Michael Onnebrink, Gewässerwart des Halterner Angelsportvereins „Petri heil“, machte sich vor Ort ein Bild von der Situation. © Winkelkotte
Zwischenstever

Gewässerwart wundert sich über tote Fische am Hullerner Wehr

Nach dem massiven Fischsterben im August sind am Dienstagmorgen erneut einige kleine Fische in der Stever zwischen Haltern und Hullern verendet. Die Gelsenwasser AG hat nun eine Vermutung.

Bei ihrer Joggingrunde waren einer aufmerksamen Anwohnerin am Dienstagmorgen einige tote Fische an der Zwischenstever aufgefallen. Sofort machte sich Michael Onnebrink auf den Weg, um sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. Der 49-Jährige ist Gewässerwart beim Angelsportverein „Petri Heil“ Haltern, dessen Mitglieder sich seit vielen Jahren um die Hege und Pflege des Gewässers bemühen.

„In der Vergangenheit hatten wir hier leider schon öfter ein Fischsterben zu beklagen, aber bislang ausschließlich im Sommer“, so Onnebrink. Als er von der Brücke am Hullerner Wehr auf das Wasser blickt, treiben einige, kleine Rotaugen und Barsche kopfüber an der Wasseroberfläche herum. „Zu dieser Jahreszeit ist das untypisch. Das Wasser ist kalt und sollte eigentlich genug Sauerstoff enthalten.“

Die Funktion der Tal­sperren

  • Zur Speicherung des Wassers aus Stever und Mühlenbach entstand in den Jahren 1927 bis 1930 die Talsperre Haltern.
  • Ihr Stauraum wurde bis 1972 schrittweise auf 20,5 Millionen Kubikmeter erweitert.
  • In den Jahren 1973 bis 1985 folgte der Bau der Stever-Talsperre Hullern. Den beiden Talsperren fließen pro Jahr durchschnittlich 230 Millionen Kubikmeter Wasser zu.
  • Rund zwei Drittel der Wassermenge fließen über die Wehranlage ab; nur ca. ein Drittel wird für die Trinkwasserversorgung genutzt.
  • Das Südbecken der Talsperre Haltern dient als Betriebsanlage – zur Vorreinigung des Talsperrenwassers. Am Einlauf des Südbeckens werden – bei Bedarf – Flockungsmittel und Aktivkohle zugegeben, um unerwünschte Wasserinhaltsstoffe zu binden. Durch Sedimentation werden diese aus dem Wasser entfernt.

Haben sich möglicherweise die riesigen Laubmengen, die in den vergangenen Tagen von den Bäumen in die Stever herabgefallen sind, negativ auf die Wasserqualität ausgewirkt? „Das ist möglich“, so Onnebrink. „Gefallenes Laub sinkt auf den Boden und fängt an, dort langsam zu vermodern. Dadurch kann sich Faulschlamm bilden, der dem Wasser den Sauerstoff entzieht.“

Neue Belüftungspumpen

Zuletzt war es im August zu einem massiven Fischsterben in der Zwischenstever gekommen, obwohl kurz zuvor am unteren Wehr neue Belüftungspumpen installiert worden waren. Die Gelsenwasser AG hatte zudem Frischwasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal zugeführt. Dennoch war das Gewässer gekippt. Sauerstoffmangel, die hohen Wassertemperaturen und zu viele von Feldern in das Wasser gespülte Nährstoffe sorgten letztlich dafür, dass zahlreiche Fische verendeten.

Sauerstoffmangel sei derzeit nicht das Problem, teilte Heidrun Becker, Pressesprecherin der Gelsenwasser AG, am Nachmittag auf Anfrage mit. „Die Werte bei den aktuell durchgeführten Messungen des Sauerstoffgehalts waren durchweg im grünen Bereich.“ Für die vereinzelten, toten Kleinfische hat die Sprecherin eine andere Erklärung. „Unsere Mitarbeiter haben am Dienstag am Wehr Pumpen gewechselt, mit der wir Wasser aus der Hullerner Talsperre in die Zwischenstever befördern.“ Ein Netz schütze die Fische. Dennoch sei nicht ausgeschlossen, dass bei dem Vorgang wenige, insbesondere kleine Fische, zu nah an die Ansaugstutzen geraten sind.

Auf dem Foto kaum zu erkennen, doch in der Zwischenstever treiben wieder tote Fische herum.
Auf dem Foto kaum zu erkennen, doch in der Zwischenstever treiben wieder tote Fische herum. © Winkelkotte © Winkelkotte

Weiterhin niedriger Füllstand

Weiterhin hat das Unternehmen übrigens mit Wassermangel in den Talsperren zu kämpfen. „Der Füllstand in der Talsperre Haltern beträgt derzeit 55 Prozent, in der Talsperre Hullern liegen wir bei 60 Prozent. Auch im November hat es nur sehr wenig Niederschlag gegeben“, so Becker. Wie schnell sich die Talsperrenbecken wieder füllen lassen, hänge von der weiteren Niederschlagsentwicklung ab. Ziel beim Talsperrenmanagement sei in jedem Jahr, mit Vollstau in den Frühsommer zu gehen.

Über den Autor
Redaktion Haltern
1982 in Haltern geboren. Nach Stationen beim NRW-Lokalfunk, beim Regionalfernsehen und bei der BILD-Zeitung Westfalen 2010 das Studium im Bereich Journalismus & PR an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen erfolgreich beendet. Sportlich eher schwarz-gelb als blau-weiß orientiert. Waschechter Lokalpatriot und leidenschaftlicher Angler. Motto: Eine demokratische Öffentlichkeit braucht guten Journalismus.
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Daniel Winkelkotte

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