Fahrschüler müssen sich auf eine längere Prüfung einstellen. © picture alliance / dpa
Fahrschulen in Haltern

Halterner Fahrlehrer hat keine Angst, „aber Respekt“ vor Corona

Die Fahrschulen in NRW dürfen weiterhin Fahrunterricht geben. Angesicht der Corona-Lage kann ein Halterner Fahrlehrer das nicht ganz verstehen. Es gibt zudem eine neue Prüfungsordnung.

Momentan dürfen die Fahrschulen in Nordrhein-Westfalen laut der Coronaschutzverordnung vom 8. Januar Fahrunterricht geben – für Schüler, die eine berufsbedingte Fahrausbildung brauchen oder bereits die Hälfte der Pflichtsonderfahrten absolviert haben. Richtig verstehen, könne er das nicht, sagt der Halterner Fahrlehrer Ralf Köhler von „Rallis Fahrschule“.

Um die Kontakte so gering wie möglich zu halten, fährt er nur mit den Schülern, die bereits einmal die Fahrprüfung nicht bestanden haben und nun demnächst wieder dran sind. „Sie sollen ihre Kenntnisse noch einmal auffrischen“, sagt Ralf Köhler. Andere Fahrschüler, die laut der Coronaschutzverordnung des Landes ebenfalls fahren dürften, unterrichte er nicht. Nicht aus Angst vor dem Coronavirus, sagt er. „Aber aus Respekt davor.“

„Ich bin 57 Jahre alt und sehe mich schon ein wenig in der Risikogruppe. Ich weiß nicht, wie es mir erginge, sollte ich mich anstecken“, erklärt der Fahrlehrer. Dem Risiko wolle er sich eigentlich nicht aussetzen. Deswegen könne er nicht ganz verstehen, warum Fahrschulen Fahrunterricht geben dürfen. Während des ersten Lockdowns im März war das noch verboten.

Theorieunterricht ist online möglich

Weniger problematisch ist der Theorieunterricht. Der läuft sowohl bei „Rallis Fahrschule“ als auch bei der „Fahrschule Brüggemann“ in Haltern komplett kontaktfrei online ab. „Wir gestalten den Onlineunterricht über die Chatplattform Zoom“, sagt der Fahrlehrer Claus Brüggemann.

Eine Lösung auf Dauer sei das aber nicht. „Der Präsenzunterricht ist sicher nicht durch Onlineunterricht zu ersetzen“, erklärt er. Im digitalen theoretischen Fahrunterricht bestehe beispielsweise die Gefahr, dass die Technik streikt und nicht jeder etwas mitbekommt. „Zudem können wir da nur Frontalunterricht machen“, so Brüggemann. Brüggemann unterrichtet die Fahrschüler, die laut der Coronaschutzverordnung fahren dürfen, weiterhin auch praktisch.

Archivbild: Claus Brüggemann (Beifahrersitz) ist Fahrlehrer in Haltern. © Holger Steffe © Holger Steffe

Eine Änderung für die Fahrschulen gibt es bereits seit dem 1. Januar in der praktischen Prüfung für alle Führerscheinklassen. Viel Erfahrung damit haben Halterns Fahrlehrer aber noch nicht, weil durch den Lockdown bislang keine Prüfungen im Jahr 2021 stattfanden. Das ändert sich bis Anfang Februar.

Optimierte Praktische Fahrerlaubnisprüfung – kurz OPFEP

Dann sollen – Stand heute – Fahrprüfungen von Fahrschülern in „Rallis Fahrschule“ sowie bei der „Fahrschule Brüggemann“ stattfinden können. Sie werden dann unter der neuen Prüfungsordnung „optimierte Praktische Fahrerlaubnisprüfung“, kurz OPFEP, geprüft. Durch die neue Prüfungsordnung soll die Führerscheinprüfung digitaler werden, sagt der Ralf Köhler.

Statt wie bislang 45 Minuten soll die neue Prüfung 55 Minuten dauern. Die Fahrtzeit soll etwa fünf Minuten länger werden. Die zusätzlichen fünf Minuten mehr werden für das Feedbackgespräch zwischen Prüfer und Prüfling berechnet.

Bis Ende 2020 erhielten die Prüflinge nach ihrer Prüfung lediglich Bescheid, ob sie bestanden haben oder durchgefallen sind, sagt Claus Brüggemann. Das Feedback zu ihren Fahrkünsten sei in solchen Fällen zu kurz gekommen. Das soll sich ändern. Während der Fahrt müssen die Prüfer nun ein elektronisches Prüfungsprotokoll ausfüllen, das sich die Prüflinge nach der Prüfung herunterladen können.

Die Coronaschutzverordnung des Landes NRW vom 8. Januar regelt den Betrieb von Fahrschulen folgendermaßen:

  • „Der Betrieb von Fahrschulen ist weiterhin nur für berufsbezogene Ausbildungen zulässig und ansonsten untersagt.
  • Eine Ausnahme gilt für Fahrschüler, die bereits mehr als die Hälfte der verpflichtenden Ausbildungsstunden absolviert haben. Diese dürfen ihre Ausbildung einschließlich der Prüfung abschließen.
  • Beim praktischen Fahrunterricht besteht künftig die Pflicht, eine Maske mit FFP2-Schutzstandard zu tragen.“

Das dadurch mögliche Feedback soll objektiver werden. Die Fahranfänger sollen es zudem nutzen können, um ihre Fahrweise anzupassen und vorsichtiger zu sein, so Claus Brüggemann.

„Das Ziel ist es, dass Fahranfänger sicherer im Straßenverkehr unterwegs sind und weniger Unfälle passieren“, sagt Ralf Köhler. Er hofft, „dass die Fahrschüler etwas aus dem Prüfungsprotokoll für sich ziehen können“. Ob sich für Fahranfänger dadurch aber wirklich die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht, vermag er nicht einzuschätzen.

Um Unfälle, gerade bei Fahranfängern zu vermeiden, würde er ein anderes Modell ins Spiel bringen: eine PS-Beschränkung. „Ein ähnliches Modell gibt es für Motorradfahrer“, sagt er.

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