Gymnasium und Realschule einig: „So machen Klassenfahrten keinen Spaß“

dzWegen Corona

Es geht nicht auf die Insel und auch nicht ins Nettetal. Mehr als 20 Klassenfahrten sind wegen der Corona-Krise abgesagt, obwohl theoretisch Ausflüge innerhalb Deutschlands erlaubt sind.

Haltern

, 09.06.2020, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nichts ist wie immer: Eigentlich geht die 6. Jahrgangsstufe des Joseph-König-Gymnasiums immer nach den Sommerferien auf Klassenfahrt. Doch in diesem Jahr ist der mehrtägige Ausflug ins Feriendorf des Landessportbundes gestrichen. Die Schulleitung hat sich dazu entschlossen, obwohl theoretisch Klassenfahrten innerhalb Deutschlands laut NRW-Erlass möglich wären. Die Eltern werden gebeten, die Stornierungskosten zu übernehmen. Das Land tut es nicht.

Das Ministerium für Schule und Bildung NRW hatte in einem Runderlass mitgeteilt, dass anfallende Stornierungskosten lediglich für Fahrten ins Ausland bis Herbst 2020 übernommen werden. „Mehrtägige Reisen innerhalb des Bundesgebietes […] für den Zeitraum nach den Sommerferien können unter Beachtung von Maßnahmen zur Wahrung des erforderlichen Infektionsschutzes durchgeführt werden“, heißt es dazu aus Düsseldorf. Das Ministerium hat die Verantwortung auf die Schulen geschoben.

Joseph-König-Gymnasium: Es stellen sich eine Menge Fragen

Für Schulleiter Ulrich Wessel aber stellen sich bezüglich der Maßnahmen zur Wahrung des erforderlichen Infektionsschutzes während einer eventuellen Klassenfahrt eine Menge Fragen. „Weder in den Unterkünften vor Ort mit Vier- bis Ach-Bett-Zimmern noch in den gebuchten Bussen für 160 Schüler ist an einen Sicherheitsabstand von 1,50 Metern oder einen ständigen Luftaustausch zu denken. „Wie könnte hier der Infektionsschutz sichergestellt werden?“

Auch könne damit gerechnet werden, dass sich in den Unterkünften andere Gruppen zeitgleich aufhalten. Bei den geplanten Programmen liege zudem der Fokus zumindest teilweise auf der Stärkung der Teamfähigkeit, die unter Wahrung der Hygienevorschriften gar nicht durchführbar wären.

In einem Brief an die Eltern schreibt Ulrich Wessel: „Wir können uns nicht vorstellen, wie eine Klassenfahrt unter Wahrung aller Schutzmaßnahmen durchgeführt werden könnte und tun uns außerdem schwer mit der Vorstellung, dass die begleitenden Lehrpersonen die Verantwortung dafür übernehmen müssen.“ So geht es weder für die Jahrgangsstufe 6 ins Nettetal noch für die Achtklässler nach England und Borkum (hier betragen die Stornogebühren pro Kind 15 Euro). Auch die Kursfahrten nach Liverpool, Berlin und Hamburg sind abgesagt.

Alexander-Lebenstein-Realschule: Der Sinn ist verfehlt

„Angesichts der vielen Einschränkungen halte ich den Sinn von Klassenfahrten in diesen schwierigen Zeiten für verfehlt. Die Reisen würden auch niemandem Spaß machen“, sagt Frank Cremer, Leiter der Alexander-Lebenstein-Realschule. So ist die Entscheidung gefallen, dass 18 Klassenfahrten zu den Nordseeinseln, nach Hamburg, Düsseldorf, Xanten und zum Alfsee ausfallen.

Bei den geplanten Programmen, so Frank Cremer, liege der Fokus auf der Stärkung der Teamfähigkeit. „Wie soll das mit Abstandsregeln und Hygienevorschriften funktionieren?“ Abwarten, um zu schauen, ob sich die notwendigen Maßnahmen nach den Ferien eventuell ändern und ob dann unter den geänderten Vorzeichen eine Fahrt verantwortbar wäre, ist für Frank Cremer und sein Team keine Option, da ansonsten nach den Ferien bei Absage teilweise 80 Prozent der Gesamtsumme als Stornogebühr gezahlt werden müsste.

Dieses Risiko hält die Schule für nicht verantwortbar. Die jetzt anfallenden, geringeren Stornokosten sollen voraussichtlich aus Rücklagen bezahlt werden, damit die Eltern nicht belastet werden.

Die Joseph-Hennewig-Hauptschule hatte Klassenfahrten nach den Osterferien geplant, diese wurden nach Auskunft von Schulleiterin Dagmar Perret alle abgesagt. In den ersten Schulwochen nach den Sommerferien und bis zu den Herbstferien stehen keine Fahrten auf dem Schulkalender.

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