Halterner Schüler blicken sich ins eigene Gesicht und damit in die Zukunft als Raucher

Suchtprävention

Damit die Schüler des Joseph-Königs-Gymnasiums erkennen, was sie ihrem Körper mit dem Rauchen antun, hielt die Initiative „Leben ohne Qualm“ ihnen quasi den Spiegel vor.

Haltern

, 15.02.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Halterner Schüler blicken sich ins eigene Gesicht und damit in die Zukunft als Raucher

An sechs Stationen lernten die Schüler, was in Zigaretten enthalten ist, wie sie Nein sagen können und was Rauchen mit dem Körper anstellt. © Lukas Wittland

Erschrocken weicht der Schüler zurück, als er sich selbst ins Gesicht blickt. Gelbe Zähne, unreine Haut, tiefe Furchen unter den Augen. Er schlägt die Hände ungläubig lachend vors Gesicht. Er blickt ins Gesicht seines gealterten Selbst: Die Animation zeigt den Siebtklässler, wie er in 15 Jahren aussehen würde, würde er rauchen.

Sie ist Teil des Nikotinparcours, der am Mittwoch und Donnerstag in der Aula des Joseph-Königs-Gymnasiums aufgebaut wurde. Hinter dem Parcours steckt die Ginko Stiftung für Prävention der Landeskoordinierungsstelle Suchtvorbeugung in NRW. Die von ihr ins Leben gerufene Initiative „Leben ohne Qualm“ (LoQ) fördert das Nichtrauchen und hat die Tabakprävention zum Ziel. Der Nikotinparcours soll den Siebtklässlern des Gymnasiums anschaulich verdeutlichen, welche Folgen Rauchen für ihre Gesundheit haben kann.

Halterner Schüler blicken sich ins eigene Gesicht und damit in die Zukunft als Raucher

Bei einer Station konnten sich die Schüler ansehen, was das Rauchen mit ihrem Aussehen anstellen würde. © Lukas Wittland

„Das war die schlimmste Station“

„Lernen mit Hand und Kopf“ nannte Christof Sievers, von der Drogenberatung Westvest, das am Mittwoch. Über die Station mit der Animation hätten viele Schüler nach dem zweistündigen Workshop gesagt „das war die schlimmste Station“, erzählte er.

An den anderen der insgesamt sechs Stationen lernten die Schüler unter anderem, dass in Zigaretten nicht nur Tabak enthalten ist, sondern auch Wirkstoffe, die in Klospülsteinen, Nagellacken oder Ratengift zu finden sind. Viele von ihnen sind krebserregend.

Halterner Schüler blicken sich ins eigene Gesicht und damit in die Zukunft als Raucher

Die Siebtklässler konnten anschaulich lernen, worin die Inhaltsstoffe in Zigaretten noch enthalten sind. Unter anderem in Schädlingsbekämpfungsmitteln oder Rattengift. © Lukas Wittland

Auch Aceton und Ammoniak sind zwischen den über 4800 Substanzen zu finden. „Ersteres sorgt dafür, dass Tabak schneller verbrennt, Ammoniak dafür, dass das Nikotin schneller wirkt und abhängiger macht“, erklärte Sievers. „Das sind natürlich Effekte, die die Tabakindustrie freuen.“

Sucht rechnet sich für die Hersteller

Sucht rechne sich für Hersteller immer, sagte er. Bei langjährigen Rauchern kommen schnell mehrere Tausend Euro Kosten zusammen. Rechnet man bei einem Raucher mit einer Schachtel à 6,50 Euro pro Tag, kommen innerhalb von fünf Jahren fast 12.000 Euro an Kosten nur für Zigaretten zusammen.

Zwar sei die Zahl der klassischen Zigarettenraucher zurückgegangen, Jugendliche würden aber auch vermehrt E-Zigaretten oder Shisha rauchen. Der Einstieg erfolge bei vielen über den Freundeskreis, erklärte Sievers. Statistiken würden ergeben, dass Schüler am ehesten mit dem anfingen, was auch im Freundeskreis konsumiert werde.

Laut Sievers gebe es zwei Einstiegsalter, um die 13 Jahre und zwischen 16 und 18 Jahren. Das habe viel mit Wechseln zu tun, beispielsweise dass Schüler in die Oberstufe kämen. „Das gemeinsame Rauchen hat da eine bindende Wirkung. Deshalb ist es wichtig, den Jugendlichen Argumente an die Hand zu geben und sie beim Nein sagen zu stärken“, sagte Sievers.

Das konnten sie an einer Station ebenso üben, wie ihr Wissen über das Rauchen testen. An einer anderen mussten sie hingegen gar nichts tun, sondern lediglich zu ruhiger Musik entspannen. Dabei sollten die Siebtklässler lernen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, um „herunterzukommen“. Ein Argument, das Raucher gerne anführen, um eine Zigarette zu qualmen.

Halterner Schüler blicken sich ins eigene Gesicht und damit in die Zukunft als Raucher

„Herunterkommen" kann man auch ohne Zigaretten. Die Schüler entspannen zu ruhiger Musik. © Lukas Wittland

Puls bei Rauchern ist erhöht

Paradox: Sei doch der Puls bei Rauchern wegen des Nikotins stetig erhöht, sagte Parcoursmitarbeiterin Tammy Walgenbach. Das sei auch ein Grund, warum Raucher eher Herzprobleme bekommen würden. An den Stationen können die Schüler Punkte sammeln, für die sie am Ende Preise bekommen.

Als Walgenbach die Gruppen am Ende aufrief, um die Preise zu verteilen, fragte sie in die Runde: „Wer entscheidet, ob ihr anfangt, zu rauchen?“ Ein Schüler meldet sich und sagt: „Nur wir selbst.“ Eine Erkenntnis, die die Schüler mitnehmen sollten: „Nein sagen“ geht immer.

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