Der Pegel der Lippe (hier Pegelstand Hamm-Bossendorf) ist über Nacht deutlich gestiegen. © Jürgen Wolter
Unwetter

Halterner Feuerwehrleute im Unwetter-Einsatz – Lippe-Pegel steigt

Tief „Bernd“ hat NRW getroffen. Im Kreis Recklinghausen erwischte es vor allem Castrop-Rauxel. Doch auch die Feuerwehr Haltern hat mit dem Unwetter zu tun. Der Lippeverband beobachtet die Lage.

Bäume entwurzelt, Dächer abgedeckt, Keller geflutet – so titeln unsere Kollegen aus Castrop-Rauxel über ihrem Bericht zum Unwetter in der Kreisstadt. Dorthin rückte die Feuerwehr in den letzten 24 Stunden zu rund 200 Einsätzen aus, wie der Kreis Recklinghausen am Donnerstagmorgen mitteilte.

Haltern am See kam dagegen glimpflich davon. Die Feuerwehr hatte nicht einen Einsatz in der Seestadt. „Der Wettergott hat es gut gemeint mit uns“, sagte der Leiter der Feuer- und Rettungswache, Werner Schulte, am Morgen.

Feuerwehrleute aus Haltern fahren nach Wuppertal

Dennoch sind jetzt auch 15 ehrenamtliche Feuerwehrleute der Löschzüge Lavesum und Lippramsdorf sowie acht Helfer des THW Haltern seit dem Morgen im Unwetter-Einsatz. Die Feuerwehr ist mit einem Löschgruppenfahrzeug und einem Mannschaftstransporter auf dem Weg nach Wuppertal, um die dortige Feuerwehr zu unterstützen. Und auch das THW befindet sich dort und hilft mit, Dämme aus Sandsäcken zu bauen.

Beim Lippranmsdorf breitet sich die Lippe wieder deutlich aus.
Bei Lippramsdorf breitet sich die Lippe wieder deutlich aus. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

In Wuppertal ist durch den Starkregen die Wupper über die Ufer getreten und überflutet zahlreiche Straßen. Auch die Wupper-Talsperre ist nach Angaben der Stadt Wuppertal in der Nacht übergelaufen. Insgesamt sind etwa 120 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus dem Kreis Recklinghausen mit rund 30 Fahrzeugen auf dem Weg dorthin, wie Kreis-Sprecherin Lena Heimers mitteilte.

Die Leitstelle Recklinghausen hatte bereits zuvor Kräfte zur Unterstützung nach Bochum und Engelskirchen sowie in den Kreis Unna entsandt.

In Altena und Werdohl im Märkischen Kreis (NRW) kamen zwei Feuerleute ums Leben. Einer wurde von Wassermassen fortgerissen und ertrank, als er einen Mann retten wollte. Der andere kollabierte. Trotz Reanimations- und Hilfsmaßnahmen starb der Mann. Man geht von einem gesundheitlichen Notfall aus.

„Das geht nicht so einfach an einem vorbei“

„Wenn man das hört, trifft es einen schon in Mark und Bein“, so Werner Schulte. Man habe sich zwar den Beruf ausgesucht und wisse um die Gefahren, aber „das geht nicht so einfach an einem vorbei. Unser Mitgefühl ist bei den Angehörigen und den Kameraden“, so Werner Schulte.

Der Lippe-Pegel ist innerhalb der letzten 24 Stunden um rund 2,25 Meter angestiegen. An der Messstelle in Haltern liegt er derzeit (Stand: 10.30 Uhr) bei circa 3,98 Meter. „Wir haben das im Blick“, sagt Werner Schulte. Die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräfte seien vorbereitet.

