Friseurbesuch in Corona-Zeiten: „Wir haben alle öfter Kopfschmerzen“

Coronavirus

Die Corona-Pandemie hat Friseurbesuche verändert. Freie Termine sind nun rar und die Maske bleibt auf. Einiges ist aber gar nicht so schlimm, wie im Vorfeld vermutet. Ein Erfahrungsbericht.

Haltern

, 20.05.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Seit zwei Wochen darf Sascha Kemper (l.) seine "Haarwerkstatt" wieder öffnen.

Seit zwei Wochen darf Sascha Kemper (l.) seine "Haarwerkstatt" wieder öffnen. © Privat

Viele Wochen mussten Friseursalons wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben. Seit dem 4. Mai haben sie aber wieder geöffnet - mit einigen Corona-Auflagen.

Etwa sechs bis acht Wochen liegen normalerweise zwischen meinen Friseurbesuchen. Diesmal waren es - dank der Corona-Pandemie genau 13. Vor ein paar Tagen war es dann soweit. Ich durfte endlich wieder bei meinem Friseur Platz nehmen.

Schon vor mehreren Wochen hatte ich angerufen, um einen Termin auszumachen. Viel Platz im Kalender war nicht mehr. Daran hat sich auch zwei Wochen nach der Wiedereröffnung der Friseure nicht viel geändert. „Der Terminplan ist voll“, sagt Sascha Kemper, Betreiber der „Haarwerkstatt“. „Wir haben richtig gut zu tun.“ Bis Ende des Monats gebe es nur noch vereinzelt freie Termine.

Kunden waren anfangs verunsichert

Zum Glück habe ich jetzt erst mal wieder mindestens anderthalb Monate Ruhe. Denn die Haare sind wieder ab. Wurde aber auch langsam Zeit. Mein Kollege verglich mich schon mit Jack Nicholson. Ein Mann, der für vieles bekannt ist, aber nicht unbedingt für eine schöne Frisur.

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Aber zurück zum Friseurbesuch. Noch bevor ich den Laden betrete, zeigt sich die erste Änderung: Erst klopfen, dann kann man rein. Nur drei bis vier Kunden könnten durch die Corona-Auflagen gleichzeitig in seinem Salon bedient werden, erklärt Sascha Kemper. Alles sieht anders aus. Stühle bleiben frei, von der Decke hängen mit Haken fixierte Plexiglasscheiben. Aufgrund der großen Abstände wären die vermutlich gar nicht nötig gewesen, sagt er. Aber die Schutzscheiben würden seinen Kunden noch mal zusätzliche Sicherheit geben. „Viele hatten Angst und Sorge zu kommen“, erzählt er. „Jetzt sind sie aber beruhigt.“

Auch ich fühle mich sicher. Noch bevor es richtig losgehen kann, geht es erst mal zum Waschbecken. Die Haare müssen nun immer einmal von einem Mitarbeiter vorab gewaschen werden. Für viele ist das bestimmt neu, für mich nicht. Ohne sie nass zu machen, kann man meine Locken sowieso nur schwer schneiden.

Auch beim Haarewaschen bleibt die Maske auf

Die rote, weiß-gepunktete Maske behalte ich die ganze Zeit auf. Nur die Gummibänder müssen kurz abgenommen werden, damit sie nicht nass werden. Die Maske bleibt aber auch so an Ort und Stelle. Nur beim Reden verrutscht sie schnell mal. Apropos Maske: Die nervt mich häufig schon beim 20-minütigen Einkauf. Doch im Gegensatz zu mir müssen Friseure - und viele andere in ihrem Berufen - mehrere Stunden lang eine Maske tragen.

Das wirke sich auf alle Mitarbeiter aus, verrät Sascha Kemper. „Wir haben alle öfter Kopfschmerzen“, sagt er. An das Tragen einer Maske hätten er und seine Kolleginnen sich aber dennoch bereits einigermaßen gewöhnt. Generell sei durch die vielen Auflagen aber die Arbeit in seinem Salon „ein bisschen umständlicher und mühsamer“ geworden. Nach jedem Kundenbesuch müsse beispielsweise erst mal wieder sauber gemacht werden.

Waren sie vor dem Friseurbesuch noch lang und unordentlich (l.), sind die Haare jetzt wieder deutlich kürzer.

Waren sie vor dem Friseurbesuch noch lang und unordentlich (l.), sind die Haare jetzt wieder deutlich kürzer. © Jürgen Wolter

Zudem muss von jedem Kunden eine Telefonnummer aufgeschrieben werden. Für den Fall, dass eine Infektionskette nachträglich verfolgt werden muss. Trotz der vielen Maßnahmen ist Kemper zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Wiedereröffnung. Das Arbeiten unter den strengen Corona-Auflagen „haben wir uns alle schlimmer vorgestellt“.

Ein Fazit, das ich nur teilen kann. Auch ich hatte mir einen Friseurbesuch schlimmer vorgestellt. Zwar haben sich für mich als Kunden einige Dinge verändert, aber so schlimm wie anfangs gedacht ist es doch nicht.

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