Das alte Dickerhoff-Gelände ist geräumt, bald beginnt der Bau der ersten Häuser entlang der Recklinghäuser Straße und der Flaesheimer Straße. Beste Lage haben die Wohnungen mit Blick auf den Wesel-Datteln-Kanal. © Bludau
Pilotprojekt in Bossendorf

Gutes Klima in den Katharinenhöfen: 100 Wohnungen, wenig Nebenkosten

Für die 100 Wohnungen in den neuen Katharinenhöfen stehen Interessenten Schlange. Zusagen gibt der Investor noch nicht. Er wartet aktuell auf die Baugenehmigung für die Klimaschutzsiedlung.

Nichts bewegt sich auf der Baustelle Katharinenhöfe, aber dieser Stillstand wird bald ein Ende haben. Sobald die Stadt die Baugenehmigung erteilt, startet das große Vorhaben. Auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Tiefbaufirma Dicherhoff bauen Michael Hiesgen, Lars Naumann und Johannes Stock als Investoren ein urbanes Quartier mit 100 Mietwohnungen, Kindergarten, Demenz-Wohngemeinschaft und Gewerbe. „Das ist angesichts des hohen Energiestandards ein Pilotprojekt für uns und sicherlich ein Vorzeigeprojekt für Haltern am See“, sagte Michael Hiesgen im Gespräch mit der Halterner Zeitung.

Die Energieagentur NRW hat diesem Quartier schon im ersten Anlauf nach der Präsentation in Düsseldorf den Titel Klimaschutzsiedlung zugesprochen. Damit sind die Katharinenhöfe eine von 100 Klimaschutzsiedlungen, die in Nordrhein-Westfalen entstehen. Sie zeichnen sich durch einen sehr geringen Energieverbrauch und deutlich reduzierte CO2-Emissionen aus. „Die Planungen sind aufwendig, aber sie werden zu einem guten Ergebnis führen“, sind Michael Hiesgen und seine Partner überzeugt.

Verzögerungen bei Kita-Bau sind möglich

Auf dem 16.000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Flaesheimer und Recklinghäuser Straße sowie dem Wesel-Datteln-Kanal entstehen drei U-förmige Gebäude mit sechs Häusern. Erster und größter Bauabschnitt sind die Häuser 1 und 2 mit Gewerbebereich und Kindergarten. Es ist das erste Mal, dass ein Investor für die Stadt Haltern eine Kita baut. Träger der Einrichtung für 55 Jungen und Mädchen wird die evangelische Kirchengemeinde sein.

Ein Bauschild an dem Grundstück zeigt, dass die Häuser des neuen Quartiers eine Mischfassade aus Klinker, Putzfassade, Zink und Glas haben. Geparkt wird übrigens in einer Tiefgarage. © Bludau © Bludau

Um den Bedarf an Kindergarten-Plätzen noch besser decken zu können, wünschen sich Jugendamt und Politik eine Fertigstellung bis Sommer 2022. Michael Hiesgen, der schon drei Kindergärten in anderen Städten gebaut hat, ist angesichts der aktuellen Lage in der Baubranche mit Fachkräftemangel, Auftragsflut und Baumaterialien-Mangel verhalten optimistisch: „Wir müssen einen Puffer einplanen. Ich mag den Sommertermin nicht versprechen, es wird eher Ende des Jahres.“

Die Gewerbeflächen sind für Arztpraxis, Zahnmediziner, Physiotherapeut, Sozialdienst und Apotheke vorgemerkt. Außerdem ist der Vertrag mit Bäcker Berthold Brinkert geschlossen: Er eröffnet eine Bäckerei mit Café.

24 Demenzkranke bilden eine Wohngemeinschaft

Ein halbes Jahr später startet der nächste Bauabschnitt für Haus 5 und 6. In einem der Häuser werden 24 Demenzkranke auf 1800 Quadratmetern eine Wohngemeinschaft bilden. Träger ist die Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH. Dieses Wohnmodell schließt die Lücke zwischen häuslicher Einzelversorgung und traditionellem Heim und bietet so weit wie möglich ein selbstständiges Leben.

Die Häuser drei und vier bleiben allein dem Wohnen vorbehalten. Insgesamt gibt es in den Katharinenhöfen fünf unterschiedlich große Zuschnitte. 35 Quadratmeter Singlewohnungen, über 160 Quadratmeter große Penthauswohnungen mit Blick auf den Kanal bis hin zu Reihenhaus-ähnlichen Familienwohnungen über zwei Etagen kommen auf den Immobilienmarkt. Die Mietpreise variieren nach Lage. Sozialwohnungen gibt es an diesem Standort nicht.

Ein Quartier von ökologischer Qualität, wenig Nebenkosten

„Wir wünschen uns ein belebtes Quartier. Hier soll ein Miteinander von Menschen aller Generationen selbstverständlich sein“, sagt Michael Hiesgen zur Philosophie des zwar verdichteten, aber grünen Quartiers.

IPG Investment

Die IPG Investment GmbH wurde 2011 von Lars Naumann und Michael Hiesgen mit dem Ziel gegründet, gemeinsam Wohn- sowie Handelsimmobilien zu entwickeln. Die IPG Investment GmbH begleitet Immobilienprojekte über alle Phasen – von der Vision bis zur Fertigstellung. Mit eigenem finanziellen Risiko setzt die IPG Investment GmbH seit Ihrer Gründung Klein- und Großprojekte um.

Beauftragter Architekt der Katharinenhöfe ist Hans G. Schmidt-Domogalla aus Dorsten-Wulfen, der auch das genossenschaftliche Wohnprojekt Lina am Hennewiger Weg entworfen hat. Bei der Reaktivierung des seit Jahren brachliegenden Geländes spielt das Energiekonzept eine wichtige Rolle. Der beteiligte Stadtplaner Martin Rogge (Stadtraum-Architektengruppe, Düsseldorf) ist überzeugt: „Es entsteht ein Wohnquartier von hoher gestalterischer, ökologischer Qualität.“ Er selbst gab hierzu den wesentlichen Impuls.

Alle sechs Häuser werden in massiver Bauweise errichtet und erreichen den maximalen Standard von KfW-40-plus. Die zentrale Wärmeerzeugung für Heizung und Wasser erfolgt mit Sole-Wasser-Wärmepumpen, auf den Dächern wird Photovoltaik installiert und in der Tiefgarage werden 40 Ladesäulen für Elektrofahrzeuge aufgestellt. Eine komplett autarke Versorgung mit Energie sei nicht möglich, „aber wir werden Energie so schnell wie möglich produzieren und verbrauchen“ erklärt Michael Hiesgen. Der Vertrag mit einem Energiepartner sei ein großes Planungsthema.

Der hohe Energiestandard wirke sich, so Michael Hiesgen, auch auf die zweite Miete aus. Es entstünden nur minimale Nebenkosten.

Wenn nach Erteilung der Baugenehmigung der Baustart erfolgt, wird nicht gleich die typische Baustelle zu sehen sein. Erster Schritt sind die Erdwärme-Bohrungen bis in eine Tiefe zwischen 100 und 140 Metern. Erfahrungswerte holten sich die Bauherren beim LWL-Römermuseum.

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Redaktion Haltern
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Elisabeth Schrief
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