Halterner Fair-Trade-Gruppe: „Immer nur billig geht nicht“

dzFairer Handel

Faire Preise statt immer nur billig - dafür setzt sich die Fair-Trade-Gruppe in Haltern am See ein. Doch was steckt eigentlich hinter den fairen Produkten?

Haltern

, 20.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer nur billig geht nicht“, sagt Peter Hönge. Er ist der Sprecher der Fair-Trade-Gruppe in Haltern, die sich seit Jahren dafür einsetzt, dass Haltern faire Produkte verkauft - und auch konsumiert.

Seit 2015 darf sich Haltern am See als Fair-Trade-Stadt bezeichnen. Dafür hat sich die Stadt mit einem Ratsbeschluss Ende 2014 einstimmig dazu verpflichtet, bei allen Ausschuss- und Ratssitzungen und städtischen Terminen und Sitzungen fair gehandelten Kaffee zu trinken und mit fairem Zucker zu süßen.

Für den Titel Fair-Trade-Stadt musste Haltern einiges an Vorarbeit leisten. Neben dem Ratsbeschluss muss die Steuerungsgruppe lokale Geschäfte dazu bewegen, fair gehandelte Produkte zu anbieten, Einrichtungen wie Schulen, Kirchen und Vereine dazu bewegen, sich im fairen Handel zu engagieren und Öffentlichkeitsarbeit wie Verkaufsaktionen, Infostände und Kochabende zum Thema betreiben.

An diesen Stellen in Haltern gibt es faire Produkte

In den 70er-Jahren nahm die Eine-Welt-Gruppe in Haltern ihre Arbeit auf. Mit der Zeit rückte das Thema fairer Handel immer mehr in den Fokus der Gruppe. „Wir wollen anstoßen, dass es auch irgendwo Grenzen gibt“, sagt Peter Hönge. „Es bemühen sich in Haltern ganz viele, wenigstens zu überlegen, was sie im Einzelhandel oder in Gaststätten tun können.“ Darunter: das Könzgenhaus, der Pevelingshof oder Jupp unner de Böcken. Auch in Supermärkten wie Edeka, Lidl und Netto sind Fair-Trade-Produkte zu finden. Das Angebot, sagt Claudia Völkering, Mitglied der Steuerungsgruppe, sei mit der Zeit viel größer geworden.

Alle zwei Jahre wird die Auszeichnung auf den Prüfstand gestellt. Die Stadt muss sich darum bemühen, den Titel erneuert zu bekommen, indem die Steuerungsgruppe nachweist, dass die Kriterien erfüllt werden. Zwei Verlängerungen gab es für Haltern schon, zuletzt im Juli 2019. „Ich bin stolz, dass Haltern am See dem internationalen Netzwerk der Fair-Trade-Towns angehört. Wir setzen uns weiterhin mit viel Elan dafür ein, den fairen Handel auf lokaler Ebene zu fördern“, sagte Bürgermeister Bodo Klimpel dazu.

Billiger Konsum auf der einen Seite bedeute auch immer, dass es auf Kosten der Gesundheit und Bildung auf der Seite der Bauern in Entwicklungsländern geht, die die billigen Lebensmittel produzieren, sagt Peter Hönge. „Uns eint der faire Gedanke.“

Diesen Unterschied macht der Kauf von Fair-Trade-Produkten

1,66 Millionen Kleinbauern weltweit, mehr als die Einwohner Münchens, produzieren derzeit Waren für den fairen Handel und arbeiten mit der Nichtregierungsorganisation Fair Trade International zusammen. Damit verpflichten sich die Produzenten am Anfang der Lieferkette dazu, etwa für geregelte Arbeitsbedingungen zu sorgen, auf ausbeuterische Kinderarbeit zu verzichten, Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen und seine Finanzen offenzulegen.

Die Organisation Fair Trade seinerseits garantiert, dass die Produzenten einen Mindestpreis erhalten, der im Zweifel höher als der Marktpreis ist und der die durchschnittlichen Produktionskosten decken soll. Darüber hinaus erhalten Produzentenorganisationen eine Prämie, die in Abstimmung mit den Kleinbauern verwendet werden. Davon können etwa neue Maschinen gekauft, Lagerhallen gebaut oder Aus- und Fortbildungen für Erwachsene und auch Kinder finanziert werden.

In einem Video erklärt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, wie Kleinbauern vom Fairen Handel profitieren können:

Die Halterner Fair-Trade-Gruppe will die Verbindung zum Einzelhandel in der Seestadt weiter ausbauen. „Wir möchten jemanden aus der Kaufmannschaft dabei haben“, sagt Claudia Völkering. „Wir versuchen immer wieder, neue Partner mit ins Boot zu holen.“

Die Fair-Trade-Gruppe in Haltern ist offen für Interessierte, die sich an der Arbeit für den fairen Handel beteiligen möchten. Wer mitmachen möchte, kann sich an Peter Hönge unter Tel. 9492072 oder peter@hoenge.com wenden.
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