Seit die Schulen in Nordrhein-Westfalen zum Präsenzunterricht zurückgekehrt sind, müssen sich die Schüler mehrmals die Woche selbst testen. © picture alliance/dpa
Testen kostet Zeit

Halterner Schulleitungen kritisieren Corona-Testbescheinigungen

Die Halterner Schulen sollen auf Wunsch der Eltern 48 Stunden gültige Corona-Testbescheinigungen für ihre Kinder ausstellen – auch an Grundschulen. Das sorgt für Ärger bei den Schulleitungen.

Die Rückkehr zum Präsenzunterricht seit dem 31. Mai ist nicht die einzige Aufgabe, die von Lehrern der Halterner Schulen in diesen Tagen erledigt werden muss. Das Bescheinigen von negativen Corona-Testergebnissen sorgt laut Schulleitungen für den Ausfall von ganzen Unterrichtsstunden.

Seit die Schulen in Nordrhein-Westfalen wieder zum Präsenzunterricht zurückkehren konnten, müssen sich alle Schüler von weiterführenden Schulen mehrmals die Woche selbst testen. Das geschieht unter der Aufsicht von Lehrkräften, die eine Bescheinigung über das Ergebnis ausstellen können – wenn die Schüler und Eltern das wollen und der Test negativ ausfällt.

Das gilt auch für die Lehrer und andere Schulmitarbeiter selber, wenn sie sich unter Aufsicht in der Schule testen. Die negative Testbescheinigung können sie dann auch – je nach Inzidenzwert – für außerschulische Aktivitäten nutzen.

„Die Nachricht, dass wir auf Wunsch Testbescheinigungen ausstellen sollen, hat uns überrascht“, sagt Frank Cremer, Schulleiter der Alexander-Lebenstein-Realschule. An der Schule habe man sich deswegen ein Verfahren überlegt, um alle Formulare so vorzubereiten, dass die Schüler nur noch ihre Daten eintragen müssen.

Frank Cremer, hier ein Archivbild, beschrieb am Montag die angespannte Situation in der Alexander-Lebenstein-Realschule.
Frank Cremer, hier ein Archivbild, beschrieb am Montag die angespannte Situation in der Alexander-Lebenstein-Realschule. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

„Da der Klassenlehrer die Tests aber beaufsichtigen muss, um danach zu unterschreiben, geht trotzdem die komplette erste Stunde dafür drauf“, sagt Frank Cremer.

Komplette erste Stunde für Corona-Tests

Auch die Schulleiterin der Joseph-Hennewig-Hauptschule, Dagmar Perret, spricht von einem „erheblichen Verwaltungsaufwand“ und bestätigt ihren Kollegen: „Wir verbringen die komplette erste Stunde mit dem Thema Corona-Tests. Außerdem sind es nur Selbsttests nach Anweisungen, bei denen kaum ein Schüler das Stäbchen tief genug benutzt.“

Für die Schulleiterin eine Zeit, die insbesondere im Hinblick auf den verpassten Präsenzunterricht anderweitig genutzt werden müsste. „Eigentlich sollten wir jetzt einfach unterrichten, was das Zeug hält“, sagt Dagmar Perret.

Zusätzliche Bescheinigungen an Grundschule nicht zu stemmen

Etwas anders läuft es an der Katharina-von-Bora-Schule, weil an Grundschulen PCR-Pooltests verwendet werden. Die Aussagekraft der Tests sei allerdings, anders als bei Schnelltests an weiterführenden Schulen, weniger von den Schülern selber abhängig: „Diese Lolli-Tests sind wesentlich einfacher zu handhaben“, sagt Schulleiterin Vivi Klapheck.

Bescheinigungen sind 48 Stunden gültig

Der Hausmeister würde den jeweiligen Lerngruppen die Tests morgens in den Klassenraum bringen und nach der Testung wieder abholen. Die Auswertung der Ergebnisse dauert bis zum Folgetag, da die Proben zunächst von einem Labor ausgewertet werden.

Entsprechend kann eine Bescheinigung über ein negatives Testergebnis auch erst am Folgetag ausgestellt werden. Beispiel: Wird ein Kind am Montag getestet, kommt das Ergebnis erst am Dienstagmorgen. Erst dann kann auch eine Bescheinigung über das Ergebnis ausgestellt werden. Dennoch ist diese Bescheinigung ab Dienstagmorgen für 48 Stunden gültig, wie das NRW Gesundheitsministerium auf Anfrage mitteilte. Der Grund: Bei beaufsichtigten Schultests in Form einer PCR-Pooltestung wird der Ausstellungszeitpunkt der Bescheinigung wie der Zeitpunkt des eigentlichen Tests gewertet.

Vorteile für Familien

Für den Fall, dass Eltern ein Zertifikat über einen negativen Lolli-Test haben wollen, muss die Schulleiterin die Erwartungen allerdings bremsen. „Wir können das natürlich im Einzelfall versuchen, aber für alle 300 Kinder können wir das zusätzlich zum Unterricht nicht stemmen“, so Klapheck.

Dass die Klassenzimmer zu einer Art Testzentrum werden, bedeutet also für viele Lehrer zusätzlichen Stress. Für Frank Cremer hat die Entscheidung des Schulministeriums aber auch Vorteile, die insbesondere die Erziehungsberechtigten betreffen würden. „Es freut mich für die Familien, dass für Kinder, die einen Test brauchen, der mühsame Gang zum Corona-Bürgertest entfällt“, so der Schulleiter der Alexander-Lebenstein-Realschule.

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Ist passionierter und aktiver Sportler aus dem schönen Bergischen Land und seit 2011, ursprünglich wegen des Studiums, im Ruhrgebiet unterwegs. Liebt die Kommunikation mit Menschen im Allgemeinen und das Aufschreiben ihrer Geschichten im Speziellen.
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