So könnte die Videoschaltung - hier vorgestellt von einem Medizinier und einem Techniker - ablaufen. © picture alliance/dpa
Videosprechstunde

Halterner Ärztesprecherin: „Die Videosprechstunde hat ihre Grenzen“

Durch die Corona-Pandemie erhält die Digitalisierung in vielen Bereichen einen Schub. Wir haben bei Dr. Astrid Keller, Sprecherin des Halterner Ärztenetzwerkes, nach einem Update gefragt.

Die Abstandsregeln in der Corona-Pandemie haben unseren Alltag verändert. Das gilt auch für den Besuch bei einem Arzt. So meiden manche Patienten aus Sorge vor der Ansteckung mit dem Coronavirus die Praxen. Wir haben bei der Sprecherin des Haltener Hausärztenetzwerkes nachgefragt, ob aus diesem Grund die Coronakrise Einfluss auf die Digitalisierung im Gesundheitswesen vor Ort nimmt.

Einige Kollegen hätten die Videosprechstunde im Angebot, sagt Astrid Keller. Allerdings sei das Angebot bisher nur „eine Randerscheinung“. „Im Kleinstadtbereich ist den meisten Kollegen die persönliche Betreuung sehr wichtig“, erläutert sie. Die älteren Patienten seien meist technisch nicht ausreichend ausgestattet, um beispielsweise an einer Videosprechstunde teilzunehmen.

Dr. Astrid Keller ist Sprecherin der Halterner Ärzteschaft.
Dr. Astrid Keller ist Sprecherin der Halterner Ärzteschaft. © privat © privat

Diese Patientengruppe werde telefonisch und im Notfall durch Hausbesuche von den Kollegen versorgt. Oft könne die Versorgung auch über Angehörige geregelt werden. Aus Sicht von Astrid Keller hat die Videosprechstunde ihre Grenzen, denn die Möglichkeit, den Patienten direkt zu untersuchen, dürfe nicht unterschätzt werden. Hier könnten wertvolle Informationen gesammelt werden, „die im Video verloren gehen.“

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet fort

In der Großstadt mit einem urbanerem Klientel werde hier sicherlich eine stärkere Nutzung der Videosprechstunde erfolgen. Nichtsdestotrotz werde die Digitalisierung im Gesundheitswesen fortschreiten, so Astrid Keller. Aktuell werde beispielsweise damit begonnen, Notfalldaten wie Allergien oder Notfallkontake von Angehörigen auf der Versichertenkarte zu speichern. Allerdings dürfe dies nicht ohne Zustimmung des Patienten erfolgen.

Geplant sei außerdem, die Einführung der Elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und Online-Übermittlung zur Krankenkasse und zum Arbeitgeber ab der zweiten Jahreshälfte 2021. Dieser Schritt sei wegen der Pandemie mehrfach verschoben worden.

Als sinnvoll bezeichnet Astrid Keller die geplante Speicherung von Medikamentenplänen auf der Versichertenkarte. „Weiterhin sollen später wichtige Arztberichte, Diagnosen etc. gespeichert werden“, erklärt sie. Auch hier müsse für jeden Datensatz das Einverständnis des Patienten eingeholt werden. Das bedeute, dass die Datenhoheit immer beim Patienten bleibe.

Die Datenhoheit bleibt beim Patienten

„Er entscheidet auch, welcher Arzt welche Daten bekommen darf“, berichtet Astrid Keller. Der Datenschutz stelle auch hier das höchste Gut dar, wodurch die sogenannte „Telematik-Infrastruktur“ allerdings auch träge werde.

Der Alltag und die Arbeit in der Hausarztpraxis habe sich bereits in den letzten Jahren stark verändert. „Ohne Digitalisierung ist im Prinzip die Führung einer Praxis nicht mehr möglich“, erläutert die Halterner Medizinerin.

Trotzdem sei der zwischenmenschliche Kontakt zwischen Arzt und Patient immer die Grundlage jeder guten Therapie und Betreuung. Daher werde die persönliche Sprechstunde vorerst in vielen Fällen nicht zu ersetzen sein.

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Silvia Wiethoff

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