Haltern relativ gut aufgestellt bei Grundschullehrern - aber Probleme gibt es auch hier

dzGrundschulen in Haltern

26.300 Grundschullehrer fehlen bis 2025 laut einer aktuellen Studie. Haltern ist als Arbeitsort beliebt bei Lehrkräften, aber auch hier gibt es Baustellen - gerade bei den Leitungsstellen.

Haltern

, 18.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis 2025 sollen laut einer aktuellen Prognose der Bertelsmann-Stiftung mindestens 26.300 Grundschullehrer fehlen. In vielen NRW-Städten ist die Lage heute schon dramatisch. Im Kreis Recklinghausen konnten die 81 offenen Stellen auch 2019 nicht vollständig nachbesetzt werden. Schulamtsdirektorin Marita Wrocklage, beim Schulamt des Kreises zuständig für Einstellungs- und Versetzungsverfahren in der Grundschule, spricht von einer Abdeckung zwischen 94 und 96 Prozent.

In Haltern seien die Grundschulen laut Marita Wrocklage „gut versorgt“, genaueres zu der Personalsituation in den einzelnen Schulen wollte sie jedoch nicht sagen. „Haltern ist eine der wenigen Städte, die gut besetzt sind“, sagt die Schulamtsdirektorin. Das läge vor allem daran, dass die Lehrkräfte, besonders aus dem Einzugsgebiet Münster, sich „einen Einsatz in Haltern wünschen würden“, so Marita Wrocklage. Auch aus anderen Städten kämen Versetzungsanträge in die Seestadt, vor allem von Lehrern, die hier wohnen würden. Sie räumt aber ein: „Das Gefühl, dass auch Stunden fehlen, ist auch in Haltern da.“ Wenn Kolleginnen durch Schwangerschaft ausfielen oder wenn es längerfristige Krankheitsfälle gebe. Und: „Die Grundschule Sythen-Lavesum ist ein bisschen unterbesetzt.“

Zwei Vertretungen

Wie die Konrektorin und kommissarische Schulleiterin Marlet Kleerbaum mitteilte, seien zu Beginn des aktuellen Schuljahres zwei Lehrkräfte der Katharina-von-Bora-Schule und der Silverbergschule dort als Vertretungen eingesetzt. „Für dieses Schuljahr sind wir gut abgedeckt“, sagt Kleerbaum. Seit Juni 2018 führt sie den Schulverbund mit insgesamt 310 Schülern kommissarisch.

Wer den Posten dauerhaft übernehme, müsse die Prüfung zum Konrektor oder Konrektorin abgelegt haben, sagt Marlet Kleerbaum. Das sei schwierig abzudecken. Ihr mache der Job „wirklich Spaß“, sie werde aber auch durch ihr Team und die Eltern der Schüler gut unterstützt. Selbst kann sie die Leitungsposition der katholischen Schule nicht dauerhaft übernehmen, weil sie evangelisch ist. „Es ist Bewegung drin“, sagt Marita Wrocklage betont kryptisch, wenn sie auf die vakanten Leitungsposten der Grundschulen angesprochen wird.

Haltern relativ gut aufgestellt bei Grundschullehrern - aber Probleme gibt es auch hier

Veronika Beher, Leiterin der Silverbergschule, ist auch für die Dachsbergschule und den Grundschulverbund Flaesheim-Hullern zuständig. © Kevin Kindel

Auch im Grundschulverbund Hullern-Flaesheim ist die Rektorenstelle im dritten Jahr unbesetzt. Veronika Beher, Leiterin der Silverbergschule, leitet den Grundschulverbund zusätzlich zu ihrer eigenen Rektorenstelle. Das sei schon ein Problem, gibt Beher zu. In Flaesheim/Hullern bekommt sie seit einem Jahr Unterstützung durch Konrektorin Maria „Nana“ Keysberg. Einschulungen, Abschlussfeiern, Klassenfahrten - „das kann man von außen nicht regeln“. Drei Schulpflegschaften, drei Fördervereine, zwei unterschiedliche Träger der OGS. „Im ersten Jahr habe ich alles mitgemacht“, sagt Veronika Beher. Jetzt sei sie aber froh, dass Maria Keysberg ihr einige Aufgaben abnähme. Zudem ist an ihrer eigenen Schule die Konrektorenstelle nicht besetzt. Dort sei aber Abhilfe in Sicht.

Ärger über Startbedingungen

Grundsätzlich stimmt Veronika Beher der Schulamtsdirektorin Marita Wrocklage zu: „Mit Haltern haben wir insgesamt Glück.“ Eine Stelle sei zu diesem Schuljahr an der Silverbergschule neu besetzt worden. Aber wenn im nächsten Jahr mehr Schüler eingeschult würden, „wissen wir auch nicht, wie das wird“.

Was Veronika Beher ärgert, sind die Grundvoraussetzungen für ein Lehramtsstudium für die Grundschule. „Wir hatten hier im OGS-Bereich Abiturienten in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr. Sie hatten alle Notenschnitte von 2,4 und 2,5. Richtig gute Leute. Sie haben trotzdem keinen Studienplatz bekommen“, sagt die 59-Jährige. Der Numerus Clausus für die Primarstufe ist je nach Universität unterschiedlich hoch, liegt zwischen 2,1 und 2,3. Außerdem müsse man zwingend Deutsch und Mathe studieren, auf gleichem Niveau wie angehende Sekundarstufe-I- und II-Lehrer, kritisiert Beher, das Gehalt sei aber wesentlich geringer. „Dann muss man doch reiner Idealist sein, um das noch zu machen“, glaubt Veronika Beher.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert seit Längerem, den Numerus clausus für das Lehramt an Grundschulen abzuschaffen sowie die Zahl der Studienplätze auszubauen.

Lesen Sie jetzt