Halterner Gastronom: „Die meisten Wirte haben still die Preise erhöht“

dzGastronomie in Haltern

Christoph Peters von Peters Bauernstube ist wütend: „Um sich über Wasser zu halten, haben viele Gastwirte ihre Preise erhöht. Wer das transparent macht, hat direkt einen Shitstorm am Hals.“

Haltern

, 24.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob im Internet oder vor Ort im Restaurant: Fallen Preiserhöhungen auf, wird darüber diskutiert. Christoph Peters (40) von Peters Bauernstube hatte kürzlich eine solche hitzige Diskussion mit einem Bekannten, der beim gemeinsamen Essen in einem anderen Restaurant empört darüber war, einen Corona-Aufschlag zahlen zu sollen. „Den Leuten schmeckt es nicht, wenn sie mehr bezahlen müssen. Aber wer nächstes Jahr noch essen gehen möchte, sollte uns auch heute unterstützen. Es regt mich auf, zu hören, dass manche Leute denken, wir würden uns in dieser Situation bereichern wollen“, findet Peters.

„Ich habe meine Preise an unsere zusätzlichen Kosten angepasst. Die meisten Gastronomen haben das getan - und zwar ohne es auszuweisen. Wer ehrlich ist und es auf die Karte schreibt, der bekommt einen Shitstorm an den Hals. Denn da fällt es ja auf. Die meisten waren zu feige, um sich diesen Diskussionen zu stellen“, fügt er hinzu.

„Mit der Mehrwertsteuersenkung kommt der nächste Shitstorm“

Doch laut Peters rolle die nächste Welle der Kritik auf die Wirte zu: „Dieses Mal trifft es uns dann alle. Wenn die Mehrwertsteuer gesenkt wird, können wir das nicht eine zu eins an unsere Gäste weitergeben. Da wird das Geschrei groß sein. Mit dem Geld halten wir uns über Wasser. Da können wir vielleicht wieder die Preise nehmen, die wir vor der Corona-Preisanpassung genommen haben, aber garantiert nicht weniger.“

Lediglich 25 Prozent der üblichen Einnahmen mache er aktuell. Masken, Platzeinweiser, Hygienespender und Co. fräßen die Einnahmen komplett auf. Der geringe Umsatz läge gar nicht mal an fehlenden Plätzen durch die Abstandsregel, sondern mehr daran, dass die Gäste aus Sorge vor einer möglichen Infektion fern blieben. „Eigentlich könnten wir den Laden zu lassen. 80 Prozent unserer Mitarbeiter sind noch in Kurzarbeit. Wir öffnen jeden Tag in der Hoffnung, dass wieder mehr Gäste vorbeikommen und uns und unserem Hygienekonzept vertrauen.“

„Wir leben von Krediten“

Zwar könne man diese Situation mit Krediten noch eine Weile durchhalten, doch sollte es spätestens bis zum Weihnachtsgeschäft nicht wieder normal laufen, „sieht es für viele sehr düster aus.“ Von mehreren älteren Kollegen habe er gehört, dass sie ihr Geschäft eher aufgeben werden, als einen Kredit nach dem anderen aufzunehmen.

„Bis sie in Rente gehen, können sie die Kredite gar nicht zurückzahlen. In der Gastronomie verdient man sich ohnehin keine goldene Nase“, so Peters. Bestehende Reservierungen für Gruppen werden bei Peters aktuell noch immer abgesagt - nur zögerlich kehren kleine Gesellschaften in das Restaurant zurück. Und die Gäste, die kommen? „Die freuen sich, dass wir noch da sind, und zahlen auch gerne etwas mehr. Aber es sind leider noch viel zu wenige“, sagt der Wirt.

Die Warenkalkulation gestaltet sich schwierig

Stefan Himmelmann vom Restaurant Himmelmann gehört zu den Gastronomen, die ihre Preise nicht erhöht haben - er hat aber volles Verständnis für die Kollegen, die die Preise anpassen, weil ihnen das Wasser bereits bis zum Hals steht. „Wir warten noch ab, wie sich die Situation entwickelt, bevor wir die Preise eventuell erhöhen.“ Vieles sei teurer geworden. Das Desinfektionsmittel beispielsweise sei nun aufgrund der Nachfrage dreimal so teuer wie zuvor.
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Nach jedem Gast müssen die Tischdecken gewaschen werden - viele Zusatzkosten würden sich da läppern. Außerdem ein Problem: die Kalkulation der Warenmengen. „All unsere Erfahrungswerte sind im Moment nichts mehr wert. Das hat zur Folge, dass wir häufiger und auch mal im laufenden Betrieb losfahren müssen, um Produkte einzukaufen. Das kostet natürlich auch Zeit und Geld.“ Geld, dass die Gäste nun in die Hand nehmen müssen, um ihre Lieblingsrestaurants am Leben zu erhalten.

Vorsicht in der Gerüchteküche: Das Halterner Lokal, über welches auf Facebook vor Kurzem heftig diskutiert wurde, verlangt gar keinen Corona-Aufschlag von 1,50 Euro pro Person. Die Person, die die Diskussion im Internet ins Rollen brachte, habe nicht einmal in dem Restaurant gegessen, sondern nur weitergegeben, was sie von Bekannten gehört hatte - das erklärte uns das Lokal auf Nachfrage.
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