Coronavirus: Halterner hamstern Dosenravioli, weniger Reisen gebucht

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Alle finden Hamsterkäufe wegen des Coronavirus‘ verrückt. Doch viele Halterner Supermarktregale sind leer. Und im Sixtus-Hospital verschwindet Desinfektionsmittel. Reisende sind vorsichtig.

Haltern

, 05.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ravioli aus der Dose - diese kulinarische Köstlichkeit darf im Vorrat nicht fehlen, wenn das Coronavirus den ersten Halterner befällt und der Hausarrest droht. Das signalisiert der aktuelle Blick auf den Bestand der Supermärkte in der Stadt. Alles, was haltbar ist, Nudeln, Reis oder Kondensmilch, die den Deutschen schon nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf die Füße half, sind heiß begehrt.

Dabei geben die Geschäfte alles, um die Regale immer wieder aufzufüllen. Das bestätigen beispielsweise der Edeka Bleise sowie die Rewe-Group Dortmund, die für den Kaufpark und die beiden Penny-Märkte in Haltern zuständig ist.

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Dennoch sei nicht auszuschließen, so heißt es bei Bleise auf Anfrage, dass bei den Ravioli bald ein Engpass entstehen könnte. Der Hersteller komme mit der Produktion einfach nicht mehr nach.

Auch haltbare Milchprodukte sind zurzeit stark nachgefragt.

Auch haltbare Milchprodukte sind zurzeit stark nachgefragt. © Silvia Wiethoff

Man darf sich wohl fragen, wie lange das mit dem Nachlegen von Toilettenpapier noch klappt. „Am Montag haben wir die Regale wieder aufgefüllt, Dienstag waren sie schon wieder leer“, beschreibt ein Mitarbeiter von Bleise den reißenden Absatz.

Desinfektionsmittel gibt es übrigens bei Bleise und anderswo überhaupt nicht mehr zu kaufen. „Diese sind langfristig nicht lieferbar“, sagt ein Bleise-Sprecher. Die Artikel würden nur noch an Ärzte und Krankenhäuser abgegeben. Dort aber scheinen sie vor unerlaubtem Zugriff nicht sicher.

Desinfektionsmittel werden nur noch an Krankenhäuser abgegeben

In überregionalen Medien wurde darüber berichtet, dass Desinfektionsmittel aus Krankenhäusern entwendet werden. Das ist auch in Haltern der Fall. „Leider können wir auch den vermehrten Schwund von Desinfektionsmitteln, persönlicher Schutzbekleidung wie zum Beispiel Einmalkittel und Mundschutzmasken und sogar Toilettenpapier aus den öffentlich zugänglichen Bereichen feststellen“, teilt die Pressestelle des KKRN (Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord) mit.

„Wir haben die Lagerhaltung in den öffentlich zugänglichen Bereichen eingestellt und füllen die Bestände nur noch bedarfsorientiert auf. Wir können nur an alle Patienten und Besucher appellieren, keine Hygiene- und Desinfektionsartikel zu entwenden, da diese zum Schutz unserer Patienten, Besucher und auch Mitarbeiter zur Verfügung stehen müssen“, heißt es.

Ein Vorrat an Tiefkühlprodukten beruhigt die Nerven.

Ein Vorrat an Tiefkühlprodukten beruhigt die Nerven. © Silvia Wiethoff

Während die Lebensmittelbranche zu den Gewinnern der aktuellen Krankheitswelle ist, gehört der Tourismussektor zu den Verlierern.

Die Tourismusbranche gehört zu den Verlierern

Kreuzfahrtschiffe, die unter Quarantäne stehen, Dörfer und Städte, die nicht mehr besucht werden dürfen: Die Bilder von solchen Auswirkungen des Corona-Virus beschäftigen vor allem diejenigen, die einen Urlaub oder eine Reise planen. Wie wirkt sich das in den Halterner Reisebüros aus?

Angelika Schmäing vom Reisebüro Haltern spürt eine Zurückhaltung der Kunden. „Es gibt zwar viele Anfragen, aber bei kurzfristigen Buchungen halten sich die Kunden zurück. Es werden eher Reisen für den Spätsommer und Herbst gebucht. Ich hatte jetzt auch die erste Stornierung wegen des Virus.“

Angelika Schmäing vom Reisebüro Haltern stellt eine größere Zurückhaltung der Kunden wegen des Corona-Virus fest.

Angelika Schmäing vom Reisebüro Haltern stellt eine größere Zurückhaltung der Kunden wegen des Corona-Virus fest. © Jürgen Wolter

„Man kann feststellen, dass einige Kunden vorsichtiger bei der Auswahl ihres Reisezieles sind. Große Einbrüche oder Umbuchungswellen hat es aber bisher nicht gegeben“, ergänzt Gaby Langenkämper vom City Reisebüro. Eine Tendenz, die auch Britta Rauter von der Reiseecke Sythen bestätigt: „Es kommt jetzt öfter vor, dass Kunden vor einer Buchung fragen, was passiert, wenn sie von einer Reise zurücktreten wollen. Zum Glück kommen uns da die Reiseveranstalter entgegen, die großzügigere Stornierungsbedingungen anbieten.“

Die Veranstalter haben auf die veränderte Lage reagiert. „So gibt es oft die Möglichkeit, bis zu 14 Tage vor Reisebeginn von einer Reise kostenfrei zurückzutreten oder auf ein anderes Urlaubsziel auszuweichen“, so Gaby Langenkämper.

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