Halterner Künstler und Eventmanager stehen „mit dem Rücken zur Wand“

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Das Coronavirus setzt auch Künstlern und Eventmanagern in Haltern schwer zu. Sämtliche Veranstaltungen sind abgesagt, Einkünfte gibt es nicht. Alle hoffen auf einen Rettungsschirm.

Haltern

, 23.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn das Telefon im Büro von Ludger Beermann klingelt, ist das derzeit kein gutes Zeichen. „Meistens handelt es sich um Absagen“, sagt der Inhaber der Agentur LEO Events & Marketing in Haltern. Beermann ist im Veranstaltungsbereich tätig. Für Banken, Industrie-Unternehmen, Hotels, Städte, Abi-Jahrgänge und viele mehr plant er „Events“. Er bucht Hallen und andere Veranstaltungsorte, Referenten, Künstler, Techniker, Bühnenbauer, Catering-Firmen - eben alles, was für Veranstaltungen und Tagungen benötigt wird.

18 Veranstaltungen sind schon weggebrochen

„Unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt“, sagt Beermann. Bringen tut dem Eventmanager das aber nichts. Denn das Geschäft bricht ihm gerade komplett ein. Wegen des Coronavirus sind alle Veranstaltungen untersagt. „Für März und April ist alles gecancelt“, sagt Ludger Beermann. 18 Veranstaltungen in ganz Deutschland, darunter auch ein Fest im besonders vom Virus betroffenen Kreis Heinsberg. Rund 100 Veranstaltungen organisiert Ludger Beermann normalerweise pro Jahr. Wie viele es in diesem Jahr werden, wagt er nicht vorauszusagen.

Die Konzerte des Halterner Musikers Marian Kuprat fallen in diesen Wochen ebenfalls aus.

Die Konzerte des Halterner Musikers Marian Kuprat fallen in diesen Wochen ebenfalls aus. © Stefan Gewecke

Zurzeit plant er mit seinem vierköpfigen Team nur noch für die zweite Jahreshälfte. Auch die Termine, die jetzt ausfallen, versucht er dort alternativ unterzubringen. Das bedeutet: Doppelter Aufwand für nur eine Veranstaltung. Bezahlt wird das nicht entsprechend.

Verständnis für Erlass der Landesregierung

Dass Veranstaltungen derzeit nicht stattfinden dürfen, dafür hat Ludger Beermann größtes Verständnis. „Wir müssen alles tun, damit sich möglichst wenig Menschen anstecken und möglichst alle medizinisch gut versorgt werden können“, sagt er ausdrücklich. Seit dem Erlass der Landesregierung aber bleibt Beermann allein auf seinem Schaden sitzen. „Höhere Gewalt“, erklärt er knapp. Viele Kosten wie Miete, Strom oder Versicherungen fielen unterdessen weiterhin an. Wenn das im April und Mai auch noch so weitergehe, sei der finanzielle Gewinnausfall schon sehr beachtlich. Beermanns Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Jetzt hofft er auf einen staatlichen Rettungsschirm.

Besorgnis erregende Lage für Künstler, Tontechniker, Bühnenbauer

Ludger Beermann macht sich auch Sorgen um die Künstler, die täglich bei ihm anrufen. „Sie sind alle verzweifelt“, sagt er. „Denn nur wer auf der Bühne steht, verdient auch Geld.“ Kleinselbstständige stünden mit dem Rücken zur Wand. Das betreffe auch Bühnenbauer und Veranstaltungstechniker.

Der Halterner Freddy Allerdisse betreibt in Münster eine Event-Agentur. „Die Zeiten sind sehr hart“, sagt er.

Der Halterner Freddy Allerdisse betreibt in Münster eine Event-Agentur. „Die Zeiten sind sehr hart“, sagt er. © Silvia Wiethoff

Auch die Konzerte von Marian Kuprat fallen aus. „Das ist ein herber Schlag“, sagt der Halterner Musiker. Kuprat hat seinen Nebenjob, mit dem er sich finanziell stets absichern wollte, in der Veranstaltungsbranche. Einkünfte gibt es also zurzeit keine. „Viele Künstler leben jetzt von der Hand in den Mund“, sagt der Singer-Songwriter. „Viele werden auf der Strecke bleiben.“

Live-Online-Konzert aus dem Wohnzimmer

Auch Kuprat hat Verständnis für das Veranstaltungsverbot. „Wir haben nur Angst, mit unseren Problemen allein gelassen zu werden.“ Man hoffe auf Hilfen des Staats. Am 20. März (Freitag) gab Marian Kuprat am Abend ein Online-Konzert direkt aus seinem Wohnzimmer. „Es war eine schöne Gelegenheit, Live-Musik zu hören, ohne jemanden in Gefahr zu bringen“, sagt er. Wer wollte, konnte dabei auch online spenden.

Hoffen auf Besserung in zwei Monaten

„Die aktuelle Situation trifft alle Künstler und Veranstalter hart“, sagt der gebürtige Halterner Poetry-Slammer, Moderator und Musiker Freddy Allerdisse.

Leere Stuhlreihen: Öffentliche Veranstaltungen finden derzeit nicht statt.

Leere Stuhlreihen: Öffentliche Veranstaltungen finden derzeit nicht statt. © dpa

In Münster betreibt er die Event-Agentur „Mundwerkkunst“. Die zeichnet auch verantwortlich für die Comedyshow im Lea Drüppel Theater. Für den 26. März 2020 allerdings ist die Veranstaltung abgesagt. Freddy Allerdisse hält sich aktuell noch mit einer zweiten Tätigkeit über Wasser. Für IHK und private Hochschulen gibt er noch ein paar Online-Kurse. In den nächsten zwei Monaten aber müsse sich die Lage bessern, sonst werde es auch für ihn eng, betont er.

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