeiter vor allem aus Osteuropa. Quasi in letzter Sekunde haben sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Innenminister Horst Seehofer am Donnerstag (2. April) aber doch noch auf eine begrenzte Zahl zusätzlicher Erntehelfer aus Osteuropa geeinigt.

Im April und Mai sollen jeweils bis zu 40.000 weitere Saisonarbeiter einreisen dürfen. Den Bedarf der deutschen Landwirte an Arbeitskräften wird diese Maßnahme allein aber wohl nicht decken können. Die Lage der Spargelbauern ist äußerst angespannt. „Wenn wir nicht ganz schnell Hilfe bekommen, bleibt mindestens die Hälfte der Ernte auf der Strecke“, hatte Philipp Sebbel vom gleichnamigen Spargel- und Obsthof in Haltern noch vor wenigen Tagen erklärt.

Das NRW-Landwirtschaftsministerium hatte bereits an Arbeitnehmer, die sich jetzt in Kurzarbeit befinden, oder andere Interessierte appelliert, den Obst- und Gemüsebetrieben zu helfen, so zudem zur Versorgungssicherheit beizutragen und auch noch Geld dazu zu verdienen. Auch Online-Plattformen wie „www.daslandhilft.de“ wurden geschaltet. Dort können Helfer sich melden. Philipp Sebbel fand dort zwei neue Mitarbeiter. Doch der Juniorchef braucht „noch mindestens zehn weitere gute Erntehelfer“.

Klöckner will Beschäftigungsverbot von Asylbewerbern lockern

Ministerin Julia Klöckner möchte zudem arbeitslose Asylbewerber in der Landwirtschaft einsetzen. Asylbewerbern, die ein Beschäftigungsverbot hätten, solle kurzfristig eine Arbeitsaufnahme in der Landwirtschaft ermöglicht werden, fordert sie. „Sie wollen mit anpacken, sich einbringen“, meint Klöckner. Die Idee wird von vielen Landwirten begrüßt.

Philipp Sebbel verkauft seinen Spargel ab kommender Woche auf dem Wochenmarkt.

Philipp Sebbel verkauft seinen Spargel ab kommender Woche auf dem Wochenmarkt. © Jürgen Wolter

„Hauptsache ist doch, dass die Arbeit gemacht wird, nicht, wer sie macht“, sagt Josef Sträter. Der Sythener Landwirt ist seit letztem Jahr in Rente, seinen Spargel- und Erdbeerhof hat er abgegeben. Dem neuen Betreiber steht er beratend zur Seite. „Blödsinn“ sei es, dass Asylbewerber, die arbeiten wollen, nicht auch arbeiten dürfen. „Das Verbot habe ich noch nie verstanden“, ärgert sich Sträter.

Rund acht Erntehelfer werden noch auf dem Spargel- und Erdbeerhof benötigt. Lediglich ein Saisonarbeiter aus Polen hatte es noch vor Beginn des Einreisestopps nach Sythen geschafft.

Neben dem Spargel gehe es auf vielen Höfen nun auch darum, Pflanzen zu setzen. Blumenkohl, Brokkoli, Salat - Gemüse, das im Sommer und Herbst geerntet werden soll. „Es ist fraglich, wie umfangreich die Ackerflächen bestellt werden können“, erklärt Josef Sträter. „Dabei sind wir doch Urproduktion“, gibt er zu bedenken. „Wir ernähren das Volk.“

Keine Planungssicherheit für Landwirte

„Die Landwirte trifft es äußerst hart“, weiß auch Friedrich Steinmann. Der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbands Recklinghausen freut sich zwar über die Bürger, die auf den Höfen helfen wollen. Viele Kurzarbeiter, Minijobber, Beschäftigte aus dem Gastronomie-Bereich hätten sich gemeldet. Steinmann: „Das eine oder andere Arbeitsverhältnis kommt so zustande“. Eine Planungssicherheit allerdings hätten die Landwirte damit nicht. Sobald diese Helfer in ihrem Beruf die Arbeit wieder voll aufnehmen könnten, wären sie schließlich für die Landwirte nicht mehr verfügbar.

„Nicht jeder kann einen solchen Job machen“

Der Kreisverbandsvorsitzende fordert, Asylbewerbern grundsätzlich den Zugang zum Arbeitsmarkt zu gewähren. Ihren Einsatz in der Landwirtschaft kann er sich gut vorstellen. „Das wäre doch eine Win-Win-Situation“, sagt er. Den Landwirten wäre so geholfen und die Integrationschancen der Asylbewerber würden verbessert. Letztlich aber sei alles eine Frage der körperlichen Leistungsfähigkeit. „Diese Arbeit ist richtig hart.“ Nicht jeder könne einen solchen Job machen.

Philipp Sebbel verkauft seinen Spargel ab kommender Woche auf dem Halterner Wochenmarkt. Ob er teurer wird, ist noch unklar. Sollten Preiserhöhungen allerdings unausweichlich sein, hofft der Obst- und Gemüsebauer auf die Solidarität seiner Kunden.

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