Die neue Aktutwarnung für Schwerte versetzt die Feuerwehr in höchste Alarmbereitschaft.
Die neue Aktutwarnung für Schwerte versetzt die Feuerwehr in höchste Alarmbereitschaft. © Kevin Kindel © Kevin Kindel

Engmaschige Kontrollen beim Lippeverband

Auch beim Lippeverband beobachtet man die Lage intensiv. Es gibt engmaschige Kontrollen. Aufgrund heftiger Starkregenfälle in Teilen des Lippe-Gebiets bekomme die Lippe aktuell immer mehr Wasser, teilte Anne-Kathrin Lappe am Donnerstagmorgen mit. Auch aus den Nebenläufen fließe mehr Wasser zu.

Der Lippepegel in Haltern hatte am Mittwochmittag zunächst noch bei 1,30 Meter gelegen, war bis zum frühen Abend auf 1,82 Meter und bei anhaltendem Regen dann kontinuierlich weiter gestiegen. „Für Donnerstag ist nach Angaben der Verbandssprecherin ein „deutlicher Anstieg“ vorausgesagt worden. „Es sind auch zum Nachmittag wieder neue Gewitter angesagt.“ Lappe beruhigt aber auch: „Wir können uns gut vorbereiten.“

Anne-Kathrin Lappe weist auf die Auenbereiche der Lippe hin. Bei Hochwasser dienten diese als Pufferzone – „sie sind sozusagen Parkplätze für das Wasser“. Staue sich dort das Wasser, müsse niemand beunruhigt sein – „das ist so gewollt“.

Hochwasseralarm, höchste Stufe ab Sechs-Meter-Pegelstand

Ab 5,50 Meter ruft der Lippeverband die Stufe 1 des Hochwasseralarms aus. Dann werden die Mitarbeiter in Bereitschaft versetzt, erste Einsatzorte besprochen. Erst ab einem Pegelstand von sechs Metern und Stufe 2 werden die Mitarbeiter aktiv: Wege werden gesperrt, Behörden, Anlieger und Landwirte informiert sowie Kontrollgänge am Deich durchgeführt. Anne-Kathrin Lappe geht allerdings davon aus, dass am Donnerstagnachmittag auch bei niedrigerem Pegelstand die Teams des Lippeverbands in Bereitschaft versetzt werden.

Bei Lipprammsdorf Freiheit breitet sich die Lippe wieder in ihrem Bett und der Aue aus.
Bei Lipprammsdorf Freiheit breitet sich die Lippe wieder in ihrem Bett und der Aue aus. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

„Komfortable Situation“ bei Gelsenwasser

Bei der Gelsenwasser AG ist Heidrun Becker mit dem „guten Wareneingang von oben“ und den damit verbundenen Wasserständen in den Halterner Talsperren zufrieden. Der Füllstand der Halterner Talsperre liege im Nordbecken (Stausee) bei 96, im Südbecken bei 100 Prozent. Die Talsperre Hullern sei zu 96 Prozent gefüllt. „Wir sind annähernd vor dem Vollstand“, sagt die Sprecherin des Wasserversorgers. „Das ist eine sehr komfortable Situation.“

Zuerst werde demnächst die Hullerner Talsperre abgesenkt, während das Niveau im Halterner Stausee für Badegäste und Wassersport weitgehend stabil gehalten werden solle.

Grundwasserniveau noch niedrig

Trotz der vielen Niederschläge auch in den vergangenen Wochen ist das Grundwasserniveau aber längst noch nicht auf dem alten Stand. Becker: „Dafür ist in den vergangenen Jahren zu wenig Wasser im Grundwasser angekommen.“

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Benjamin Glöckner hat Germanistik und Geschichte an der Universität Duisburg-Essen studiert. Für Lensing Media arbeitet er seit 2001. Er schrieb und fotografierte schon für die Lokalredaktionen Dortmund, Münster, Selm, Dorsten und Haltern.
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Geboren in Dülmen, Journalistin, seit 1992 im Medienhaus Lensing - von Münster (Münstersche Zeitung) über Dortmund (Mantelredaktion Ruhr Nachrichten) nach Haltern am See. Diplom-Pädagogin und überzeugte Münsterländerin. Begeistert sich für die Menschen und das Geschehen vor Ort.
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Ingrid Wielens

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