Haltern treibt Energiewende und Klimaschutz mit großem Solar-Projekt voran

dzSolarmetropole Ruhr

Haltern ist Solar-Kommune. Die Seestadt will sich aktiv in die Förderung von Photovoltaik-Anlagen einbringen. Tatsächlich besteht ein überaus großes Potenzial.

Haltern

, 06.06.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Klimaschutz in der Region wird ab sofort gefördert. Dazu haben der Regionalverband Ruhr (RVR) und das Handwerk die Initiative „Solarmetropole Ruhr“ ins Leben gerufen. In 15 Pilot-Kommunen soll das „erhebliche Potenzial für die Nutzung der Sonnenenergie“ erschlossen und genutzt werden. Haltern am See hat sich erfolgreich beworben und ist Teil dieses Pilotprojekts.

„Mit einem umfangreichen Maßnahmen-, Kampagnen- und Beratungsprogramm sollen Besitzer von Häusern und Flächen motiviert werden, Solaranlagen zu installieren“, teilte Georg Bockey, Sprecher der Stadt, mit. Neben Haltern sind Essen, Dortmund, Oberhausen, Herne, Gelsenkirchen, Gladbeck, Herten, Recklinghausen, Dorsten, Hünxe, Xanten, Rheinberg, Kamp-Lintfort und Bönen an dem Solar-Projekt beteiligt.

Der Plan im Detail

Mit der Teilnahme an der Kampagne wolle die Stadt einen aktiven Beitrag zur CO2-Reduzierung und zum Klimaschutz leisten und die Energiewende voranbringen, erklärte Baudezernentin Andrea Rüdiger. Mit dem Handwerk vor Ort und den eigenen Stadtwerken seien die Ausgangsbedingungen ideal. „Im ersten Jahr der Aktion solle der private Gebäudebestand im Stadtgebiet zukunftsfit gemacht werden, im zweiten Jahr widmen wir uns dann den Themen Mieterstrom, Photovoltaik auf Gewerbebetrieben und den Freiflächen-Solaranlagen“, so Rüdiger.

Nur etwa 1100 Dächer in Haltern sind mit Solaranlagen bestückt

Nach Angaben des RVR gibt es in der Metropole Ruhr über eine Million geeignete Dachflächen. Allerdings seien gerade mal gut 40.000 Dächer mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet. In Haltern sind derzeit circa 1100 Dächer mit derartigen Anlagen ausgerüstet, war von Stadtwerke-Sprecher Thomas Liedtke zu erfahren. In der Seestadt seien zudem im vergangenen Jahr 12,8 Millionen Kilowattstunden Solarstrom eingespeist worden - zusätzlich zu dem von den Produzenten selbst verbrauchten Strom. 2017 waren es noch 10 Millionen Kilowattstunden.

Rechnet sich Solar überhaupt?

Aber lohnt sich Solar überhaupt noch? „Auf jeden Fall“, meinen die Verantwortlichen des Projekts. Der Preis für eine Kilowattstunde (kWh) Strom liege derzeit bei rund 28 Cent, weiß Thomas Liedtke.

Die Kosten für die Erzeugung einer Kilowattstunde Solarstrom in Kleinanlagen belaufen sich dagegen nach einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Institutes für Solare Energiesysteme auf etwa 10 Cent. Der private Solaranlagenbetreiber spart also 18 Cent pro kWh.

Solarmetropole Ruhr

Hier kann jeder seinen „Dach-Check“ durchführen

  • Der RVR hat ein Solardachkataster für die gesamte Region erstellt. Mit wenigen Mausklicks können Interessierte auf der Webseite www.solar.metropole.ruhr beim Dach-Check prüfen, ob ihr Haus für die Produktion von Solarstrom geeignet ist.
  • Infos über kommunale Ansprechpartner und Handwerker aus der Region gibt es dort zudem.
  • Auch die Stadtwerke sitzen beim Solar-Pilotprojekt mit im Boot. Individuelle Wohnenergie- und Energieausweis-Beratung, ein Solar-Check und Öko-Strom-Infos werden angeboten.

RVR und das Handwerk Region Ruhr betonen: Bei einer Strom-Einspeisevergütung, die für 20 Jahre festgeschrieben wird, bestehe zudem Unabhängigkeit von Preisentwicklungen. Derzeit wird die von einem durchschnittlich großen Haushalt produzierte und nicht selbst verbrauchte Kilowattstunde Solarstrom mit etwa 10,7 Cent gefördert. Abgesehen von einer Wertsteigerung der Immobilie sei eine Solaranlage schließlich auch ein Beitrag zum Klimaschutz, heißt es.

Große Informationsveranstaltung im Römermuseum

In allen 15 „Solar-Kommunen“ sollen Informationsveranstaltungen für interessierte Bürger und Aktionen in ausgewählten Quartieren durchgeführt werden. Kreishandwerkerschaft und die Handwerksbetriebe vor Ort nehmen teil.

Den Auftakt in Haltern macht Anfang Juli - der genaue Termin steht noch nicht fest - ein Informationsabend im Römermuseum. Vorträge zu Technik, Kosten und Rentabilität sowie Info-Stände mit Angeboten der Stadtwerke und des Handwerks sind dann geplant.

Projektflyer und weiterführendes Informationsmaterial werden über diese Veranstaltungen hinaus von der Stadt bereitgestellt. Darin sehen die Verantwortlichen einen großen Vorteil des Projekts. „Die Bürger werden wirklich umfassend informiert“, sagt Georg Bockey. Die enge Zusammenarbeit mit dem Handwerk solle zudem auch die fachkundige Beratung und die Installation von Anlagen sicherstellen.

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