Die Siedlung mit den Ein- und Zweifamilienhäusern inklusiver großer Gärten durchmischt sich inzwischen mit Mehrparteienhäusern. © Jürgen Woiter
Dahlienstraße

Haltern startet Pilotprojekt: Nachbarn reden bei Bauvorhaben mit

In der beschaulichen Siedlung rund um die Dahlienstraße herrscht wegen überdimensionierter Neubauten Aufruhr. Die Stadt kommt den Familien nun mit einem Friedensangebot entgegen.

Wohnen an der Dahlienstraße, am Fliederbusch, Tulpenfeld, Rosengarten oder im Fliederbusch ist begehrt. Doch die Siedlung mit den Ein- und Zweifamilienhäusern inklusiver großer Gärten durchmischt sich inzwischen mit Mehrparteienhäusern. Das wollen die Anwohner nicht. Der ursprüngliche Charakter ihres Wohnumfeldes soll erhalten bleiben.

Sie verlangten bereits im März im Rahmen einer Bürgereingabe die Aufstellung eines Bebauungsplanes. Die Erarbeitung eines Bebauungsplanes in diesem großen Gebiet würde drei bis fünf Jahre dauern, sagt die Stadtverwaltung. In diesem Zeitraum könne dann dort überhaupt nicht gebaut werden. „Ein solches Konfliktpotenzial ist kaum zu bewältigen. Und wir müssten in der Bauverwaltung die Planerstellen verdoppeln“, hatte Baudezernent Siegfried Schweigmann prophezeiht. Doch die Stadt macht jetzt ein Friedensangebot.

Baudezernent: „Wir betreten unbekanntes Terrain“

Sie installiert nun sozusagen als Premiere für Haltern ein Quartiersmanagement. Womit schon andere Städte gute Erfahrungen gemacht haben, soll sich auch in Haltern bewähren. Das heißt: In Nachbarschaftskonferenzen werden Vertreter der Verwaltung und der Politik sowie Investoren, Bauherren und Eigentümer miteinander als Arbeitsgruppe neue Bauvorhaben in ihrer Siedlung frühzeitig diskutieren, mögliche Störfaktoren benennen und am besten zu einem Konsens finden.

Um dieses Wohngebiet geht es: Hier installiert die Stadt ein Quartiersmanagement, um ein gemeinsam getragenes Verständnis von Bauen und Zusammenleben vor Ort zu erreichen.
Um dieses Wohngebiet geht es: Hier installiert die Stadt ein Quartiersmanagement, um ein gemeinsam getragenes Verständnis von Bauen und Zusammenleben vor Ort zu erreichen. © 3d.ruhr © 3d.ruhr

Gleichzeitig wird die Stadt auf baurechtliche und gestalterische Bedingungen aufmerksam machen, auf die nur begrenzt Einfluss genommen werden kann. Das soll Transparenz schaffen.

„Wir betreten ein für uns unbekanntes Terrain. Aber wir wollen mit den Nachbarschaftskonferenzen einen Versuch starten“, betonte Baudezernent Siegfried Schweigmann. Er sei sehr optimistisch, dass diese sich bewähren und dass letztlich zufrieden stellende Lösungen bei Bauvorhaben gefunden werden.

Konferenzen können Bauleitplanung nicht immer ersetzen

Dieses Quartiersmanagement für das Gebiet zwischen Sundernstraße und Hennewiger Weg wird bis 2022 erprobt. Wenn es gut läuft, könnte es auch auf andere Stadtquartiere ausgedehnt werden. Allerdings ersetze es nicht grundsätzlich die Bauleitplanung, man könne sich nur auf Teilbereiche beschränken, betonte Stadtplaner Ingo Stapperfenne.

Im vergangenen Jahr protestierten Anwohner der Siedlung rund um die Dahlienstraße gegen überdimensionierte Neubauten. Sie forderten einen Bebauungsplan, jetzt macht die Stadt ihnen ein anderes Angebot.
Im vergangenen Jahr protestierten Anwohner der Siedlung rund um die Dahlienstraße gegen überdimensionierte Neubauten. Sie forderten einen Bebauungsplan, jetzt macht die Stadt ihnen ein anderes Angebot. © Jürgen Wolter (A) © Jürgen Wolter (A)

Im Stadtentwicklungs-Ausschuss am 17. Juni im Rathaus folgten mit Ausnahme der FDP alle dem Vorschlag der Verwaltung. Christian Kiski begründete die Ablehnung seiner Partei: Die FDP halte Bebauungspläne für ein unverzichtbares Steuerungselement.

Eine Reihe von Bewohnern der Siedlung verfolgte von den Zuschauerrängen aus die Vorstellung des Projektes und die Diskussion. Mit der Lösung sind sie sehr einverstanden. „Wir sind froh, dass die Stadt auf uns zugegangen ist. Den Vorschlag eines Quartiersmanagements haben wir positiv aufgenommen“, sagte Ludger Wilde auf Nachfrage. Er findet es gut, dass bei den Konferenzen neben den Verwaltungsfachleuten auch Politiker und Experten mit den Bürgern an einem Tisch sitzen.

Christian Peters spricht über ein „tolles Ergebnis unserer Bemühungen und eine willkommene Möglichkeit, sich aktiv einzubringen“. Die Idee stehe und falle nun damit, wie sie gelebt werde, „sie kann ein Gewinn für ganz Haltern sein“. Ein Maximalerfolg sei sicherlich ein neuer Bebauungsplan gewesen, aber nun hätte die Gemeinschaft ein Mittel an der Hand, um bei Bauvorhaben gehört zu werden – was in 34er-Baugebieten ja sonst nicht geschieht.

„Unser Protest sollte nicht zum Ausdruck bringen, dass wir keinen Veränderungswillen besitzen“, betont Christian Peters. Ziel sei vielmehr, Wohnwert zu erhalten und maßvoll Wohnraum zu schaffen. „Wir wünschen uns ein Wohnumfeld, in dem sich alle wohlfühlen.“

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Elisabeth Schrief

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