„Er war eiskalt“: Mann soll Neffen vergewaltigt und Tankstelle in Haltern überfallen haben

dzGerichtsprozess

Ein Mann soll seinen erwachsenen Neffen in einer Nacht im Mai mehrfach vergewaltigt haben. Zuvor soll er zudem eine Tankstelle in Haltern überfallen haben. Nun steht er vor Gericht.

von Klaus Möllers

Haltern

, 29.10.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich hatte das mutmaßliche Opfer kaum mehr Kontakt zu seinem Onkel. „Nach seiner Inhaftierung lernten wir uns gerade wieder kennen. Wir hatten zwei Mal telefoniert“, sagte der 28 Jahre alte Mann aus Recklinghausen am Dienstag als Zeuge am Landgericht Münster. Im Laufe der Nacht vom 12. auf den 13. Mai wurde er von seinem 45 Jahre alten Onkel in einem Dülmener Hotel mehrfach vergewaltigt.

Kassiererin der Tankstelle bedroht

Zuvor hatte der ebenfalls aus Recklinghausen stammende Verwandte bei einer gemeinsamen nächtlichen Autofahrt in einer Tankstelle an der A43 in Haltern verschiedene Waren mitgehen lassen. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus.

Die Kassiererin der Tankstelle soll bei dem Diebstahl von dem 45-Jährigen bedroht worden sein. Wegen beider mutmaßlicher Taten - dem Diebstahl und den sexuellen Übergriffen gegen den Neffen - ist der Onkel am Landgericht angeklagt.

Angeklagter hatte schon eine Minderjährige vergewaltigt

Der Mann stand, so war beim Prozessauftakt zu vernehmen, unter Führungsaufsicht. Er hatte mehrere Jahre in Haft verbracht, unter anderem weil er eine Minderjährige vergewaltigt hatte. Nach der Entlassung wurde in ein Landesprogramm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter aufgenommen.

„Er war eiskalt. In dem Hotelzimmer erkannte ich ihn nicht wieder. Ich hätte niemals gedacht, dass mir das als Neffe passiert“, schilderte der 28-Jährige in der öffentlichen Verhandlung. In dem Hotel sei er mehrfach vom 45-Jährigen vergewaltigt und selbst zu sexuellen Handlungen an dem Verwandten gezwungen worden. „Ich hab‘ alles gemacht, was er wollte, damit ich heil wieder da rauskomme“, so der Neffe. Er sei geschlagen worden und habe zwischenzeitlich „Todesangst“ gehabt.

Mann stand unter Drogeneinfluss

Der Onkel war demnach zu Besuch bei seinem Neffen und dessen Freundin. Nach eigener Aussage am Dienstag stand der 45-Jährige bei der Ankunft unter dem Einfluss von Kokain, Whiskey und einem Beruhigungsmittel. In der Wohnung sei er der Freundin gegenüber schon zudringlich geworden, erklärte der Neffe. „Ich wollte ihn aus der Wohnung haben.“

Mit dem Auto sei man nach Herten gefahren, wo sich der Onkel - offenbar bei einem Bekannten - Kokain verschafft habe. In Haltern dann sei er mit nacktem Oberkörper in die Tankstelle gegangen und mit Bier, Cola und anderen Getränken wieder herausgekommen. Er habe zum Neffen im Auto gesagt: „So, jetzt haben wir wieder Geld.“

Kasse mit einer Schere aufgebrochen

Der Mann hat laut Anklage die Kasse mit einer Schere aufgebrochen und 380 Euro mitgehen lassen. In dem Dülmener Hotel habe der 45-Jährige nach Aussage des Neffen „erst einmal schlafen“ wollen.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, warum er nicht geflohen sei, erklärte der Neffe, dass er einerseits an der Tankstelle das Auto nicht habe starten können und andererseits Angst gehabt habe, dass sich der Onkel alleine auf den Weg zu der Freundin mache. Denn das habe er angekündigt.

Der 45-Jährige räumte am Dienstag beide Taten ein. Aus der Untersuchungshaft heraus habe er noch versucht, ein anderes Bild zu zeichnen, legte der Richter dar. So habe der Angeklagte Briefe an verschiedene Personen und einen Zeitungsverlag geschrieben, in dem er behauptete, er sei selbst vom Neffen unter Vorhalt einer Schusswaffe missbraucht worden und der habe auch die Tankstelle überfallen.

Die Verhandlung wird am 5. November fortgesetzt.

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