Am Anfang standen die Idee eines Alterssitzes in Kroatien und ein paar Olivenbäume. 15 Jahre später landet das Olivenöl der Kaldenhoffs unter den 150 besten. Viel Arbeit liegt dazwischen.

Haltern

, 10.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Hobby im Urlaub hat es begonnen, ein Hobby ist es für Katica (60) und Michael Kaldenhoff (62) immer noch. Auch wenn es immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. Mittlerweile sind sie viermal im Jahr in Istrien, bewirtschaften dort ein 25 Hektar großes Grundstück mit etwas mehr als 500 Olivenbäumen.

Aus dem ehemaligen Zahnarzt, der seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, und der freiberuflich tätigen Übersetzerin und studierten Archäologin sind Olivenbauern geworden.

Ein Bagger wurde aus Haltern importiert

„Zuerst wurden wir schon ein wenig belächelt“, erinnert sich Michael Kaldenhoff an die Anfänge der Olivenölproduktion. „Hier wachsen doch keine Oliven“, sei ihnen gesagt worden. Doch manchmal sei es von Vorteil, unbedarft an eine Sache heranzugehen, sagt der Halterner.

Vor rund zwanzig Jahren kauften sie ein kleines Grundstück nahe der Stadt Pula mit etwa 50 Olivenbäumen. Die seien mit ihren sieben bis acht Jahren aber „nicht mal im Teenageralter“ gewesen. Doch da sei die Idee gereift, selbst einmal Olivenöl herstellen zu wollen. Nach und nach kauften sie umliegende Grundstücke auf, bis das Gelände auf die heutige Größe angewachsen ist.

Halterner produzieren eigenes Olivenöl in Kroatien - und wurden dafür jetzt ausgezeichnet

Katica, Michael und Marc Kaldenhoff aus Haltern produzieren in Kroatien Olivenöl. © Ilka Bärwald

Mit einem Uralt-Bagger, „den wir in Haltern bekommen und auf Vordermann gebracht haben“, gruben die Kaldenhoffs Tonnen von Steinen aus dem Boden, um dort neue Pflanzen einzusetzen. Alte italienische Sorten, die sich bewährt hätten, sagt Michael Kaldenhoff. Sie seien weniger anfällig für Krankheiten.

Das Know-How für die Pflege der Pflanzen hätten sie sich angelesen und bei Seminaren erlernt. „Ich bin direkt dem örtlichen Olivenbauernverband beigetreten“, sagt Katica Kaldenhoff. Sie stammt aus Kroatien und hat zudem slawische Sprachen studiert, was bei der Kommunikation mit den Einheimischen und den Behörden von Vorteil ist.

„Man muss Geduld haben“

Das erste Mal standen die Kaldenhoffs mit drei Kilo Oliven vor der Ölmühle, um ihr eigenes Öl zu pressen. Viel war das nicht. „Man braucht etwa 20 Kilo Oliven, um zwei Liter Öl zu bekommen“, erklärt Sohn Marc (25). „Man muss Geduld haben“, ergänzt Vater Michael.

Mittlerweile haben die Kaldenhoffs bei der Ölmühle ihres Vertrauens sogar eigene Zeiten, um ihr sortenreines Öl pressen zu lassen. Das darf sich extra vergine nennen, also direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren ohne Wärmeeinwirkung (unter 40 Grad Celsius) gewonnen.

Der Säuregehalt muss dabei unter 0,8 Prozent liegen. Ihr Olivenöl werde sogar bei unter 27 Grad gepresst, sagt Katica Kaldenhoff. Außerdem verwendeten sie nur Bio-Dünger und verzichteten auf Pestizide sowie auf künstliche Bewässerung.

Halterner produzieren eigenes Olivenöl in Kroatien - und wurden dafür jetzt ausgezeichnet

Viele Helfer haben bei der Ernte von Olea Kalden in Istrien mitangepackt. Die Halterner Fahne halten Michael (l.) und Marc Kaldenhoff. © privat

Das alles verschaffte dem „Olea Kalden“, so der Name des Olivengutes, beste Bewertungen im renommierten Olivenölführer „Flos Olei“, der das Olivenöl zum dritten Mal in Folge unter die 500 besten Olivenöle wählte. Beim „Olio Award“ 2019 der Zeitschrift „Feinschmecker“ wählten die Experten das Leccino-Öl von Olea Kalden auf Platz 114 von 150. Es dufte nach süßlich-bitterer Mandelfrucht, Banane und gelben Äpfeln. Pfirsich-Noten und Mandelgebäck kämen im Geschmack hinzu, heißt es in der Bewertung der Experten.

Doch es gab auch Rückschläge: Vor sieben Jahren habe es im Winter viel geregnet, dazu kam eine Kältewelle. „Wir haben etwa 50 Prozent der Bäume verloren“, erinnert sich Michael Kaldenhoff. Sie seien eingegangen oder hätten so stark heruntergeschnitten werden müssen, dass an Ernte erst einmal nicht zu denken war.

Ritterschlag kam von den Einheimischen

Sohn Marc unterstützt seine Eltern, betreut die Webseite, packt aber auch bei der Ernte mit an. Ansonsten studiert er Maschinenbau an der Ruhr-Uni in Bochum. Professionelle Hilfe bekommen die Kaldenhoffs durch einen befreundeten Agarökonomen, der sie bei der Kultivierung der Bäume und weiteren Aufgaben berät. „Wichtig beim Ernten ist der Zeitpunkt, ob die Bäume alt oder jung sind, und natürlich der Weg von der Ernte zur Mühle.“ Letzterer dürfe nicht zu lang sein.

Die Erwähnung im Olivenölführer und die Auszeichnung durch die Feinschmecker-Zeitschrift freuen die Kaldenhoffs, der eigentliche Ritterschlag kam aber von den Einheimischen, wie Michael Kaldenhoff sagt. „Sie kaufen mittlerweile ihr Olivenöl bei uns.“ Das sei die beste Bestätigung ihrer Arbeit. Wichtig sei ihnen auch, das sie kein hochpreisiges Luxusprodukt anbieten, sondern „ein bezahlbares Lebensmittel“, das zudem auch noch sehr gesund sei.

Das Olivenöl der Familie Kaldenhoff kann online bestellt werden, es laufen aber zurzeit auch Gespräche mit Halterner Firmen, die das Öl in ihr Sortiment aufnehmen könnten.

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