Halterner Brandstifter droht die ganze Härte des Gesetzes

dzLandgericht Essen

Von wegen völlig betrunken: Das hat eine Psychiaterin im Prozess über den Brandstifter von Haltern gesagt. Er soll vor einem Haus an der Recklinghäuser Straße ein Feuer angezündet haben.

Haltern/Essen

, 04.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Dem Brandstifter von Haltern droht die ganze Härte des Gesetzes. Eine Psychiaterin hat keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit gefunden. Das erklärte sie am Montag vor dem Essener Schwurgericht.

„Es gibt keine Hinweise auf einen rauschhaften Impulsdurchbruch“, sagte Dr. Maren Losch den Richtern. Der 24-Jährige habe zwar erzählt, dass er völlig betrunken gewesen sei und auch schon geschwankt habe. Auf dem Überwachungs-Video des brennenden Hauses an der Recklinghäuser Straße sei genau das jedoch nicht zu sehen.

Keine Ausfall-Erscheinungen bei der Tat

„Der Angeklagte hat zielgerichtet und koordiniert gehandelt“, so Losch. „Es gibt keine Ausfallerscheinungen, kein Festhalten und auch keine Gang-Unsicherheiten.“ Er habe sogar Brandbeschleuniger nachgeschüttet, was ebenfalls auf ein überlegtes Handeln hinweise.

Auch von einer tief greifenden Persönlichkeitsstörung könne keine Rede sein. Obwohl vor allem die Jugend des Angeklagten ein Drama gewesen sei.

Der heute 24-Jährige ist schon im Baby-Alter adoptiert worden. Seine Eltern waren drogenabhängig und sind angeblich beide schon verstorben. Doch in der Pflegefamilie gab es schon früh Probleme. Zigaretten, Alkohol, Marihuana: Schon zum Ende der Grundschulzeit soll der Angeklagte ziemlich abgedriftet sein.

Erst in Russland kehrte Ruhe ein

Er kam in die Kinder- und Jugendpsychiatrie, in eine Wohngruppe für schwer erziehbare Kinder und wurde schließlich für zwei Jahre nach Russland geschickt.

Erst dort - inzwischen 16 - konnte der Jugendliche aus Haltern stabilisiert werden. Er verstand sich offenbar gut mit seinem neuen Pflegevater, arbeitete in dessen Schreinerei, lernte die Sprache. Und nebenbei wurde er offenbar auch so gut beschult, dass er nach eigenen Angaben seinen deutschen Hauptschulabschluss gemacht hat. Was vor allem deshalb verwunderlich ist, da er ab der fünften Klasse praktisch nicht mehr zur Schule gegangen ist.

"Er hat Verantwortung übernommen"

Mit 18 kam er zurück, zog mit seiner Freundin zusammen, im April 2019 wurde die gemeinsame Tochter geboren. „Er hat Verantwortung übernommen und seine Alkohol- und Drogenkonsum fast eingestellt“, so Losch.

Ein Leben als Familienvater wird es für den 24-Jährigen vorerst trotzdem nicht geben. Weil er am 27. Oktober 2018 ein Haus in der Nachbarschaft in Brand gesteckt hat, drohen ihm viele Jahre Haft. Die Anklage lautet auf Mordversuch.

Der Angeklagte hatte in dem Haus den Ex-Freund seiner Partnerin vermutet, auf den er sauer war. Tatsächlich wohnten dort aber nur dessen Großeltern.

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