Grüne Politiker(innen) kandidieren, obwohl sie Schluss machen wollen

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Nach der Kommunalwahl wollen sich Anette Fleuster und Maaike Thomas aus der aktiven Politik zurückziehen. Trotzdem kandidieren beide für einen Wahlbezirk.

Haltern

, 06.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 1984 gehören Maaike Thomas und Anette Fleuster für die Grünen dem Rat in Haltern an. Im Februar wurden sie dafür geehrt und kündigten an, dass nach der Kommunalwahl im Herbst Schluss sein solle. „Es fühlt sich an, als ginge man in den Ruhestand“, sagte Anette Fleuster.

Trotzdem bewerben sich beide am 13. September in ihren Wahlbezirken (6/ Joseph-Hennewig-Hauptschule bzw. 18/ Grundschule Hullern) für ein Mandat. Wie passt das zusammen? Im Gespräch mit der Redaktion erklärten beide Grünen-Frauen, dass sie mit ihrer Kandidatur dafür sorgen wollen, ein starkes Ergebnis für ihre Fraktion einzufahren. „Wir stellen uns zur Verfügung, weil man mit unseren Namen grüne Politik in Haltern verbindet“, sagt Maaike Thomas.

Grüne holten noch nie ein Direktmandat

Die Chance auf ein Direktmandat rechnen sie sich nicht aus. Dass sie ihren Wahlbezirk direkt holen werden, sei sehr unwahrscheinlich und wäre eine Sensation, denn es ist bisher in Haltern noch nie vorgekommen. „Falls dieser irrwitzige Fall eintreten sollte, und die Bürger es so wollen, stehen wir natürlich zur Verfügung und treten unser Ratsmandat an“, reagiert Anette Fleuster auf den Vorwurf, der Wähler könnte sich getäuscht fühlen.

In ihrem Flyer, mit dem sie ihren Wahlkampf gestaltet, gehe sie mit der Thematik offen um, ließ die Grünen-Kandidatin wissen. Wie Maaike Thomas will sie sich weiterhin für grüne Politik in Haltern stark machen und der neuen Fraktion mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Wir verlassen ja nicht die Partei“, betont Maaike Thomas. Gleichzeitig aber sei es jetzt an der Zeit, den Weg für Jüngere frei zu machen.

Wahlrecht NRW

Jeder Wähler hat eine Stimme

  • Die Zahl der zu wählenden Gemeindevertreter bestimmt sich nach der Bevölkerungszahl und liegt zwischen 20 und 90. Zusätzliches Mitglied ist der direkt gewählte hauptamtliche Bürgermeister.
  • Die Hälfte der Vertreter wird in Einerwahlkreisen (Wahlbezirke) nach relativer Mehrheitswahl und die restlichen über geschlossene Listen (Reservelisten) gewählt. Dazu kommen Überhang- und Ausgleichsmandate.
  • Jeder Wähler hat eine Stimme, mit der er einen Wahlbezirkskandidaten und die Reserveliste seiner Partei wählt.

Aus diesem Grund sind beide nicht auf der Reserveliste ihrer Partei zu finden, deren aussichtsreiche Plätze überwiegend mit frischen Gesichtern besetzt sind. Diese Liste sei für eine Partei wie die Grünen, die noch nie ein Direktmandat geholt hat, wichtiger als die Besetzung der Wahlbezirke, meint Anette Fleuster.

Die Listenkandidaten stehen bei den Grünen im Vordergrund

Eine zahlenmäßig starke Fraktion sei besser in der Lage, grüne Politik in Haltern umzusetzen, argumentiert die Hullernerin. Schließlich habe der Wähler nur eine Stimme und diese entscheide darüber, in welcher Stärke eine Fraktion in den Rat einziehe.

Neben Anette Fleuster und Maaike Thomas treten auch Fraktionschef Michael Zimmermann (2/ Marienschule), Ratsfrau Marlies Wesseler (7/Trigon) und Hermann Döbber (3/Altes Rathaus) ausschließlich in einem Wahlbezirk für die Grünen in Haltern bei der bevorstehenden Wahl an. Die Grünen stellen im Wahlkampf im Gegensatz zu den anderen Parteien ihre Listenkandidaten in den Vordergrund.

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